Wenn der Meister kommt, dann gibt es eigentlich nur eine Bezeichnung für diese Partie: Spitzenspiel. Für diese Benennung tat der EHC Eisbären in der bisherigen Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auch einiges, die Berliner stehen gut da nach sieben Partien, sie haben prozentual die zweitmeisten Punkte geholt. Dem hinkt der ERC Ingolstadt etwas hinterher. Das jüngste Ergebnis des Meisters lässt auch nicht gerade darauf schließen, dass von dem Titel noch viel übrig ist. Formal bleibt es dennoch ein Spitzenspiel, das am Freitag vor dem EHC liegt (19.30 Uhr, O2 World).
Wenn es nach dem Trainer der Berliner geht, spricht sogar etwas dafür, dass das nicht an der Realität vorbeigeht. „Wer so hoch verliert, ist sehr motiviert, das wieder gutzumachen. Der Gegner ist gefährlich“, sagt Jeff Tomlinson. Mit 1:9 unterlag der Titelverteidiger aus Oberbayern den Nürnberg Ice Tigers am vergangenen Sonntag. Für Tomlinson ist das kein Zeichen allgemeiner Schwäche, sondern eher so etwas wie ein Spiegel, der einiges vor Augen führt und dabei helfen kann, die Dinge klarer zu sehen und letztlich besser zu machen.
Tomlinson geht davon aus, dass die Ingolstädter das können. „Sie haben genügend Talent und Tiefe. Sie werden oben mitspielen, wenn sie sich finden“, so der 44-Jährige. Die vergangene Saison lief auch nicht immer gut für den ERC, aber mit einer überraschenden Leistung holten sich die Ingolstädter als Tabellenneunter noch den Titel, eliminierten auf dem Weg dorthin auch die Berliner im Pre-Play-off.
Halbes Team ausgewechselt
Seither ist viel passiert, elf Spieler gingen, zwölf neue kamen. Einen neuen Trainer gab es mit Larry Huras auch, weil der Meistermacher Niklas Sundblad sich ein wenig verzockt hat im Poker um die Vertragsverlängerung. Das führte dazu, dass der Titelverteidiger so gut wie keine Rolle spielte, als die Experten ihre Favoriten für diese Saison benannten. Bei den Berlinern betrachtet man das differenzierter. „Sie waren vorher immer ein Geheimfavorit, gegen den schwer zu spielen ist. Jetzt habe ich auch wieder viele Teams auf dem Zettel“, sagt Kapitän André Rankel. Und schlecht steht auch der ERC trotz der sehr bösen Pleite in Nürnberg bisher nicht da.
Unterschätzen werden die Eisbären ihren Gegner also nicht, aufgrund der angespannten Personallage mit mindestens vier Verletzten können sie sich das auch gar nicht leisten. Immerhin sollen vier Spieler mehr mitwirken als am Dienstag beim 2:4 in Zlin beim letzten Gruppenspiel in der Champions Hockey League. Sicher ist das aber auch nicht. „Wir haben dennoch ein gutes Gefühl in der Kabine“, sagt Jeff Tomlinson über seine Mannschaft, die bislang alle Ausfälle gut verkraften konnte und den nächsten Gegner trotz dessen jüngstem 1:9 gebührend empfängt. „Sie sind Meister, bis jemand sie entthront. Das wird so bleiben bis April“, sagt Tomlinson. Vor dem EHC liegt also nur das erste von mindestens vier Spitzenspielen gegen Ingolstadt.





