Ganz sattelfest in der Berliner Eishockeygeschichte sind die Fans der Hamburg Freezers nicht. Auf dem Weg zur O2 World grübelte eine kleine Gruppe: „Sag mal, hat Dynamo Berlin irgendetwas mit den Eisbären zu tun? Die tragen hier alle Dynamo-Shirts.“ Eine befriedigende Antwort gab es nicht. Kein Problem, hier die Auflösung: Ja, Dynamo hießen die Eisbären früher einmal.
Mit solchen Fragen beschäftige sich Hamburgs Trainer Benoit Laporte nicht. Ihm ging im Vorfeld der Partie Folgendes durch den Kopf: „Ich glaube, es ist gut, gerade jetzt gegen die Eisbären zu spielen.“ Die ersten beiden Partien in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hatten die Hamburger verloren, jetzt sollte es für sie richtig losgehen. Doch so gut war es gar nicht, gerade jetzt gegen die Eisbären zu spielen. Die Berliner zeigten sich nämlich überaus torhungrig und gewannen mit 7:3 (0:0, 4:3, 3:0).
Bevor sich die Berliner vor 12.160 Zuschauern mit den Hamburgern auseinandersetzen konnten, kehrten die Gedanken noch einmal kurz zurück zur Partie vom Sonntag gegen Straubing (5:1). Dort waren in der Pause zwei Mitarbeiter der Arena beim Saubermachen von EHC-Fans rassistisch beleidigt worden. Auf dem Eis wandten sich Arena-Management und Klub an die Fans, verurteilten das Verhalten und richteten einen Appell gegen Diskriminierung und Rassismus an das Publikum. „Menschen, die so etwas sagen, sind hier nicht erwünscht“, sagte der Sportliche Leiter des EHC, Stefan Ustorf.
Vom Vollstrecker zum Vorbereiter
Sportlich ergab sich aus Sicht der Berliner vor allem die Frage, wie sich Zugang Antti Miettinen nach drei Tagen Training mit der Mannschaft einfügen würde. Eines dieser bekannt unauffälligen Debüts in unbekannter Umgebung wurde es nicht. Der Stürmer, der in der NHL 563 Partien absolvierte, durfte gleich im Überzahlspiel ran. Und er half bei den ersten beiden Treffern ordentlich mit, indem er dem Torhüter die Sicht nahm, als Travis Mulock (23.) und Julian Talbot (27.) trafen. Beim zweiten Tor bekam der Finne sogar eine Vorlage gutgeschrieben. Beim 7:3 durch André Rankel folgte die zweite (58.).
Noch mehr in den Fokus spielte sich einmal mal der tschechische Zugang Petr Pohl. Glänzte er bisher als Vollstrecker, so zeigte er diesmal seine Qualitäten als Vorbereiter. Am ersten Treffer war er beteiligt, den dritten durch Matt Foy legte er brillant nach einem Sprint mit einem Rückpass vor (28.). Auch beim vierten Tor durch Foy mischte Pohl mit (33.). Den fünften Treffer erzielte er dann selbst mit einem satten Schuss (49.). Beim sechsten hielt er sich mal zurück und ließ Foy zum Mann des Tages werden mit dessen drittem Tor (52.).
Trotz der vielen Treffer ließen die Berliner nicht immer genügend Sorgfalt walten und bekamen defensiv Probleme. Vor allem ihr sehr effektives Überzahlspiel mit überragenden sechs Toren verhinderte, dass sich die Schludrigkeit in der Abwehr negativ auswirkte.





