Die Farbe darf als Programm verstanden werden. „Alles auf Rot“ setzt der EHC Eisbären laut seiner Werbekampagne in dieser Saison. Gemeint ist damit die Trikotfarbe der Berliner, sie tragen Rot bei ihren Heimspielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Und zwar zum ersten Mal seit zehn Jahren. Damals holte sich der EHC in Rot die erste von sieben Meisterschaften in der DEL.
Die Farbe lädt also zum Träumen ein. Und wenn man das Resultat der ersten Heimpartie der Saison zum Maßstab nimmt, dann hat dieser Traum Futter erhalten. Mit 5:1 (2:0, 3:0, 0:1) setzten sich die Eisbären locker und leicht gegen die Straubing Tigers durch. „Wir sehen sehr gut aus“, sagte Stürmer Barry Tallackson, „wir machen die kleinen Sachen richtig.“ Zu viel sollte man sich nach dem zweiten Spieltag darauf allerdings nicht einbilden.
Nur zwei Tage waren vergangen, seit die Berliner in Augsburg zum Auftakt ein kleines Debakel erlebten. Ein schwacher Auftritt mündete in ein 1:4. „Schlechter als dort geht gar nicht“, sagte Verteidiger Jens Baxmann. Mit einer gewissen Verbesserung war also ohnehin zu rechnen im ersten Spiel vor heimischem Publikum. Doch in der mit 12.560 Zuschauer besetzten O2 World steigerten sich die Eisbären in gehörigem Maße. Sie spielten kreativ nach vorn und mühten sich redlich, in der Abwehr die Fehlerquote gering zu halten. Vielen Besuchern bereitete die Mannschaft sichtlich Spaß nach einer verkorksten Vorsaison, die schon im Pre-Play-off endete. „Endlich wieder Eishockey“ schallte es von den Rängen, als Laurin Braun zur Hälfte der Partie gerade das 4:0 erzielt hatte (32.).
Bis dahin zeigten sich die Eisbären nur in den ersten fünf Minuten etwas wacklig. Mit den ersten guten Spielzügen aber gewann das Team an Sicherheit, trat selbstbewusst auf und suchte den Abschluss. Der erste erfolgreiche gelang Julian Talbot, der im Powerplay einen Schuss von Constantin Braun verwertete (11.). „Es ist schön, dass wir in Überzahl getroffen haben, da tun wir uns doch noch etwas schwer“, sagte Baxmann, der ebenso am Treffer beteiligt war. Brauns harter Schuss wurde dabei mit einer Geschwindigkeit von 131 km/h gemessen.
In den Genuss solcher Details kommen die Zuschauer jetzt regelmäßig. Ein neuer Sponsor der Berliner ließ eine Messanlage installieren, so dass das Tempo der Schlagschüsse angegeben und auf dem LED-Würfel angezeigt werden kann. Braun steigerte sich übrigens noch. Beim erneut in Überzahl erzielten 4:0 zog er mit 135 km/h ab – und Bruder Laurin fälschte ab.
Meist in der Angriffszone unterwegs
Davor aber markierte Darin Olver das 2:0 (17.). Die Berliner, bei denen mit Florian Busch (Schulterprobleme) und Mark Bell (Augenentzündung) zwei Stürmer verletzt fehlten, gestalteten ihr Spiel gut, bewegten sich vornehmlich in der seit dieser Saison vergrößerten Offensivzone. So geriet die Straubinger Defensive unter Dauerdruck. „Wir waren schnell und haben mit guten Kombinationen Tore herausgespielt. Ich mag diese Reaktion der Mannschaft nach dem Spiel in Augsburg“, sagte Trainer Jeff Tomlinson.
In Sachen Spielstärke tat sich besonders Petr Pohl hervor. Der Tscheche mit deutschem Pass erzielte bei seinem DEL-Heimdebüt das 3:0 nach gutem Zusammenspiel mit Matt Foy (26.), mit dem er auch schon Olvers Treffer vorbereitet hatte. „Das war keine leichte Aufgabe heute. Wir mussten alles geben nach der Niederlage zuvor. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte“, sagte Pohl, der bereits in der Champions Hockey League (CHL) andeutete, dass er eine echte Verstärkung sein kann. Mit seinem zweiten Treffer zum 5:0 (40.), der ihm sogar in Unterzahl gelang, spielte er sich gleich in die Herzen der Fans. Sie forderten ihn nach dem Spiel auf, die Welle anzustimmen. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Da habe ich das gemacht, was wir vergangene Saison in Tschechien immer getan haben“, so Pohl. Er zeigte einen „Diver“, eine Art Bauchklatscher, mit anschließendem Sprung an die Bande. Auch nicht schlecht.
Finne Miettinen vor Verpflichtung
Zwar freute sich der Trainer über die Darbietung seines Teams: „Unsere Leistung war generell gut.“ Doch er machte genauso Steigerungspotenzial aus. Bei der deutlichen Führung unterliefen Fehler. „Daraus können wir noch lernen“, so Tomlinson, der den Gegentreffer von Andy Canzanello registrieren musste (50.).
Gelingt den Eisbären öfter so eine insgesamt konzentrierte Vorstellung, sollte es möglich sein, eine bessere Saison zu spielen als zuletzt. Um diesen selbst gesteckten Anspruch zu untermauern, wird die Mannschaft weiter verstärkt. Schon am Montag soll die vierte Neuverpflichtung bekanntgegeben werden. Nach Informationen der Morgenpost konnte der EHC wohl eine Einigung mit dem Finnen Antti Miettinen erreichen. Für DEL-Verhältnisse hat der Stürmer echtes Star-Potenzial, verbrachte er die meiste Zeit seiner Karriere doch in der NHL und absolvierte dort 563 Spiele (235 Punkte). Zuletzt war der 34-Jährige in der Schweiz für Fribourg aktiv, den CHL-Gruppengegner der Eisbären. Vielleicht lohnt es sich ja doch, alles auf Rot zu setzen.





