Am Donnerstag startet die neue Champions Hockey League (CHL). Dabei ist der EHC Eisbären, der am Freitag im ersten Gruppenspiel auf Tschechiens Meister PSG Zlin trifft (19.30 Uhr, O2 World). EHC-Manager Peter John Lee sitzt im CHL-Vorstand.

Berliner Morgenpost: Sie haben schon so viel erlebt im Eishockey. Sind Sie da überhaupt noch nervös, Herr Lee?

Peter John Lee: Bei jedem Projekt, das neu startet, bin ich nervös. Aber ich finde, wenn man Eishockey entwickeln will, dann muss man selbst aktiv werden und nicht warten, dass die Leute einfach in die Halle kommen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Tag, an dem für die Eisbären die neue Champions League beginnt?

Dass es viel Arbeit war. Wir hatten mit der European Trophy ja schon angefangen, dieses Top-Turnier aufzubauen. Ansonsten bin ich entspannt und freue mich, dass wir dabei sind.

Geht für Sie mit der Champions League ein Traum in Erfüllung?

Wenn es die CHL in zehn Jahren noch gibt, dann ja. Wir sind erst in der Anfangsphase und müssen viel lernen. Aber es liegt viel Arbeit hinter uns, vor allem von Seiten der Klubs. Das ist, glaube ich, ganz wichtig, wenn man so etwas aufziehen will. Wir haben die Vision, Eishockey populär machen zu wollen. Da kann so ein internationaler Wettbewerb nur ein Plus sein, wenn wir das gut präsentieren. Erst einmal bin ich vor allem heiß auf dieses Projekt.

Sie gehören zum Vorstand der CHL. Wie viel Zeit haben Sie persönlich investiert in ihre Vision?

Es gibt Treffen, man telefoniert viel, etliche Kleinigkeiten müssen organisiert werden. Das Ganze ist ein Unternehmen, wie ein Klub, ich muss mich jeden Tag ein paar Stunden darum kümmern. Daher wurde die Zeit für die Belange der Eisbären zuletzt etwas knapp.

Dafür haben Sie jetzt im neuen Sportdirektor Stefan Ustorf Unterstützung bei den Eisbären. Wie weit war denn der Weg, bis die Champions League an den Start gehen konnte?

Alle an einen Tisch zu bringen, Ligen, Weltverband, Klubs, das war nicht einfach. Der Weltverband musste erkennen, dass die Klubs einen solchen Wettbewerb brauchen. Es mussten auch die Termine koordiniert werden mit Nationalmannschaften und Ligen. Der Terminplan ist immer das schwerste.

Wie würden Sie die Unterschiede zu den Vorläufern der CHL beschreiben? Davon gab es viele, alle scheiterten kolossal.

Die Eisbären waren in fast jedem Wettbewerb vorher involviert. Nie waren dort alle an Bord. Früher erwarteten die Klubs, dass andere etwas organisieren, aber das hat nicht funktioniert. Jetzt arbeiten Ligen, Klubs und der Weltverband IIHF zusammen, alle respektieren sich. Nur so kann man etwas schaffen.

Es gibt Ligaverbände aus sechs Ländern, 26 Klubs und die IIHF, die eine Aktiengesellschaft und damit die Basis bilden. Das soll garantieren, dass das Projekt diesmal dauerhaft ist. Es herrscht aber auch Skepsis bei den Beobachtern. Verstehen Sie das?

Zu 100 Prozent, ich bin ja lange genug dabei. Aber mit dem neuen Modell haben wir eine bessere Chance. Jetzt wurde von drei Seiten Geld investiert, alle sind beteiligt. Das sollte besser funktionieren, jeder will, dass die CHL erfolgreich ist. Alle denken langfristig. Wir planen mit drei bis fünf Jahren der Entwicklung.

Drei Jahre sind finanziell abgesichert. Die Eisbären dürfen wie alle Gründungsklubs aufgrund ihrer Einlage von 80.000 Euro drei Jahre mitmachen. Insgesamt umfasst das Teilnehmerfeld 44 Vereine, ein paar mussten sich sportlich qualifizieren, ein paar erhielten Wildcards. Das System mutet eigenartig an.

So eine Sache anzufangen, braucht Investitionen. Doch das Geld fällt im Eishockey nicht vom Himmel. Wir haben 26 Klubs gefunden, die das Projekt unterstützen. Das sind Klubs, die etwas Neues entwickeln wollen für die Zukunft dieses Sports. Diese Mischung ist jetzt ein guter Start, die besten Mannschaften der Ligen sind ja in jedem Fall dabei. In fünf Jahren, wenn wir auf festen Füßen stehen, kann der Zugang vielleicht schon nach rein sportlichen Gesichtspunkten erfolgen. Aber in der Anfangsphase geht das noch nicht.

Die Aufmerksamkeit für kontinentale Klubwettbewerbe war bisher stets gering, Fans kamen nur wenige, weil die Gegner kaum bekannt sind. Warum soll das jetzt anders sein?

Von heute auf morgen ändert sich das nicht. Die Gruppenphase ist nicht so einfach, um Rivalitäten entstehen zu lassen. Durch das Play-off kann so etwas aber wachsen, das wissen wir ja aus unserer eigenen Liga.

Eine Bedingung für Erfolg ist Fernsehpräsenz. In Deutschland werden viele CHL-Spiele übertragen. Ein gutes Zeichen?

Das ist ganz wichtig. Oft lautet die Frage ja, wer die zweite Sportart hinter Fußball ist. Bei den Zuschauern an sich lässt sich das leicht beantworten: Eishockey. Aber beim Fernsehen ist das nicht so, dort müssen wir uns verbessern. Mit der CHL ist die Abdeckung schon jetzt wahnsinnig gut.

Was versprechen Sie sich von der CHL in nächster Zeit?

Das ist jetzt erst einmal eine Lernphase. Wir müssen die Fans begeistern, wir brauchen echte Popularität. Dann ist es auch möglich, meinen eigentlichen Traum anzugehen. Ich wünsche mir, dass Deutschland irgendwann im Eishockey um Medaillen mitspielt.

Was ist für die Eisbären drin?

Wir haben gute Gruppengegner. Zlin ist Meister, Fribourg gehört in der Schweiz zu den Top-Vier, Djurgarden ist heiß, in der schwedischen Liga etwas zu schaffen. Hoffentlich kommen wir weiter.

Es geht um 1,5 Millionen Euro Preisgeld. Sind die deutschen Klubs schon so weit, um darum mitspielen zu können?

Die Eisbären haben 2010 die European Trophy gewonnen, dabei die Meister aus Finnland, der Schweiz und Schweden geschlagen. Es ist alles drin, wir müssen uns hinter keinem verstecken.