Abschied

Eisbären-Legende Hartmut Nickel geht in den Ruhestand

Die 69-jährige Klublegende erlebte alle Meisterschaften mit und war auch schon in fast allen Positionen tätig. Lediglich drei Jahre verbrachte er seit 1963 nicht bei den Hohenschönhausern.

Foto: City-Press / pa/ City-Press

Angekündigt hatten sie nicht, worum es gehen würde. Doch der große Bildschirm im Hintergrund gab dann schon beim Betreten des Raumes den unmissverständlichen Hinweis. Bilder erzählten aus dem Leben von Hartmut Nickel, aus seinem Leben als Sportler, als Eishockeyspieler und -trainer im Osten Berlins. Vor 51 Jahren kam er zum SC Dynamo Berlin, beim Nachfolger, dem EHC Eisbären, trat er am Mittwoch offiziell in den Ruhestand. Eine Klublegende tauscht jetzt die Plätze, Nickel steht nun nicht mehr am Spielfeldrand hinter der Bande: „Ich sitze jetzt in der Suite.“

Auf die Auswärtsfahrten verzichtete Nickel schon länger. Im November wird er 70, zudem plagten ihn in den vergangenen Jahren immer mal wieder gesundheitliche Probleme. Aber, das betonte er, wegen der Gesundheit hört er nicht auf. „Das ist alles geplant. Jetzt, wo ich weiß, dass ich Stefan alles übergeben kann, fällt mir das leichter“, sagt Nickel. Stefan Ustorf wurde im Sommer zum Sportdirektor der Berliner berufen, er übernimmt viele Aufgaben von Nickel.

Ustorf, der selbst acht Jahre unter dem Assistenztrainer spielte, brachte auch einen der wesentlichen Charakterzüge Nickels auf den Punkt: „Ich danke ihm für jeden Tag, den er dafür gesorgt hat, dass meine Arbeit Spaß macht.“ Nickel war der Liebling der Spieler, ein sanfter Typ, der viel von dem Druck des Profisports auf einer sehr persönlichen Ebene abfederte. Das lag ihm viel mehr, als selbst Cheftrainer zu sein. Er hat das hin und wieder probiert. Von 1993 bis 1996 sogar in Hannover, dem einzigen Intermezzo seiner Berliner Zeit. Aber in der zweiten Reihe fühlte sich Nickel wohler.

Siege vor und nach der Wende

„Es war eine schöne Zeit, ich bin stolz drauf“, sagt der frühere DDR-Nationalspieler. Bei allen 15 Vor- und sieben Nachwende-Meisterschaften der Berliner war Nickel dabei gewesen. Vor der Maueröffnung ging es in der Zweier-DDR-Liga immer nur nach Weißwasser, in seinen Geburtsort. Aufregend war das nicht, zumindest für die Berliner. „Die aus Weißwasser waren ja froh, so oft nach Berlin zu kommen. Da waren die Kaufhallen voll, die haben immer schön was mitgenommen“, so Nickel mit Hinweis auf die spezielle Versorgungslage damals. Nach der Wende musste der EHC erst einmal einstecken. „Wir haben so viele Hiebe bekommen, aber wir sind immer wieder aufgestanden.“ Zum ersten Titel 15 Jahre nach der Wiedervereinigung fällt ihm bis heute nur ein Wort ein: „Unglaublich.“

Jetzt stehen andere Dinge an. „Ich bin 47 Jahre mit meiner Frau verheiratet, 25 davon habe ich sie bloß gesehen“, sagt Nickel. Vielleicht kann er nun ein bisschen bei der Gartenarbeit anpacken, falls sie ihn lässt. Sollte ihn das nicht ausfüllen, bleiben immer noch die Eisbären. Als Berater soll er ab und zu aushelfen.