Eishockey

Berliner Eisbären fit wie nie und mit viel Leidenschaft

Gegen Sparta Prag bestreiten die Berliner am Freitag ihr erstes Testspiel in der Vorbereitung auf die neue Saison. Es ist auch ein Test für die Profis, wie sie mit den neuen Regeln zurechtkommen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Frage lag natürlich nah. Ob er Karten für seine Familie benötige, sollte Petr Pohl mitteilen. Pohl ist Tscheche, und sein erstes Testspiel in der Vorbereitung auf die neue Saison absolviert der EHC Eisbären am Freitag in Tschechien. Auf Tickets für den Anhang verzichtete Eishockey-Profi Pohl dennoch. Das Spiel gegen Sparta Prag wird in Litomerice ausgetragen, nicht allzu weit entfernt von der deutschen Grenze. Doch die Familie wohnt ganz am anderen Ende des Landes und damit zu weit weg.

Sein erstes Mal im Berliner Trikot muss Petr Pohl, 27, also allein angehen, dafür aber gegen ein Team, dass er besser kennt als seine Kollegen. Die vergangenen vier Jahre verbrachte der Stürmer in der Liga seines Heimatlandes. Bei seinem neuen Klub wird Pohl zusammen mit Florian Busch und Matt Foy eine Angriffsformation bilden. Vermutlich besteht für alle jedoch die größte Herausforderung darin, mit den veränderten Gegebenheiten umzugehen. „Wir wollen die neuen Regeln kennenlernen. Es wird sicher ein paar Überraschungen geben“, sagt EHC-Trainer Jeff Tomlinson.

Die sportliche Aussagekraft der Partie dürfte in der Tat zweitrangig sein. Mit der spürbaren Verbreiterung der Angriffszonen erhält das Spiel eine andere Dynamik. Ebenso die neue Auslegung des unerlaubten Weitschusses wird sehr gewöhnungsbedürftig sein, denn es wird nicht mehr strikt abgepfiffen, sondern je nach Situation entschieden, ob die Scheibe für einen Stürmer noch vor einem gegnerischen Verteidiger erlaufen werden kann. „Es ist wichtig, sich damit vertraut zu machen“, so Tomlinson. Wie lange es dauert, bis die Spieler das verinnerlicht haben, könnte interessant werden.

Kapitän Rankel fehlt noch

Aber nicht nur wegen der Regeln trägt dieses Testspiel gegen Sparta Prag echten Übungscharakter. Tomlinson nimmt auch einige Nachwuchsspieler mit. „Wir wollen die jungen Leute sehen, wie sie sich machen“, erzählt der Coach. Sehen will er auch die beiden neuen Torhüter. Petri Vehanen und Mathias Niederberger kommen jeweils 30 Minuten zum Einsatz. Verzichten muss er noch auf Kapitän André Rankel. Im Frühjahr hatte sich der Stürmer an der Schulter operieren lassen, noch sei er nicht wieder vollständig fit. Erst nächste Woche soll Rankel mitspielen.

Nach gut zwei Trainingswochen hat der Trainer nun auch die Ergebnisse der Fitnesstests erhalten, mit denen der Zustand der Profis und deren Sommerarbeit überprüft worden sind. „Alle haben es ernst genommen im Sommer“, erzählt Tomlinson. Die Werte seien deutlich besser als vor einem Jahr. Fast noch wichtiger findet der Coach, dass sich die Mentalität verändert hat. In den zurückliegenden Einheiten spürte er ein anderes Engagement. „Alle arbeiten so hart wie nie und ziehen super mit. Wir fangen jetzt nicht an und sind Meister“, so der Trainer. Insofern hatte das frühe Ausscheiden im Pre-Play-off im März also sein Gutes, der Fokus der Berliner ist wieder auf die Arbeit gerichtet. Gute Voraussetzungen, um es in der neuen Saison weiter zu bringen.