Immerhin gibt es kostenfreies WLan im Hotel. Damit lässt sich die Sehnsucht gut stillen. Fast fünf Wochen ist Frank Hördler ja schon unterwegs, zwei Wochen liegen noch vor ihm. „Für die Kinder ist das ganz schön schwer“, sagt er. Für ihn selbst natürlich auch. Aber über das Internet können sich alle jetzt wenigstens sehen, obwohl der Papa in Weißrussland ist und Frau sowie die beiden Kinder in Berlin sind.

Sein älterer Sohn Eric wird sicher nicht nur am Computer verfolgen, was sein Vater so treibt in der osteuropäischen Fremde. Eric spielt selbst Eishockey im Nachwuchs des EHC Eisbären, Papa Frank ist bei den Profis einer der Führungsspieler. Derzeit geht er seinem Job bei der deutschen Nationalmannschaft nach und spielt in Weißrussland die Weltmeisterschaft. Die läuft auch im Fernsehen, gut für Eric.

Am Sonnabend konnte er dort zum Auftakt einen Sieg gegen Kasachstan sehen, 2:1 (1:1, 0:0, 0:0, 0:0, 1:0) gewann das deutsche Team nach Penaltyschießen. Frank Hördler übernahm dabei eine ganz spezielle Rolle, der Verteidiger wurde zum Kapitän berufen. Er führt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) bei dieser WM an.

Mit seinen 29 Jahren ist der Berliner sehr erfahren, sieben Mal wurde er Meister. „Aber, das muss ich ehrlich sagen, das ist etwas ganz Besonderes für mich“, erzählt Hördler, der zum sechsten Mal bei den Titelkämpfen mitspielt. Es dauerte eine Weile, bis er sich der Aufgabe richtig bewusst wurde. Zum ersten Mal erhielt er das „C“ beim ersten WM-Test in Weißwasser. „Da dachte ich, okay, vielleicht, weil es meine Geburtsstadt ist“, so der Abwehrspieler. In der zweiten Partie in Crimmitschau stellte Hördler erneut einen regionalen Bezug her: „Vielleicht liegt es diesmal daran, dass wir im Osten spielen, dachte ich.“ Spätestens in Finnland bei den nächsten Testspielen funktionierten diese Konstruktionen dann nicht mehr. „Da war ich das erste Mal richtig baff“, erzählt der EHC-Profi.

Bis die Position richtig amtlich war, dauerte es noch etwas. Beim vorletzten Test in Mannheim erklärte Bundestrainer Pat Cortina dem Berliner, dass er die Nachfolge des verletzten NHL-Stars Christian Ehrhoff antreten und die Nationalmannschaft durch das Turnier führen wird. „Frank mag den Wettkampf, er geht beispielhaft voran“, sagt Cortina, für ihn sprächen „seine Erfahrung, die richtige Einstellung, eine super Arbeitsmoral und seine Ruhe auf dem Eis“. Nach Stefan Ustorf und Sven Felski ist Hördler der dritte Eisbären-Spieler, der als Kapitän der Nationalmannschaft fungiert, wobei Felski das „C“ nie bei einer WM trug.

Im Nationalteam aufgefangen

Dass Hördler es nun tragen kann, hängt auch mit dem Abschneiden der Berliner zusammen. In der Liga kam schon im Pre-Play-off das Aus gegen Ingolstadt, den neuen Meister. Hördler hatte sich nach langer Verletzung rechtzeitig zurückgekämpft, nach nur drei Spielen war wieder Schluss. „Das war ein harter Schlag, dafür ich bin bei der Nationalmannschaft aufgefangen worden“, erzählt der Verteidiger, der 89 Länderspiele bestritten hat. Er konnte, ganz anders als sonst, die ganze Vorbereitung mitmachen. Für den Trainer ist so etwas wichtig, er hat seine Führungscrew gern früh beisammen.

Mit einer leichten Aufgabe wurde Hördler nicht betraut. „Aber Frankie ist bereit dafür. Ich bin sehr stolz auf ihn“, sagt EHC-Manager Peter John Lee, der zum Stab der DEB-Auswahl gehört. Die Mannschaft ist sehr jung, nur drei Spieler sind über 30 Jahre alt. EHC-Torhüter Rob Zepp, neben Verteidiger Constantin Braun der dritte Berliner, ist mit 32 Jahren der Älteste im Team. Dafür nahm Cortina sechs Spieler mit nach Minsk, die 22 und jünger sind. „Für mich ist das das Optimum, ich wüsste gar nicht, was der Trainer hätte anders machen sollen“, sagt Hördler, der sich über die vielen verletzungsbedingten Absagen keine Gedanken macht.

Schließlich kann er dafür einen spannenden Generationswechsel hautnah erleben. „Wir haben viele junge Spieler dabei, die viel Talent haben und es weit bringen werden“, glaubt der Kapitän. In den vergangenen Wochen sei die Mannschaft zusammengewachsen, „jeder ist für jeden da, das macht Spaß“. WM-Debütant Matthias Plachta (Mannheim) traf gegen Kasachstan, die Vorlage kam vom 18-jährigen Leon Draisaitl (Prince Albert), der für den NHL-Draft im Sommer sehr hoch gehandelt wird. Im Penaltyschießen sicherte Neuling Thomas Oppenheimer (Hamburg) den Sieg. „Die Jungs wissen ganz genau, um was es geht“, erzählt Frank Hördler. Mit einem möglichen Abstieg, sagt er, beschäftige sich niemand.

Mit einem Erfolg im zweiten Spiel am Sonntag gegen Lettland könnte diese Gefahr ganz weit weggeschoben werden. Um 12.45 Uhr geht es los bei Sport1, eine gute Fernsehzeit für Eric Hördler.