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Erstmals seit Jahren holen Eisbären wieder einen Tschechen

Mit der Verpflichtung des 27-jährigen Stürmers Petr Pohl weicht der Rekordmeister der DEL von seinem üblichen Transferschema ab. Nach einer enttäuschenden Saison kann das den Berlinern gut tun.

Foto: Peter Schneider / pa / dpa

Viel hat nicht gefehlt, dann hätten sie sich in Minsk treffen können. Im erweiterten Kader der tschechischen Nationalmannschaft stand Petr Pohl noch, in der Vorbereitung auf die Eishockey-Weltmeisterschaft in Weißrussland bestritt der Stürmer drei Partien, gab dabei zwei Vorlagen. Um sich einen Platz neben NHL-Stars wie Jaromir Jagr zu sichern, der am Freitagabend mit den Tschechen mit dem Prestigeduell gegen die Slowakei in die WM startete (nach Redaktionsschluss), reichte es aber nicht. Treffen wird Peter John Lee, der Manager des EHC Eisbären, der als offizieller Vertreter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beim deutschen Nationalteam in Minsk weilt, Pohl trotzdem bald. Am Tag des WM-Auftakts gaben die Berliner dessen Verpflichtung für die neue Saison bekannt.

Für die Eisbären stellt das einen recht außergewöhnlichen Transfer dar. Üblicherweise bedient sich der DEL-Rekordmeister aus dem riesigen Reservoir der nordamerikanischen Profis, Ausnahmen von dieser Regel gab es in den vergangenen Jahren nur äußerst selten. Obwohl die Berliner gerade mit Tschechen gute Erfahrungen gemacht haben. Der bislang letzte Spieler aus dem Nachbarland, Torhüter Tomas Pöpperle, hatte 2006 erheblichen Anteil am zweiten Meistertitel. Und Jiri Dopita sowie Richard Zemlicka sind sowieso bis heute unvergessen.

Nun also Petr Pohl. Mit 15 Toren und 16 Vorlagen in 43 Partien für den HC Karlovy Vary spielte er eine gute Saison. „Petr ist ein technisch starker Spieler, der mit seiner Schnelligkeit sehr gut in unser Team passt“, sagt Lee. Und: „Ich könnte mir vorstellen, dass er unsere Fans begeistern wird.“ Das offensive Potenzial dafür besitzt er, der 27-Jährige hat gute Hände, einen guten Schuss und verfügt vor dem Tor über die nötige Ruhe. Der Spielweise der Berliner kommt das entgegen. „Ich habe viel über die Eisbären Berlin gehört und finde, der Klub und ich passen gut zusammen“, so Pohl. Andererseits gilt sein Defensivspiel als mangelhaft, starker körperlicher Einsatz behagt ihm nicht und auch an der Konstanz fehlte es in seiner bisherigen Karriere bislang.

Mehr spielerisches Element

In der vergangenen Saison kennzeichneten diese Defizite teilweise auch das Spiel der Eisbären, sie waren ein Grund, warum die Berliner bereits im Pre-Play-off ausgeschieden sind. Das bewog Manager Lee sicher in gewissem Maße dazu, bei seinen Transfers diesmal etwas anders zu machen als sonst. Das spielerische Element lässt sich mit einem tschechischen Profi bestimmt stärken. Besonders im Vergleich zum Dänen Mads Christensen, der in den vergangenen Saison vieles schuldig blieb und keinen neuen Vertrag erhalten soll.

Ebenfalls nicht nach Berlin zurückkehren wird Verteidiger Shawn Lalonde, der Kanadier gilt als fester Zugang bei Färjestads BK (Schweden). Ob Lee für ihn Ersatz holt, ist eher fraglich, da eigene Talente vermehrt Chancen auf DEL-Einsätze bekommen sollen. Generell ist also nicht mehr mit viel Bewegung im Kader zu rechnen, da zuletzt die Verträge der Stürmer Mark Bell und Barry Tallackson verlängert worden sind. Unklar ist noch die Situation auf der zweiten Torhüterposition, wo Sebastian Elwing ein Angebot zur Verlängerung vorliegt. Aber ein, zwei Neue dürften es noch werden. In Minsk kann Lee viele Kandidaten beobachten.