Nationalmannschaft

Eisbär Haases unerwarteter Aufstieg zum Nationalspieler

Das Verteidigertalent durfte in dieser Saison viel spielen und entwickelte sich sehr gut. Er ist viel cooler auf dem Eis als noch zu Saisonbeginn. Dafür darf er die WM-Vorbereitung mitmachen.

Foto: nph / Schulz / pa / nordphoto

Ein bisschen heimisch sollte es auch in Crimmitschau werden, das hatten Henry Haase und Laurin Braun so abgemacht, bevor sie nach Sachsen fuhren. Dort trifft sich die Eishockey-Nationalmannschaft, Bundestrainer Pat Cortina beginnt mit der Vorbereitung auf die WM in Weißrussland (9. bis 25. Mai). Und mittendrin zwei junge Berliner, die sich bei ihrer ersten gemeinsamen Länderspielreise ein Zimmer teilen.

Angreifer Braun, 23, war schon einmal dabei, allerdings nicht bei der A-Auswahl, sondern beim Perspektivteam. Für Verteidiger Haase, 20, dagegen kam die Premieren-Berufung völlig überraschend. Er wollte nach dem enttäuschenden Aus des EHC Eisbären im Pre-Play-off eigentlich nur noch ein bisschen trainieren, die Saison ausklingen lassen. „Dann hat zuerst Laurin die E-Mail bekommen mit den Namen“, sagt Haase, der das erst gar nicht glauben konnte.

Zu Saisonbeginn schien es auch noch utopisch. Wenn Haase auf dem Eis stand, herrschte oft Gefahr. Nur leider vor dem eigenen Tor und nicht vor dem des Gegners. „Es lief nicht gut, ich habe Fehler gemacht und war ein bisschen zu aufgeregt“, erzählt er. Das hätte ihn in normalen Jahren schnell wieder aus dem Team gespült. Diesmal aber war es anders: Es gab unzählige Verletzungen, so dass Haase immer weiter spielen durfte. „Der Trainer hat mir viel Selbstvertrauen zugesprochen“, so der Abwehrspieler, der in den beiden Spielzeiten zuvor schon ein wenig in das Team aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) reinschnuppern durfte.

Auf vielen Ebenen verbessert

Mit jedem Auftritt wuchs nun die Sicherheit – und irgendwann platzte der Knoten dann. „Ich bin lockerer geworden, war nicht mehr so verkrampft“, sagt Haase. Körperlich hatte er immer gute Voraussetzungen, jetzt nutzte er diese nicht nur für sein physisches Spiel, er verbesserte sich auch taktisch und am Puck. „Ich bin cooler unter Druck“, erzählt er. Die Routine führte dazu, dass er nicht mehr übereilt entschied, sondern genau überlegte, was er tat.

Dass er Ahnung vom Spiel hat, hat sich in der Mannschaft längst rumgesprochen. Am Ende der Saison ließ Trainer Jeff Tomlinson ein Computerprogramm testen, ein halbes Dutzend Profis nahm daran teil. „Es ging darum, Spielsituationen lesen zu lernen“, so Haase. Antizipatorische Fähigkeiten sollten geschult werden, dafür gab es Punkte. Haase war Spitzenreiter, vor altgedienten NHL-Profis wie Mark Bell.

Selten entwickelte sich zuletzt ein Spieler innerhalb einer Saison so deutlich wie der Verteidiger. „Henry hat einen Riesensprung gemacht“, sagt Tomlinson, der zudem die erfahrenen Abwehrspieler Frank Hördler und Constantin Braun zum Nationalteam schicken konnte. Diese beiden gelten für die WM als gesetzt. Wie lange Haase und Laurin Braun dabei bleiben, ist ungewiss. Am Donnerstag in Weißwasser und Freitag in Crimmitschau finden zwei Partien gegen Frankreich statt, beide werden also zu ihrem erstes A-Länderspiel kommen. „Sollte ich danach nicht mehr dabei sein, werde nicht enttäuscht sein.“, sagt Haase. Er ist jetzt schon ein Gewinner.

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