Am Ende war alles Wurst. Nicht im eigentlichen, eher negativen Sinne dieser Wendung, sondern tatsächlich. Mit einem Grillfest und 2000 kostenlosen Bratwürsten verabschiedete sich der EHC Eisbären am Sonnabend nach einer enttäuschenden Saison von seinen Fans. Über eine Woche nach dem Aus im Pre-Play-off dürfen nun auch die Spieler in den Urlaub, Sonntag und Montag waren und sind die Reisetage für einen Großteil der Profis.

Ihre lange Verweildauer hatte viel mit Weichenstellungen zu tun. Trainer Jeff Tomlinson führte intensive Einzelgespräche, Manager Peter John Lee bat zum Teammeeting. Diskussionsstoff hatte sich ja genug ergeben. „Zunächst habe ich mich aber erst einmal bedankt für ein nicht einfaches Jahr“, so Lee. Sein Reservoir an Freundlichkeiten war damit allerdings schon fast erschöpft. In seiner Rede an die Mannschaft ging es vor allem darum, „was wir für den Sommer und die neue Saison erwarten“.

Dabei setzt der Manager auf Einsicht. „Wer immer gewinnt, fühlt sich nicht besonders verpflichtet, Vorschlägen von außen nachzukommen“, sagt Lee. Das war ein Punkt, der das Saisonergebnis beeinflusst hat: Nach drei Titeln in Folge wurde in der Sommervorbereitung des Vorjahres teilweise geschlampt. Das Scheitern dieser Einstellung sorgt für mehr Offenheit, Lee sagt, dass er diese jetzt wahrgenommen hat bei den Profis.

Der Klub will mehr Kontrolle

Er will das ausnutzen, jedoch mit eher sanftem Druck. „Diejenigen, die im vergangenen Sommer nicht richtig gearbeitet haben, sollen sich jetzt einen Fitnesstrainer nehmen“, sagt Tomlinson. Der Klub will mehr Kontrolle, gerade bei den Nordamerikanern. „Die Verbindung muss enger werden“, so Lee. Fitnesswerte sollen ausgetauscht werden, die individuellen Programme im Zweifelsfall angepasst. Die Privattrainer sollen zudem die Motivation erhöhen, sie sollen pushen. Und die Spieler dürfen privat bezahlen. Nach Verträgen kann der Verein das zwar kaum durchsetzen. Doch Lee verkauft es den Profis als „gute Investition in ihre Zukunft“. Außerdem dürfte später ein ordentliches Problem bekommen, wer sich weigert und am Ende wieder mit schlechten Werten aus dem ungewöhnlich langen Sommerurlaub zurückkehrt.

In seinen Vieraugen-Gesprächen mit den Spielern unterstrich auch der Trainer, dass sie in besserer Verfassung anzutreten haben, wenn sich im Juli alle etwas früher als sonst in Berlin wiedertreffen. „Die müssen wissen, dass wir da hinterher sind“, so Tomlinson. Er will die Bequemlichkeit vertreiben, die sich breit gemacht hat.

Es wird nicht mit, sondern über die Spieler geredet

Jetzt, wo die Spieler weg sind, stecken Tomlinson und Lee die Köpfe zusammen. Es wird nicht mit, sondern über die Spieler geredet. Über die, die unter Vertrag stehen und die, die Kandidaten für Kontrakte sein könnten. „Es gibt auf jeden Fall Sachen, die geändert werden müssen. Wir brauchen neues Blut, das ist definitiv nötig. Wir haben einen guten, soliden Kern. Wir brauchen die richtigen Teile, die dazu passen, auch charakterlich“, so Tomlinson. Klar ist, dass Kris Sparre, Thomas Supis und Daniel Weiß den Rekordmeister wohl verlassen müssen. Stürmer Weiß wird mit Augsburg in Verbindung gebracht, Sparre mit Straubing. Dazu gibt es einige Spieler, deren Verbleib unsicher ist wie Shawn Lalonde, Mads Christensen, Mark Bell, Matthew Foy und Vincent Schlenker. Barry Tallackson soll seinen Kontrakt dagegen verlängert haben.

Gleichzeitig gehen Trainer und Manager die Anforderungen durch, die potenzielle Zugänge erfüllen sollten. „Wir gucken, wer auf dem Markt ist“, sagt Tomlinson. Außerdem will er sich vor Ort umschauen, Play-off-Spiele in Nordamerika besuchen, vornehmlich in der zweitklassigen AHL.

Lee wird bei der Weltmeisterschaften im Mai nach Verstärkungen suchen. Darüber hinaus versucht er, den früheren Berliner Stefan Ustorf einzubinden. In welcher Form, das wird gerade untereinander besprochen und auch mit der Berufsgenossenschaft, nachdem der Ex-Profi seine Karriere mit einem folgenschweren Schädel-Hirn-Trauma beenden musste. Der Umfang der Aufgaben wird stark davon abhängen, wie belastbar Ustorf inzwischen wieder ist.