Eishockey

Bitteres Aus soll heilsamer Schock für die Eisbären sein

Nach sieben Titeln in den letzten neun Jahren müssen die Eisbären eine Auszeit vom Erfolg nehmen. Beim entthronten Titelverteidiger gibt es nun nicht nur für Trainer Jeff Tomlinson viel aufzuarbeiten.

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Das Verhältnis hochbezahlter Sportprofis zu ihren Fans ist meist klar geregelt. Gewinnen sie, werden die Spieler bejubelt, verlieren sie, setzt es Pfiffe. Nicht so bei den Eisbären: Kurz nach dem bitteren Aus im Pre-Play-off kehrte Berlins Eishockey-Team, das zuvor das Eis mit hängenden Köpfen verlassen hatte, zurück und wurde von den Anhängern minutenlang mit „Deutscher Meister EHC!“-Sprechchören gefeiert. Es war ein eher nostalgischer, ein trotziger Blick zurück, denn nach drei Meisterschaften in Folge und sieben in den letzten neun Jahren verstellte den Eisbären in dieser Saison der ERC Ingolstadt den Weg ins Viertelfinale, den Titel sind die Eisbären somit seit Freitagabend los.

„Es wird mir immer im Kopf bleiben, wie uns unsere Fans unterstützt haben, gerade auch in dem Moment, als wir noch mal zurück auf das Eis gegangen sind“, sagte André Rankel, dem aber anzumerken war, dass er sich in der Rolle des beklatschten Verlierers nicht wirklich wohl fühlte. Dazu saß die Enttäuschung über das frühe Aus zu tief, hinzu kam auch ein gutes Stück Ratlosigkeit, wie es dazu hatte kommen können. „Wir haben nicht so Eishockey spielen können wie wir uns das vorgenommen haben“ gestand Rankel, „und so bitter es klingt, wir sind selbst schuld, dass wir nicht weitergekommen sind, und hätten es auch nicht verdient, so wie wir gespielt haben.“

„Bitter“ und „enttäuschend“ waren auch für Coach Jeff Tomlinson die passenden Worte an diesem Abend. „Die mentale Stärke“ habe gefehlt, „zu vorsichtig und zu passiv“ sei sein Team aufgetreten“. Mit dem Geständnis, „am Ende war Ingolstadt besser“, blieb ihm wie auch seinem Kapitän nur die Rolle des fairen Verlierers.

Tomlinson, von 2000 bis 2010 erst als Spieler, dann als Nachwuchs- und Assistenztrainer im Dienst der Eisbären, hatte im vergangenen Sommer die Nachfolge von Don Jackson, dem erfolgreichsten Trainer der DEL-Geschichte, angetreten. Fünf Meistertitel in sechs Jahren unter Jackson, im ersten Jahr unter Tomlinson das Aus im Pre-Play – es verwundert nicht, dass gefragt wird, welchen Anteil der 43-jährige Cheftrainer, der auch noch für die kommende Saison einen Vertrag besitzt, an dem enttäuschenden Saisonende hat. „Wir alle müssen in den Spiegel schauen, auch ich. Jeder von uns hat Fehler gemacht“, räumte der Coach ein, „jetzt müssen wir diese erkennen und ausbügeln.“

Eine verkorkste Saison

Manager Peter-John Lee, der immer wieder betont hatte, dass bei den Ansprüchen seiner Eisbären „alles andere als die Meisterschaft immer eine Enttäuschung“ sei, wollte sich zu möglichen Konsequenzen, die zu ziehen sein könnten, so kurz nach dem Aus nicht äußern. Er werde sich „mit allen zu ausführlichen Gesprächen zusammensetzen“, sagte Lee sichtlich angeschlagen. Noch im vergangenen Sommer hatte er die Verträge von 13 Spielern bis mindestens 2015 verlängert. „Eishockey ist ein Mannschaftssport“ knurrte Lee, er werde jetzt „nicht über einzelne Spieler oder den Trainer reden“.

Möglicherweise spendeten die Fans ihren gescheiterten Helden den tröstenden Beifall in dem Gefühl, dass das Rennen um die Meisterschaft nicht in der Serie gegen Ingolstadt verloren worden war. Einem eher wackligen Saisonstart war ein Phase gefolgt, in der bis zu neun Spieler, darunter Leistungsträger wie Torhüter Rob Zepp, Mark Bell, Casey Borer, Julian Talbot, Mads Christensen, verletzt fehlten. Der Klub setzte in dieser Zeit auf den eigenen Nachwuchs. Ob es nun der Transfermarkt nicht hergab oder das Budget – schlagkräftig nachverpflichtet wurde jedenfalls nicht.

Zu viel Kraft gelassen

Obwohl der Kapitän keine Entschuldigungen gelten lassen will: Seiner Mannschaft war in der Serie gegen Ingolstadt anzusehen, dass sie bei der Aufholjagd zum Ende der Hauptrunde Substanz gelassen hat. „Wir haben uns mit einer Superserie ins Pre-Play-off gekämpft und da sehr gutes Eishockey gespielt und es einfach nicht geschafft, das in die Serie mit zu nehmen“, sagte Rankel. „Ich weiß, dass wir eine Mannschaft sind, die ins Play-off gehört. Das nicht abgerufen zu haben, ist um so enttäuschender. Wir sind verdient ausgeschieden.“

Tief enttäuscht blickte Rankel – auch er hat einen Vertrag für die kommende Saison – voraus: „Wir können unheimlich viel lernen, so wie wir am Anfang teilweise aufgetreten sind und uns damit selbst in diese Lage gebracht haben.“ In Zukunft gelte es, „gar nicht in die Situation zu kommen, um so einen Lauf zu brauchen, um noch in das Pre-play-off zu kommen“.

Das bittere Aus, hofft Rankel, soll zum heilsamen Schock werden: „Wie es sich anfühlt zu verlieren, wussten wir eine Weile lang nicht und das wird uns für die neue Saison motivieren. Wir sind gut genug, wir haben Potenzial in dieser Mannschaft und das, was wir in den letzten beiden Spielen abgeliefert haben, das kann ich versprechen, wird nächstes Jahr nicht so sein.“