Eisbären-Kapitän André Rankel ist schon mehrfach mit ganz besonderen Preziosen am Flughafen Tegel aus dem Flugzeug gestiegen, beispielsweise mit dem sperrigen Meisterschaftspokal.
Am Sonnabend war sein Mitbringsel allerdings nicht auf den ersten Blick sichtbar. Es war der Puck, den er am Abend zuvor beim 4:1 in Ingolstadt in 9:52 Minuten dreimal in das gegnerische Tor geschossen hatte. Drei Tore, die aus einem 0:1 ein 3:1 machten und für die Vorentscheidung dafür sorgten, dass sein Team jetzt im Pre-Play-off Heimrecht hat und am Montag (19.30 Uhr, O2 World) gegen Ingolstadt startet. Bei einer Niederlage wäre der EHC gleich am Sonntag auswärts in die Best-of-three-Serie gestartet.
„So einen lupenreinen Hattrick habe ich noch nie gemacht, und natürlich freut es mich, dass er mir in einem Spiel gelungen ist, in dem es um so viel geht“, erzählte der 28 Jahre alte Stürmer und verriet auch gleich, dass der Puck keinesfalls in einer Vitrine Staub ansetzen wird. „Den bekommt meine Tochter, die freut sich immer, wenn ich ihr etwas mitbringe, und ich habe ihr den Puck auch schon am Telefon versprochen.“
Zuvor hatte die vierjährige Nora den Papa allerdings gehörig unter Druck gesetzt. „Stinksauer“ wäre sie nach eigenem Bekunden gewesen, wenn er mit dem Team gleich in Bayern hätte bleiben müssen, verriet Rankel, weil dann nämlich der allsonnabendliche Fernsehabend, an dem die beiden Serien gucken, ausgefallen wäre.
Gut, dass Rankel dem Druck standhielt. Für Nora und auch für die Eisbären. Zum einen hat die Serie gehalten, der Sieg in Ingolstadt war der neunte im zehnten Spiel, zum anderen dürfte das Heimspiel in den maximal drei Spielen gegen Ingolstadt ein nicht unerheblicher Vorteil sein. „Das Heimrecht ist, glaube ich, in einer Serie, die über nur drei Spiele geht, sehr wichtig“, sagte Rankel. „Aber genau so wichtig ist es, dass unser Ziel war, uns diesen Vorteil zu erarbeiten und dadurch, dass wir dieses Ziel erreicht haben, werden wir sicherlich als Team noch zusätzlich gestärkt.“
Wenn es drauf ankommt, ist der Kapitän da
Eisbären-Coach Jeff Tomlinson verbrachte am Sonnabend vielleicht sogar noch mehr Zeit vor dem Fernseher als sein Kapitän mit Tochter Nora. Als er mittags aus dem Flugzeug stieg, hatte er das Spiel in Ingolstadt – Rankels Hattrick inklusive – bereits einmal in Gänze gesehen. „Wenn es darauf ankommt, muss man da sein, und das ist André schon seit Jahren“, lobte Tomlinson seinen Kapitän. „Letzte Saison hatte er im Play-off schon einen Lauf, er ist ein Anführer und hat uns auch am Freitag zum Sieg geführt.“
Tomlinsons Fernsehabend begann, nachdem er am Nachmittag mit den Verletzten Matt Foy und Frank Hördler zum Spezialtraining auf dem Eis gewesen war. Dabei ging es allerdings nicht so sehr um den Dreier-Pack Rankels, sondern darum, „Reports über die einzelnen Ingolstädter Spieler zu erstellen, die wir dann der Mannschaft am Sonntag präsentieren“, erklärte der Coach. „Zudem werden wir intensiv am Überzahlspiel und an Kleinigkeiten in der defensiven Zone arbeiten.“ Eine akribische Vorbereitung auf einen eigentlich bekannten Gegner, also. Der Coach und sein Team wollen ihr Comeback jetzt auch mit dem Viertelfinale belohnen.





