Noch zehn Spiele

Vier Comebacks schenken den Berliner Eisbären neue Hoffnung

Kapitän Rankel, Torwart Zepp und Topstürmer Tallackson melden sich zurück. Damit scheint Platz zehn wieder möglich. Auf einen Spieler verzichtet Trainer Tomlinson in Iserlohn aber freiwillig.

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Es war schon öfter so, kurz vor der Februar-Pause in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Spieler sind verletzt, stehen aber unmittelbar vor der Rückkehr. Um kein Risiko einzugehen, werden mögliche Partien vor der Unterbrechung ausgelassen. Erst danach kommen die Rekonvaleszenten wieder aufs Eis.

Ein solches Handeln wäre für den EHC Eisbären purer Luxus. Rang elf in der Tabelle belegt der Meister, in zehn Spieltagen ist die Hauptrunde rum und der notwendige zehnte Platz liegt vier Punkte vor den Berlinern. Iserlohn auf Rang neun ist auch noch in Reichweite, aber schon sieben Zähler entfernt, und am Freitag könnte die gerade heißeste Mannschaft der Liga mit zehn Siegen aus den vergangenen elf Spielen die Berliner im direkten Duell wohl endgültig abschütteln.

Tomlinson kann keinen mehr schonen

„Für uns gibt es kein Morgen“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Spieler zu schonen, kann sich der EHC diesmal einfach nicht leisten.

Daher trifft es sich bestens, dass die Eisfläche im Training wieder sehr voll ist. Torhüter Rob Zepp (Rippenbruch) fängt Pucks, die Stürmer Barry Tallackson (Knieprellung), Julian Talbot (Innenbandanriss) und Andre Rankel (Halswirbelsäule) laufen und schießen.

„Es ist gut, wenn Jungs reinkommen, die Ruhe ausstrahlen“, sagt Rankel. Die Verletztenliste wird sich am kommenden Wochenende von sieben auf drei Spieler verringern. Angesichts von zuletzt fünf Niederlagen in Folge ist das ungemein wichtig für die Mannschaft.

Erinnerungen an Ustorf wurden wach

Rankel befand sich zuletzt selbst in großer Unruhe. Seit Ende November schaute er bei insgesamt 22 Spielen zu, nach einem Zusammenprall hatte er Wahrnehmungsstörungen, wochenlang konnte der Kapitän des Titelverteidigers fast nicht trainieren. „Die Symptome deuteten erst auf eine Gehirnerschütterung hin“, sagt er. Doch es trat keinerlei Besserung ein, so dass sich diese Verletzung irgendwann nicht als die richtige Diagnose erwies.

„Ich war kurz davor, verrückt zu werden, weil ich nicht wusste, was los ist“, so der Angreifer. Erinnerungen an das Schicksal von Stefan Ustorf wurden wach. Rankels langjähriger Teamkollege musste vor zwei Jahren aus diesem Grund seine Karriere beenden und leidet bis heute unter den Folgen der Verletzung.

Er griff zum Telefon. Fernmündlich konsultierte der 28-Jährige einige Spezialisten, die nicht in Berlin niedergelassen sind. Irgendwann ergab sich mit Hilfe hiesiger Ärzte ein neues Bild. Der Atlas am oberen Ende der Halswirbelsäule hatte sich verschoben und verursachte die Probleme. Einen Tag nach der Diagnose ging es in die Reha nach Donaustauf. „Der Physiotherapeut dort hat eine Stelle angefasst, und schon tat es nicht mehr weh“, erzählt er. Ab dem 9. Januar verbrachte er zwei Wochen dort, mit ordentlich Programm von 9 bis 18 Uhr. „Ich wurde ganz schön rangenommen“, so Rankel.

Training bei Ex-Kollege Leask

Im naheliegenden Regensburg konnte er sogar zum Training ein paar Mal aufs Eis, unter Anleitung des langjährigen Eisbären-Profis Rob Leask, der nach dem Karriereende im vergangenen Sommer nun den Oberligisten EV Regensburg trainiert. Neben der Behandlung absolvierte Rankel dort auch ausgiebige Kraft- und Ausdauereinheiten.

Seit einigen Tagen trainiert er wieder voll mit der Mannschaft. „Ich fühle mich gut“, sagt Rankel. Seine Durchsetzungskraft, seine Robustheit fehlte dem Team zuletzt oft. Dass er sie gleich wieder in vollem Umfang liefern kann, glaubt Tomlinson nicht. „Er und auch Zepp sowie Talbot waren lange draußen. Sie werden nicht gleich in alter Form sein“, so der Trainer. Einen positiven Effekt erwartet er dennoch von der Rückkehr.

Rankel sah 22 Spiele - und dabei viele Fehler

Rankel hat sich viele Spiele seiner Mannschaft angeschaut. Viele Kleinigkeiten würden falsch gemacht, hat er dabei erkannt. „Aber das ist jetzt alles eine Glaubensfrage“, sagt er. Alle müssten in ihre Fähigkeiten vertrauen. Mit den zahlreichen Niederlagen im Kopf und der stetig kritischer werdenden Lage in der Tabelle fällt das allerdings schwer. Impulse von außen durch zurückkehrende Spieler sind jedoch geeignet, das Vertrauen wieder wachsen zu lassen.

Sollte das nicht eintreten, dürften die Chancen der Berliner in Iserlohn recht gering sein. Alles an dieser einen Partie festmachen, will der Trainer allerdings nicht. „Es ist schon ein Schlüsselspiel, aber danach ist die Saison auch noch nicht vorbei“, sagt Tomlinson, der Stürmer Kristopher Sparre nun sogar aus dem Kader strich, obwohl er weiter auf Florian Busch (Darmerkrankung) verzichten muss. Mit einer Niederlage bliebe jedoch nur noch ein einziger Gegner, der verdrängt werden könnte. Doch selbst der könnte schon weit weg sein. Dieses Risiko sollten die Berliner möglichst nicht eingehen. Auch wenn Rankel, den die Fans stets als den „besten Mann“ besingen, nun wieder zurück ist.