Eishockey

Berliner Eisbären-Profis spielen um ihre Zukunft

Eine Krise bietet auch Chancen, besonders den Spielern, die für die nächste Saison noch keinen Vertrag haben. Welche Berliner Eisbären sich etwa gegen Hamburg empfehlen können – und welche eher nicht.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Bloß nicht zu weit denken. Das passt gerade nicht. Zu heikel ist die Situation, und mit Hamburg (Freitag, 19.30 Uhr) und Krefeld (Sonntag, 17.45 Uhr, beide O2 World) als nächsten Gegnern scheint es kurzfristig auch nicht wirklich besser zu werden. Also halten sie sich beim EHC Eisbären derzeit am Moment fest. „Es ist nicht so, dass wir zittern“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Richtig locker zeigt sich der Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) allerdings auch nicht, sonst wäre er nicht auf Rang elf und müsste arg kämpfen, um als Zehnter in ein paar Wochen noch in das Pre-Play-off zu schlüpfen.

Verschiedene Dinge haben den Titelverteidiger in diese Lage manövriert. Am offensichtlichsten sind Verletzungssorgen, andererseits erzeugen einige Entscheidungen von Manager Peter John Lee nicht den günstigsten Eindruck. Wie das alles ausgeht am Saisonende, erscheint gerade wie eine Lotterie. Bei allen Sorgen gilt es aber auch, Weichen zu stellen. „Ich bisschen blicke ich immer in die Zukunft“, sagt Lee vor dem Duell gegen den Tabellenführer. Heißt: Veränderungen gehören dazu im Profisport. Schließlich gibt es Spieler im Kader der Eisbären, deren Verträge auslaufen. Wer davon jetzt hilft, die Saison zu einem halbwegs versöhnlichen Abschluss zu bringen, kann sich einen Gefallen tun.

Die Dauerkrise wirkt sich aus

Den Leistungsstand einzelner Spieler einzuschätzen fällt derzeit nicht ganz leicht. Mit den Verletzungen und der Dauerkrise hat sich ein negativer Lauf entwickelt, der sich großflächig auswirkt. „Viele kennen das nicht“, sagt Tomlinson. Deshalb fällt der Umgang damit so schwer. Allerdings hat Lee im vergangenen Sommer mit 13 Vertragsverlängerungen über diese Saison hinaus für ein Klima der Zufriedenheit bei vielen gesorgt. „Ob das ein Fehler war, wird erst die Zeit zeigen. Bleibt es so, war das wohl dumm“, sagt er. Spielraum ist aber da, um demnächst gegenzusteuern.

Viele Entscheidungen, das gibt der Manager zu, wird er erst nach dem Saisonende treffen. „Ich muss dann alles analysieren, da kann ich jetzt auch nichts ausschließen“, sagt der Kanadier. Womöglich wird es sogar Vertragsauflösungen geben, sollte das Play-off verpasst werden. Auch Trainer Tomlinson, der 2013 für zwei Jahre unterschrieben hat, könnte sich seines Postens wohl nicht mehr ganz so sicher sein wie jetzt.

Junge Spieler sollen gehalten werden

Eigentlich wäre Lee gern etwas weiter in seinen Planungen, „aber ich habe noch keine Panik“. Mit ein paar Spielern aus dem aktuellen Kader hat er bereits gesprochen, sogar schon mit einigen potenziellen Zugängen. Sein Budget wird sich wohl kaum verändern. Klar scheint, dass die jungen Spieler, die gerade für die Verletzten nachrücken, alle gehalten werden sollen. Henry Haase hat sich gut entwickelt in den vergangenen Monaten, Jonas Schlenker, Sven Ziegler und auch Jonas Müller konnten ihre DEL-Ambitionen unterstreichen. Bei den älteren Kandidaten mit auslaufenden Kontrakten scheint sonst nur der unumstrittene Torjäger Barry Tallackon, der wegen einer Knieprellung ausfällt, ein sicherer Anwärter auf eine Verlängerung.

Natürlich hofft Lee auch auf Rob Zepp, 32. Seinen Traum von der NHL hat der immer noch nicht aufgegeben. Es gab sogar in den vergangenen sechs Monaten zwei Angebote für ihn, die er jedoch ablehnte. „Eine Chance bekommt er vielleicht noch, danach wird es langsam zu spät“, erzählt Lee. Verlassen kann er sich auf den Verbleib nicht. Bei Ersatzkeeper Sebastian Elwing, 33, wäre das einfacher, bei den derzeit vielen Spielen durch Zepps Ausfall überzeugt er allerdings nicht. „Es ist auch noch nicht entschieden, wie wir strategisch planen“, so der Manager. Ein junger Torhüter mit Perspektive als Ersatzmann ist die wahrscheinlichere Variante.

Schlechte Karten für den Klub bei Lalonde

Derzeit eher schlechte Aussichten auf neue Verträge haben auch die Stürmer Daniel Weiß und Mads Christensen. Weiß entwickelt sich trotz aller Gelegenheiten kaum weiter, Christensen ruft sein Potenzial zu selten ab und ist oft verletzt. Sie erfüllen die Erwartungen nicht. Kris Sparre spielt aktuell keine Rolle in den Planungen. Nicht unzufrieden ist man mit Mark Bell, nachdem er wegen einer Verletzung erst spät zu Mannschaft gekommen ist, wird bei ihm der Preis eine wichtige Rolle spielen. Top-Verteidiger Shawn Lalonde würde man sich gern mehr kosten lassen, den Kanadier wird der EHC aber kaum halten können. Zu groß scheint das Interesse aus finanzkräftigeren Ligen.

Für die neue Spielzeit würde Lee sicher keinen Fehler machen, wenn er nach ein, zwei Spielern mit Führungsqualitäten fahndet, wirkte sein Team doch oft genug, als könnte es mehr Orientierung brauchen. Nur gute Spiele samt Viertelfinaleinzug könnten den Manager noch dazu bringen, weniger Veränderungen vorzunehmen als jetzt notwendig erscheinen.