Eishockey

Eisbären verschenken gegen Wolfsburg den Sieg

Vor 11.900 Zuschauern unterliegen die Eisbären trotz guter Leistung Wolfsburg mit 3:4. Olver schießt sein 111. DEL-Tor. Dabei war die Motivation, es den Gegnern „heimzuzahlen“, groß.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Mario Stiehl

Eigentlich durchleben die Berliner gerade Wochen, vor denen sich viele zuletzt fürchteten. Mit schwacher Form startete der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in viele Partien gegen starke Gegner aus der oberen Tabellenhälfte. Doch diese Wochen verliefen bislang unverhofft besser, als man es erwarten durfte. Gegen die Grizzly Adams Wolfsburg endete der kleine Aufschwung des Neunten nun zumindest vorläufig. Mit 3:4 (2:1, 1:2, 0:1) unterlagen die Berliner vor 11.900 Zuschauern in der O2 World.

Bei der Vielzahl von Spielen in der DEL einzelnen Partien spezielle Bedeutungen zuzuschreiben, fällt nicht ganz leicht. Diesmal jedoch ließ sich alles ganz gut bemessen. Nicht wegen der Punkte, die die Berliner unbedingt brauchen. Auch nicht wegen der Zähler, die sie gegen Wolfsburg in bisher zwei Duellen nicht holten. Vielmehr die Art der Niederlage, die die Mannschaft von Trainer Jeff Tomlinson nach dem ersten Aufeinandertreffen (1:3) ereilte, die ist noch nicht vergessen. Anfang November setzte es ein 0:8 bei den Niedersachsen. Das erinnerte damals an einen schlimmen Ausrutscher in alte, erfolglose Zeiten der Eisbären.

Freilich konnte der Titelverteidiger das Drama verwinden. Die Motivation, es den Wolfsburgern nun irgendwie heimzuzahlen, war allerdings sehr ausgeprägt. Auch die Ausgangslage bot Ansätze, die auf ein Gelingen hoffen ließen. Die Berliner gingen mit zwei Siegen in die Partie, die Wolfsburger dagegen mit zwei Niederlagen.

Aggressivität als Markenzeichen

Es empfiehlt sich jedoch nie, die Niedersachsen nicht als gefährlich zu betrachten. Seit Pavel Gross die Mannschaft 2010 übernahm, ist sie ein starker Konkurrent in der DEL. Deshalb verlängerten die Wolfsburger den Vertrag mit dem 45-Jährigen vor Weihnachten um zwei Jahre bis 2016. Vor allem das aggressive Spiel nach vorn ist ein Markenzeichen des Teams von Gross, genauso das hohe Tempo. Damit spielte sich Wolfsburg auf den fünften Platz und ist einer Kandidaten, die direkt ins Viertelfinale einziehen können.

Für die Eisbären wird das eher schwierig. Zumal noch immer sechs Spieler fehlen, fünf davon Stammspieler. Doch mit der Umstellung auf vier Reihen und der Einbeziehung der Youngster Jonas Schlenker und Sven Ziegler in erfahrene Sturmreihen fing sich der EHC zuletzt und gewann etwas überraschend gegen Mannheim (3:2) und Krefeld (7:3). Das verschaffte der Mannschaft einiges an Selbstvertrauen, und dieses zeigte sie auch gegen die flinken Wolfsburger.

Berliner gerieten nicht aus dem Tritt

Die erwischten allerdings den besseren Start und gingen in doppelter Überzahl durch Jeff Likens in Führung (12.). Kurz darauf hätte Christoph Höhenleitner per Penaltyschuss erhöhen können, scheiterte aber an Torhüter Sebastian Elwing (14.). Nach den jüngsten Erfolgserlebnissen gerieten die Berliner durch diesen unglücklichen Auftakt nicht aus dem Tritt. Sie öffneten das Spiel gut, machten es breit und nutzten ihre läuferischen Möglichkeiten ebenso wie die Gäste. In Überzahl erzielte Darin Olver den Ausgleich (16.). Es war sein 111. Tor in der DEL in seinem 300. Spiel.

Der Jubel darüber war kaum verhallt, da traf Verteidiger Shawn Lalonde zum 2:1 (17.) für die Eisbären. Die Berliner zeigten große Spielfreude, sie präsentierten sich mutig und setzten ordentlich nach. Jim Sharrow gelang dabei das 3:1 (26.). „Wir sind gut marschiert, aber mit ihren Pässen waren die Wolfsburger immer gefährlich“, sagte Verteidiger Frank Hördler nach dem Spiel. Sogar das 4:1 schien nah, die Eisbären zogen in dem ohnehin flotten Spiel ein schwindelerregende Powerplay auf, Mads Christensen traf aber nur die Latte (32.).

Doch obwohl die Berliner die Partie in der O2 World kontrollierten, drehte sich mit einer Unachtsamkeit alles. Wolfsburg zeigte seine Klasse, kam mit einem guten Pass vor das Berliner Tor, und Patrick Pohl brachte den Puck irgendwie ins Netz (38.). Ähnlich unerwartet zog wenig später Sebastian Furchner ab und traf aus eher harmloser Position zum 3:3 (39.). Ein Fehler von Constantin Braun in der eigenen Abwehrzone ermöglichte Furchner sogar den Treffer zur Führung (51.). Der ließ sich auch mit viel Kampf nicht mehr egalisieren, so dass es sich am Ende nach einem verschenkten Sieg anfühlte.