Transferpoker

Harter Kampf um den Torgaranten der Eisbären

Shawn Lalonde ist der treffsicherste Verteidiger der DEL. Für die Meister wird es schwer, den Kanadier in Berlin zu halten. Gegen Wolfsburg am Dienstag aber kann der Titelverteidiger auf ihn zählen.

Foto: Unverferth / pA/Sport Moments

Der Manager empfiehlt derzeit gern den Blick auf die Geburtsjahre seiner Spieler. Und damit niemand lange nachdenken muss, gibt er auch noch den entscheidenden Hinweis. Neun Akteure des aktuellen Aufgebots des EHC Eisbären sind 1990 und später geboren. Peter John Lee erzählt das voller Stolz, ist es doch für ihn der unumstößliche Beleg dafür, dass der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sich um den Nachwuchs kümmert.

Shawn Lalonde in diese Rubrik einzuordnen, darauf würde auf Anhieb wohl niemand kommen. Dafür wirkt sein Auftreten zu selbstbewusst, sein Spiel zu reif. „Manchmal vergessen wir, dass er noch jung ist“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Was daran liegt, dass er als Kanadier weiter ist als die meisten deutschen Spieler in diesem Alter. Lalonde ist 23, aber er führt auch die Torschützenliste der Verteidiger der DEL an. Beim 7:3 in Krefeld traf Lalonde zum elften Mal in dieser Saison. Nur Stürmer Barry Tallackson (12) ist beim EHC erfolgreicher.

Als echter Glücksgriff erweist sich der Nordamerikaner für die Berliner, das Potenzial, das Lee in ihm sah bei der Verpflichtung im Sommer, kommt deutlich zum Tragen. Läuferisch ist er einer der besten Abwehrspieler der Liga, er beherrscht das Über- und Unterzahlspiel, er verfügt über einen starken Schuss. „Er ist eine Waffe“, sagt der Trainer. Lalondes Wert lässt sich aber auch noch anders bemessen, er definiert sich als absoluten Teamspieler. Als jemand, der für die Mannschaft jeden Job übernimmt. Er geht etwa keinem Faustgefecht aus dem Weg. „Ich mag es zu kämpfen“, erzählt er, „aber ich bin mir nicht sicher, ob es so gut ankommt, wenn ich 14 Minuten auf der Strafbank verbringe.“

Es kommt drauf an. „Manchmal braucht man so jemanden, der die Handschuhe auszieht“, sagt Tomlinson. Lieber ist es ihm, wenn er sie anlässt. Das hilft der Mannschaft meist mehr. Anfangs war die Effektivität des Kanadiers allerdings noch nicht so gut. Er schoss zwar häufig, sogar am meisten in der Liga, doch die Schüsse waren zu unpräzise. Im Training wurde viel und gezielt daran gearbeitet, er konzentriert sich jetzt mehr auf seine Schüsse, auch auf seine defensiven Aufgaben.

Spieler will flexibel bleiben

Damit hat ihn sein Engagement in Berlin bereits ein Stück weiter gebracht, genau das war sein Ziel. Ob die Eisbären davon profitieren, steht nicht fest. Eigentlich wollte Lee den Spieler, der aus der Organisation des NHL-Klubs Chicago kommt, für zwei Jahre verpflichten, aber das wollte Lalonde nicht. „In der Zukunft werde ich das machen, was für mich am besten ist. Ich bin da flexibel“, sagt er. Vorläufig will er das auch bleiben. „Er lässt alles offen“, sagt Lee.

Natürlich hofft der Manager, den Vertrag verlängern zu können. Lalonde hofft vor allem auf eine Rückkehr in die NHL, wo er bisher ein Spiel für Chicago absolvierte. „Ich kann mir vorstellen, dass auch in Europa viele Klubs hinter ihm her sind“, sagt der Trainer. Darum schert sich der Profi nicht. „Ich schaue nur auf mein Spiel, mein Agent kümmert sich um alles andere“, sagt der Verteidiger. Immerhin, die Restaurant-Dichte in der Stadt spricht für Berlin, denn Lalonde geht gern und häufig Essen.

Aber Lee weiß, dass es nicht einfach wird, ihn zu halten. „Die Chancen sind schwer abzuschätzen“, sagt der Manager. Das trifft ebenso zu auf die Aussichten der Berliner bezüglich der Play-off-Qualifikation. Mit dem überraschenden Sieg in Krefeld ist hier die Hoffnung gewachsen. Mit Wolfsburg wartet Dienstag der nächste schwere Gegner auf das junge EHC-Team mit dem sehr erwachsenen Shawn Lalonde (19.30 Uhr, O2 World).