DEL

Trainerlegende Hans Zach kehrt zurück aufs Berliner Eis

Hans Zach ist nach fast vier Jahren im Ruhestand wieder als Trainer aktiv. In Mannheim wurde er an Neujahr unter Vertrag genommen. Am Freitag ist er zu Gast bei den Eisbären in Berlin.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Damit überraschten die Adler Mannheim gewaltig. An Neujahr präsentierten sie Hans Zach als Nachfolger von Harold Kreis. Nach dem Titel mit den Hannover Scorpions 2010 verließ der urige Bayer die DEL und das Eishockey und zog sich ins Private zurück. Eigentlich hatte niemand mehr mit der Trainerlegende an der Bande gerechnet. Jetzt ist der 64-Jährige zurück – und bei all den vielen Spielen zum Comeback etwas in Eile. Am Freitag trifft er in der Berliner O2 World um 19.30 Uhr auf die Eisbären.

Berliner Morgenpost: Es ging gleich ordentlich los, Herr Zach, drei Spiele in den ersten sechs Tagen, da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken oder Luftholen. Genau der richtige Start für Sie?

Hans Zach: Ach, das ist mir egal, ich stelle mich auf alles ein. Das ist kein Problem.

Nach der Auftaktniederlage gab es zwei Siege. Wie zufrieden sind Sie?

Sehr, weil die Spieler eine sehr gute Einstellung haben und gut mitziehen. Das ist das A und O, die Basis zum Arbeiten.

Wie viel Hans Zach steckt denn schon in der Mannschaft nach so kurzer Zeit?

Ich versuche, den Spielern das zu vermitteln, was ich will – und sie nehmen das auch auf. Aber sie müssen noch viel lernen, auch individuell, in den Zweikämpfen und so weiter. Aber das kriegen wir hin.

Was ist Ihnen in den ersten Spielen aufgefallen an der Mannschaft?

Wir spielen mit vier Ausländern, drei sind verletzt. Ansonsten nur deutscher Spieler, die vor allem aus dem Mannheimer Nachwuchs kommen. Das ist sehr gut.

Und was ist Ihnen an der Liga allgemein aufgefallen?

Die Schiedsrichter sind in Ordnung, das Tempo ist sehr hoch, es wird fair gespielt. Die Liga hat eine positive Entwicklung genommen.

Inwiefern haben Sie die DEL zuletzt verfolgt?

Eigentlich gar nicht.

Haben Sie sie wenigstens ein bisschen vermisst?

Nein.

Neben dem von Ihnen geliebten Fischen, Wandern und Schafkopfspielen war also kein Platz mehr fürs Eishockey. Dafür spricht ja auch, dass Sie einige Angebote haben sausen lassen in den vergangenen Jahren. Auf so einen Anruf wie aus Mannheim haben Sie dann sicher nicht gerade gewartet. Oder doch?

Überhaupt nicht. Ich habe mich sogar über mich selbst gewundert, dass ich zugesagt habe. Eigentlich hatte ich ja schon abgeschlossen. Der Grund, warum ich wieder da bin, war vielleicht die ganze Situation in Mannheim, das große Nachwuchsprojekt. Was da alles investiert wird, damit deutsche Spieler ausgebildet werden. Das ist toll.

Es war auch zu lesen, dass Sie nach Ihren Engagements in Düsseldorf und Köln nun mit dem Job in Mannheim sagen könnten, Sie hätten bei den großen Klubs gearbeitet. Das wird Ihr alter Freund Peter John Lee als Manager des Serienmeisters Eisbären Berlin nicht gern hören.

Das muss ihn nicht stören. Er kann mich ja auch mit 70 Jahren noch verpflichten.

Sie waren einer von zwei Trainern, die die Eisbären-Ära in den vergangenen neun Jahren durchbrechen konnten. Jetzt sieht es so aus, als würde es wieder jemandem gelingen.

Ich kümmere mich nur um die Adler.

Aber es läuft nicht gut in Berlin, das haben Sie doch sicher mitbekommen.

Ich glaube, dass die Eisbären immer gefährlich sind. Wir sind auf alles gefasst.

Was sagt eigentlich Ihre Frau zur kurzfristigen Aufhebung des Ruhestands?

Kein Problem, ich spreche alles mit ihr ab. Familiär passt das schon. Meine Tochter ist in Düsseldorf, die sehe ich dann öfter. Mein Sohn ist in Berlin mit dem Enkelkind, die sehe ich auch öfter. Also gleich jetzt.

Haben Sie sich sofort wieder wohlgefühlt auf Schlittschuhen?

Als ich das erste Mal aufs Eis bin, habe ich den Spielern gesagt, sie sollen aufpassen, dass sie in meiner Nähe sind, falls ich ausrutsche. Ich war ja in der Zwischenzeit nicht auf dem Eis. Aber es hat alles gut geklappt.

Das erste Training in Mannheim hielten Sie vor 600 Fans ab. Wie fühlte sich das an?

Meine Karriere ist schon sehr lang, seit 1966 bin ich im Eishockey. Trotzdem habe ich noch etwas Neues erlebt.

Vielen Spielern der Adler ging es mit Ihnen sicher ähnlich, für die waren Sie bestimmt eine ganz neue Erfahrung. Für manche war das auch zu viel, wie die kurzfristige Trennung von Stürmer Yanick Lehoux nahelegt.

Es sind ja einige Spieler dabei, die mich schon kennen, die haben den anderen Bescheid gesagt, und dann war es kein Problem. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Lehoux habe ich erzählt, was ich von ihm will. Er hat gesagt, dass er das nicht machen kann. Warum auch immer. Da macht das keinen Sinn und man muss sich trennen.

Sie sind als Mann deutlicher Worte bekannt. Wie nötig waren die bisher?

Klare Ansprachen gibt es immer, die sind täglich nötig. Da bin ich sehr als Psychologe gefragt, und ich glaube, dass das auch meine Stärke ist. Was sicher keiner vermutet, aber es ist so.

Wie gehen Sie dabei vor?

Ich baue die Leute auf, sage ihnen, dass ich nicht der Liebe Gott bin, sondern ihr Partner, dass ich ihnen helfen will. Das sehen sie dann auch und dann kommt das schon.

Müssen Sie die Spieler jetzt an Ihr defensiveres System gewöhnen oder fällt das kaum ins Gewicht?

Im Eishockey gibt es kein Geheimnis, die einen spielen eben intensiver und konsequenter. Da gehöre ich dazu, ich will es konsequent haben.

Was muss passen, damit Mannheim für Sie ein Erfolg wird?

Wer immer konsequent spielt, wird am Ende im Vorteil sein. Dazu kommt das Können, aber auch da muss man intensiv arbeiten und das Eishockey-ABC schulen. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Sind Sie nach Ihrer Auszeit eigentlich ruhiger auf der Bank geworden oder haben Sie jetzt noch mehr Energie durch die Pause?

Alles gleich. Gleiche Energie, gleiche Power.

Dann kann es also nach dem Sommer weitergehen? Irgendwo.

Nein, nein, nein. Nein, nein. Nein.