Die erste Entwarnung gab es schon am späten Abend. Aus dem Krankenhaus erfuhr Peter John Lee, dass nichts gebrochen ist bei Rob Zepp. Glück im Unglück also für den Torhüter des EHC Eisbären, der beim Spiel in der European Trophy gegen Färjestads BK mit dem Rücken an den Posten geknallt war. Doch so positiv die Nachricht im ersten Moment ausfiel, was genau die Verletzung bedeutet und wie lange sie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf Zepp verzichten müssen, wissen die Berliner noch nicht.
Mit einem Rahmen von fünf Tagen bis vier Wochen Pause könne er wegen der Rippenprellung rechnen, wurde Lee vom Arzt mitgeteilt. Da kann der Manager es sich nicht verkneifen, dieses Missgeschick in ein größeres Bild zu packen. „Das alles passt zu unserer Saison“, sagt der 57-Jährige.
In der DEL läuft es seit Monaten minder bescheiden, auf Rang neun liegt der Meister. Auch bedingt durch zahlreiche Verletzungen. Und während die Berliner in der Trophy antreten, wird der Rückstand auf den sechsten und direkten Viertelfinalrang immer größer. Neun Punkte beträgt er bereits. Trotzdem freuten sich alle im Klub auf das Turnier.
Doch das erste Spiel ging 0:4 verloren, das zweite gegen Frölunda Göteborg wurde am Sonnabend zwar 4:3 (0:0, 4:2, 0:1) gewonnen. Interessierte aber nicht mehr, denn die Finalplätze waren durch die Niederlage schon weg. Der Zuschauerzuspruch war mit 3900 gegen Färjestad auch mehr als gruselig in der 14.200 Besucher fassenden O2 World. Und dann auch noch Zepp.
In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob die Tendenz eher in Richtung eines kurzen oder längeren Ausfalls des Torhüters geht. Was die Berliner im Falle einer längeren Pause unternehmen, „ist offen“, so Lee. Gedanklich aber stellt er sich bereits darauf ein, eventuell noch einen Torhüter nachzuverpflichten. Was kein Kompliment für Ersatzmann Sebastian Elwing darstellt. Wenig charmant sprach Trainer Jeff Tomlinson von einem deutlichen Unterschied zwischen beiden. Lee sagt es so: „Wenn der zweite Torhüter so gut wäre wie der erste, wäre er nicht der zweite.“
Problem im Tor
Allerdings, räumt Lee ein, wäre es auch schwer hinter Zepp. Der will immer spielen, für Elwing gibt es daher kaum Bewährungsproben. Einer guten Form ist das nicht zuträglich. Außerdem sieht es im Nachwuchs derzeit nicht gut aus, es wäre einfach kein Torhüter da, der einspringen könnte, falls auch noch Elwing ausfallen sollte. Die Berliner stehen also tatsächlich vor einem Problem.
Was die Ambitionen der Eisbären angeht, macht auch das reine Resultat von 0:4 gegen Färjestad wenig Mut. Doch das Spiel war grenzwertig bezüglich der vielen eigenwilligen Schiedsrichterentscheidungen gegen den EHC. „Ein Spieler von Färjestad sagte zu mir, dass ihm das etwas peinlich war“, so Lee. Doch er gibt auch zu, dass seine Mannschaft derzeit mit dem Niveau der internationalen Konkurrenz nicht ganz mithalten kann.
Noch weiter entfernt von den Ansprüchen liegen die Zuschauerzahlen des Turniers, das als ein Höhepunkt des Jahres angepriesen worden ist. Immerhin: „Die Spieler und die Klubs sind begeistert von der Möglichkeit, die Trophy zu spielen“, so Lee. Doch: „Wir sind an der Grenze mit diesem Format.“ Zwischen der Gruppenphase in der Saisonvorbereitung und dem Final-Wettbewerb liegen fast vier Monate. Eine echte Spannung aufzubauen, fällt da schwer. Auch gelten die Dauerkarten der Eisbären aus der DEL nicht für das Turnier, was sicher ein paar Tausend Besucher kostet. „Wir haben vielleicht etwas den Fokus auf das Turnier verloren und uns nicht so darum gekümmert, wie es nötig gewesen wäre“, sagt der Manager sehr selbstkritisch. Durch die langen und intensiven Vorbereitungen für die neue Champions Hockey League (CHL), die ab August die European Trophy beerbt, sei wenig Zeit geblieben.
Gutes sportliches Niveau
Mit dem gebotenen Sport ist Lee dennoch zufrieden. Doch selbst starke finnische und schwedische Klubs sind nicht bekannt genug, um breite Publikumswirkung zu erzielen. „Irgendwo müssen wir aber anfangen. Wir versuchen, etwas auf die Beine zu stellen und lernen auf unserem Weg“, so Lee, „das ist alles ein Prozess.“ Mit der CHL soll der in die nächste Phase eintreten, sie wird ab der nächsten Saison parallel zu den nationalen Ligen mit Gruppenphase und einem Play-off ab dem Achtelfinale ausgetragen. Zudem sind die Meister und Hauptrundensieger aus Schweden, Tschechien, der Schweiz, Finnland, Österreich und Deutschland anders als vorher mit dabei. Das verleiht dem Wettbewerb mehr Ernsthaftigkeit.
Neu ist auch, dass erstmals Klubs, die Ligen und der Weltverband gemeinsam mit der Organisation und Umsetzung der Liga befasst sind. „Das ist der wichtigste Unterschied zu allen bisherigen gescheiterten Versuchen, einen kontinentalen Wettbewerb zu etablieren“, sagt Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL. Für 40 Mannschaften geht es dann um 1,5 Millionen Euro Preisgeld, wobei die Aufteilung der Prämien noch nicht abschließend geregelt ist. Lee ist überzeugt von dem Projekt, in das sich 26 Klubs mit einer Einlage von ca. 80.000 Euro im Sinne einer langfristig sicheren Planbarkeit der Liga einkaufen konnten. „Das ist das Format, mit dem wir das Eishockey über die eigenen Ligen in den Ländern hinaus populär machen können“, sagt der Berliner Lee.
Auch sein Klub wird in den nächsten drei Jahren in der Champions League dabei sein. Lee hofft dann auf bessere Zuschauerzahlen. Aber im Moment scheint das alles weit weg. Bei aller Vorfreude auf den kommenden internationalen Wettbewerb, in den langfristig auch die russische KHL integriert werden soll, dämpfen die aktuellen Ereignisse die Stimmung von Peter John Lee etwas. Eigentlich sollte seine Mannschaft das Turnier genießen und etwas daraus mitnehmen. Stattdessen gab es mehr Frust als Lust und obendrein die Verletzung von Rob Zepp, so dass statt der positiven Wirkung für die Entwicklung der Eisbären in der eigenen Liga eher das Gegenteil zu befürchten ist.





