Er guckte nur verdutzt, als der Moderator der Eröffnungsveranstaltung der European Trophy mit ihm ein kleines Berlin-Quiz anschieben wollte. Zwar spielte Leif Carlsson von 1996 bis 2000 für den EHC Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), aber mit der Geschichte der Stadt hat er sich damals nicht beschäftigt. Auch diesmal fehlte dem 48-Jährigen die Zeit dazu. „Wir haben großen Aufwand betrieben, um bei diesem internationalen Topturnier in Berlin gut vorbereitet an den Start gehen zu können“, so der Schwede. Den Wissenstest bestand er also nicht.
Vergangene Saison stand Trainer Carlsson mit Färjestads BK bereits im Finale des kontinentalen Turniers, unterlag da aber Lulea Hockey. Jetzt will der Klub aus Karlstad den Titel – und trifft nach dem ersten Duell am Donnerstag mit dem schwedischen Kontrahenten Frölunda Indians (nach Redaktionsschluss) im zweiten Spiel der Dreiergruppe am Freitag auf den EHC (20.30 Uhr, O2 World und ServusTV). Carlsson freut sich, in der Stadt zu sein. „Ich habe meine Zeit als Spieler hier genossen und habe immer noch viele Freunde hier“, sagt Carlsson, der in seiner dritten Saison als Cheftrainer bei Färjestad tätig ist.
In der heimischen Liga glückt seinem Team gerade nicht besonders viel. Lediglich auf Platz neun rangiert der Klub. „Die spielen eine ähnliche Saison wie wir, daher ist es nicht unrealistisch, dass wir sie schlagen können“, sagt Eisbären-Trainer Jeff Tomlinson, dessen Mannschaft sich ebenfalls auf Rang neun befindet. Allerdings plagt Tomlinson zudem das Handicap, dass ihm Spieler verletzt fehlen. Neben Kapitän André Rankel (Gehirnerschütterung) muss auch Angreifer Darin Olver mit Verdacht auf Gehirnerschütterung pausieren.
Sonnabend gegen Frölunda Göteborg
Das Turnier liegt also gerade nicht günstig für den EHC, der am Sonnabend auf Frölunda trifft (20.30 Uhr, O2 World und Servus TV). Tomlinson sieht das pragmatisch: „Spieler, die sonst weniger Eiszeit haben, werden mehr bekommen und haben eine neue Chance.“ Ansonsten sei man gezwungen, schlau zu spielen, weil Puckverluste und Strafzeiten nur mit erhöhtem Kraftaufwand zu kompensieren sind. Und Kraft verschleudern, das können sich die Eisbären wegen der Situation in der Liga eigentlich nicht leisten.
An schlechte Auswirkungen des Turniers denkt derzeit sonst kaum jemand, eher an den Effekt, den die Spiele auf internationalem Niveau haben können. „Wir können hier etwas probieren, hier dabei zu sein, kann uns voranbringen und für die DEL einen Schub geben“, sagt Stürmer Laurin Braun. Er war 2010 dabei, als die Berliner die Erstauflage der European Trophy gewannen. Es war der erste Titel überhaupt für den 22-Jährigen, er erzielte sogar ein Tor im Finale und wurde zum Pokal-Verantwortlichen ernannt. Eine Tätigkeit, die sich Braun noch einmal vorstellen könnte.





