Der Spaß war zurück. Zwar fehlte André Rankel noch ein wenig der Atem, um seinen Gesichtsausdruck den Worten anzupassen. Recht ernst referierte der Kapitän des EHC Eisbären über 60 aufregende Spielminuten zuvor. Doch er versicherte glaubhaft, dass die vorhandene Anspannung aus den Köpfen verscheucht worden ist. Mit viel Kampf, mit viel Einsatz, mit viel Leidenschaft.
Und das gegen diesen Gegner, der aktuell doch fast ein bisschen zu groß erscheint. Aber die Eisbären waren es, die am Ende sogar spielerisch die Akzente setzten gegen die Adler Mannheim. „Das Spiel hat sich unglaublich gut angefühlt, alle haben sich reingehauen“, sagte der Stürmer der Berliner nach dem 4:2.
Es fühlte sich ein bisschen an, als sei der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auferstanden aus den Ruinen seines ersten Saisondrittels, das er enttäuschend auf dem zehnten Tabellenplatz beendet hatte. „Die Jungs haben Spirit und Moral gezeigt, sie waren bereit, den Kampf anzunehmen“, sagte Trainer Jeff Tomlinson mit funkelnden Augen.
Seine Mannschaft war endlich mal annähernd so aufgetreten, wie er sich das vorstellt. Sie war energisch, konsequent, taktisch relativ stabil. Auf dem Eis arbeiteten alle gut zusammen, die Verteidiger standen eng an den Gegenspielern. „Jetzt haben sie ein Gefühl davon bekommen, was sie machen müssen“, so Tomlinson. In der Länderspielpause zuvor hatte er diese Grundlagen noch einmal intensiv vermittelt, die gelungene Umsetzung lässt nun darauf hoffen, dass die Mannschaft doch zu mehr im Stande ist, als sie oft in dieser Saison zeigte.
Foy lindert vorerst die Sorgen
In der aktuellen Besetzung kann sich das allerdings genauso schnell als Trugschluss erweisen. „Die Eisbären haben viel in die Waagschale geworfen“, stellte Adler-Trainer Harold Kreis fest. Der Drang nach Rehabilitation für das 0:8 zuvor in Wolfsburg spielte ebenso in die Partie wie die große, motivationsfördernde Rivalität mit den Adlern. Überdies gab die Länderspielpause allen etwas Luft zum Verschnaufen und Nachdenken. Viele Spieler, auch die beiden jungen Verteidiger, riefen eine gute Leistung ab. Doch gerade bei Jungprofis hält das meist nur wenige Partien an, dann kommt ein längeres Leistungstal. Mit nur einer richtig funktionierenden Angriffsreihe lassen sich zudem nicht dauerhaft Spiele gewinnen. „Wir sind dünn besetzt im Sturm“, bekräftigt Tomlinson trotz des Erfolgs. Er war sehr froh, dass der lange verletzte Matt Foy endlich sein Saisondebüt geben konnte gegen Mannheim und die Sorgen etwas linderte.
Es sieht sogar so aus, als würden sie demnächst noch weiter abnehmen – wenn auch nicht gleich zum nächsten Spitzenspiel an diesem Sonntag gegen den Zweiten aus Nürnberg (14.30 Uhr, O2 World). Und das eröffnet eine realistische Chance, dass Spiele wie gegen Mannheim keine Eintagsfliege bleiben. Am Freitag schaute von der Tribüne wieder Constantin Braun zu, er war gerade zurückgekehrt von einer weiteren Behandlungsetappe in Süddeutschland. Dort lässt er sich therapieren, seit er kurz vor Saisonbeginn sein Leiden an einer schweren Depression öffentlich gemacht hat. Vor zwei Wochen trainierte er bereits für einige Zeit beim EHC mit, als Hilfe zur Wiedereingliederung in den Alltag. Sonnabend ging er erneut aufs Eis. „Er hat alles mit der Mannschaft mitgemacht. Ihm geht es sehr gut“, sagt Manager Peter John Lee. Einen Zeitplan für seine Rückkehr in den Spielbetrieb gebe es aber nicht.
Doch es zeichnet sich ab, dass der 25-Jährige schneller das Trikot der Eisbären überziehen dürfte als zunächst erwartet. „Ich bin überrascht über seine Form, er ist sehr motiviert und engagiert. Man merkt fast gar nicht, dass er lange weg war“, so der Manager. Braun wird körperlich also nicht lange brauchen, um spielen zu können. Vermutlich dauert es keine zwei Wochen mehr.
Manager Lee führt noch Gespräche
Darauf lassen auch die Planungen der Berliner schließen. Kehrt Braun als einer der besten Verteidiger Deutschlands zurück, muss nach dem Saisonaus von Jens Baxmann (Kreuzbandriss) nicht in einen weiteren Verteidiger investiert werden. Braun würde die dringend benötigte Stabilität offerieren. Das gibt Trainer und Manager Handlungsspielraum für die schwache Offensive. Für die ist nun Mark Bell vorgesehen.
Der stand zuletzt für Iserlohn auf dem Eis, blieb in dieser Saison wegen einer Schulteroperation aber ohne Einsatz. „Ich glaube, er hat seine Entscheidung getroffen“, sagt Lee, der am Sonnabend und Sonntag weitere Gespräche führen wollte. In Iserlohn schlug Bell ein Vertragsangebot aus. „Er würde uns helfen“, sagt Trainer Tomlinson über den 33 Jahre alten Angreifer, der 459 Spiele in der NHL absolviert hat und zwei Jahre in der Schweiz verbrachte. Da seine Reha noch nicht beendet ist, würde er wohl auch erst in zwei Wochen spielen; vorausgesetzt, er besteht den Medizincheck. Sind Braun und Bell schnell einsatzbereit, kann der Spaß bei Eisbären-Spielen wieder zum Dauergast werden.





