Eishockey

Eisbären gelingt Wiedergutmachung gegen Mannheim

Nach dem Debakel in Wolfsburg erkämpft sich der EHC Eisbären ein 4:2 gegen Mannheim. Die Berliner traten deutlich selbstbewusster auf als zuletzt.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Sich an wirklich alte Zeiten zu erinnern, kann durchaus schön sein. Im Fall von Peter John Lee fiel diese kleine Reminiszenz im Stadionheftchen jedoch eher schwer, sie artete sogar in eine Entschuldigung aus. Die alten Zeiten beim EHC Eisbären waren nämlich keine schönen. Zurückversetzt fühlten sich trotzdem viele nach dem 0:8 vor zwei Wochen in Wolfsburg. Der Rekordmeister und Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erlebte ein Waterloo, so wie vor knapp 20 Jahren eigentlich ständig.

Lee kam daran nicht vorbei, dies jetzt noch einmal aufzunehmen, wenn auch widerwillig. Die Pleite stammte aus der letzten Partie vor der Länderspielpause, gegen die Adler Mannheim stand nun Spiel eins nach dem Debakel an. Da war noch einmal ein Dank fällig an die Fans, die in Wolfsburg trotzdem tapfer Stimmung gemacht hatten. Denn das schlechte Gewissen des Klubs ließ sich mit dem eigens für die Anhänger einberufenen Grillfest vor einer Woche nicht beruhigen. Doch Würste und Worte sind das eine, die meisten wollten als Antwort vor allem eine würdige Präsentation sehen gegen den größten Rivalen in der DEL, den fünfmaligen Titelträger aus Mannheim. Und die bekamen sie auch. Mit 4:2 (1:0, 1:2, 2:0) setzten sich die Eisbären durch und sorgten für eine kleine Wiedergutmachung.

Coach Tomlinson stellt Abwehr um

Durchaus etwas unerwartet kam dieser Sieg. Die Eisbären sind dieser Tage ein problembeladener Klub. Der monatelange Ausfall von Verteidiger Jens Baxmann (Kreuz- und Innenbandriss), ein dünner Kader, Spieler, die unter Form bleiben. Immerhin kehrte mit Matt Foy ein Arbeitstier in den Angriff zurück, was Trainer Jeff Tomlinson mehr Optionen gibt. Mannheim dagegen fällt es trotz zweier Verletzter nicht schwer, Qualität in allen vier Reihen aufzubieten – und kann sich daher ernsthaft mit dem Kampf um den Titel beschäftigen. Offiziell abgehakt haben sie den auch bei den Berlinern noch nicht. Dafür wurde der Beginn der zweiten Saisondrittels als Neustart ausgerufen. „Wir müssen wieder so aggressiv auftreten wie früher, als wir Titel gewonnen haben“, fordert Verteidiger Jim Sharrow. Des Trainers Zauberwort lautet Bewegung: Die Berliner verfügen über schnelle Spieler, wenn sie viel laufen, ist es schwer, sie zu stoppen. Weil von den Fähigkeiten nicht viel zu sehen war in den ersten Monaten, gingen die Eisbären als Zehnter der Tabelle in die Partie gegen den Dritten aus der Kurpfalz. Wegen des Ausfalls von Baxmann musste Tomlinson in der Abwehr umstellen und – mehr als er gern würde – auch auf junge Verteidiger zurückgreifen.

Das machte das Vorhaben, gegen die Mannheimer solide zu spielen, zu einer fragilen Angelegenheit. Zwar zeigten sich die Eisbären mutiger im Forechecking und versuchten, viele Schüsse auf das Tor der Adler zu bringen. Dem entsprang auch der Führungstreffer von Kapitän André Rankel. Travis Mulock hatte die Scheibe weit aufgerückt erobert, Rankel schob sie mit der Rückhand ins Netz (15.). Doch so gut dieser Eindruck war, so sehr fiel immer wieder die Unordnung in der eigenen Zone auf. Durch mangelhafte Zuordnung und individuelle Fehlpostierungen entstanden gefährliche Situationen. Die Eisbären wirkten bemüht, und so folgte der Rückschlag schnell. Kaum hatte ein Schlagschuss von Florian Kettemer nach Martin Buchwiesers Abfälscher den Weg ins Tor von Rob Zepp gefunden (24.), lief ein Angriff ins Leere, und im anschließenden Konter legte der frühere NHL-Star Jochen Hecht mustergültig für Christoph Ullmann auf, der nur 74 Sekunden später das 2:1 für die Adler erzielte (25.).

Hektik im Berliner Spiel

Daran hatten die Berliner deutlich zu arbeiten. Sie wurden unruhig, aus einem verzweifelt-trotzigen „Jetzt-erst-recht!“ heraus überkam die Hektik ihr Spiel. Der geordnete Aufbau musste öfter dem riskanten Pass weichen, der den schnelleren Weg zum Tor versprach. Das zu verteidigen, stellte die Adler kaum vor Schwierigkeiten, verfügen die Berliner doch derzeit nicht über die Präzision, die für solche Spielarten notwendig ist. Sich auf ein großes Hin und Her einlassen wollten die Adler aber auch nicht. Mit etwas mehr Vorwärtsdrang wäre es ihnen sicher nicht unmöglich gewesen, die Partie klarer zu gestalten. Diese Zurückhaltung baute die Berliner auf, die sich bald wieder mehr Struktur auferlegten und damit Erfolg hatten. Daniel Weiß erzielte mit einem Rückhandschuss den Ausgleich (38.).

Mit diesem Treffer bekamen die Berliner Sicherheit, die sie vorher nicht hatten. Selbstbewusst traten sie auf, ganz in der Absicht, sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen und Mannheim als Verlierer nach Hause zu schicken. Mit den Treffern von Travis Mulock (52.) und Julian Talbot (54./in Überzahl) gelang das dem EHC auch. Das fühlte sich fast an wie früher, vor ein paar Jahren, als die Eisbären sich aufmachten, die Adler als Ligakrösus abzulösen.