Eishockey

Eisbären-Trainer versucht es mit Videos als Schock-Therapie

Nach dem 0:8 in Wolfsburg, der höchsten Niederlage seit 1995, sind die Berliner Eisbären von sich selbst schwer enttäuscht. Der nächste Rückschlag ist die schwere Knieverletzung von Jens Baxmann.

Foto: Armin Weigel / dpa

Nein, André Rankel kann sich nicht erinnern. „Wann wir zuletzt so hoch verloren haben? Keine Ahnung“, sagt der Kapitän der Eisbären Berlin. Ist auch ein bisschen viel von ihm verlangt, schließlich ist er erst 28 Jahre alt. Niemand vom aktuellen Berliner Team war dabei, als die Eisbären noch höher verloren als am Sonntag beim 0:8 in Wolfsburg. Das geschah in der Spielzeit 1995/96, Rankel war damals gerade zehn. Die Kölner Haie schickten seinerzeit den Gast aus Berlin mit einer 12:3-Abreibung heim. Eine Saison zuvor hatte der BSC Preussen sie mit 8:0 abserviert.

Früher die Schießbude der Liga

Aber wie schon an diesem längst untergegangenen Lokalrivalen zu erkennen ist – das waren andere Zeiten und vor allem: andere Eisbären. Damals waren sie noch die Schießbude der Bundesliga; inzwischen sind sie siebenmaliger DEL-Champion und Titelverteidiger. Aus diesem Selbstwertgefühl heraus weiß Rankel durchaus etwas zu sagen zum Desaster in Wolfsburg: „Das war nicht akzeptabel, was wir gespielt haben. Es kam aber auch alles zusammen: Wolfsburg war sehr gut, wir waren sehr schlecht.“ Trainer Jeff Tomlinson ergänzt: „Mir geht es gar nicht so sehr um die Höhe der Niederlage. Wir haben nicht gekämpft. Das hat mich enttäuscht.“

In dem Moment wird er vielleicht schon geahnt haben, dass die schlimmere Nachricht, die sich nicht mit einem Sieg im nächsten Spiel schnell wieder wettmachen lässt, am Montagmittag folgen sollte: Nationalverteidiger Jens Baxmann, der am Sonntag Mitte des zweiten Drittels vom Wolfsburger Eis gehumpelt war, fällt für den Rest der Saison aus.

Saisonende für Baxmann nach schwerer Knieverletzung

Im offiziellen Krankenbericht heißt es: Die Untersuchungen haben laut Teamarzt Jens Ziesche „den hochgradigen Verdacht einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes und einer Teilruptur des Innenbandes im linken Knie ergeben“. Der nächste Schritt sei eine Arthroskopie. „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, werden wir im gleichen Eingriff den Schaden beheben.“ Baxmann droht acht Monate auszufallen. Schon der zweite Star nach Constantin Braun, der wegen Depressionen in Behandlung ist und in dieser Saison ebenfalls kaum noch zum Einsatz kommen dürfte.

Was nun, Eisbären? „Wir werden viel reden und uns Gedanken machen“, antwortet Manager Peter John Lee, „aber kurzfristige Personalentscheidungen stehen nicht zur Diskussion.“ Also auch nicht auf der Position des Trainers. In den Internetforen findet sich kaum jemand, der Tomlinson verteidigt; fast alle geben ihm die Schuld am Versagen der Mannschaft. Dabei schien sie auf gutem Weg zu sein. Zwar verlief die Saison bisher alles andere als wunschgemäß, aber die letzten drei Partien hatten die Berliner gewonnen. Und der Plan war, mit einem weiteren guten Ergebnis in die bevorstehende Länderspielpause zu gehen.

Ein bisschen zu früh in Urlaubsstimmung

„Es ist der Klassiker“, schimpfte Tomlinson, „wir haben dreimal gut gespielt, dann kam die Urlaubsstimmung. Aber für meine Spieler kam der Urlaub zu früh, nämlich am Sonntag um 14.30 Uhr.“ Da begann die Partie in Wolfsburg. Das einzig Positive „an dem Scheiß-Ergebnis“ sei, dass nun kaum mehr einer seiner nordamerikanischen Profis an Heimaturlaub denke: „Sie wollen lieber hierbleiben und trainieren.“ Damit sich die Krise nach der nächsten Partie am 15. November gegen die Adler Mannheim nicht noch verschärfe.

Die Zeit bis dahin wird nicht schön für die Mannschaft. Während Rankel, der wie Frank Hördler (und natürlich Baxmann) den Trip zur Nationalmannschaft absagte, froh ist, „mal den Kopf frei zu bekommen“, hat Tomlinson andere Therapiepläne: „Wir werden viele Videos vom Wolfsburg-Spiel anschauen. Und wir werden an die Ehre der Spieler appellieren.“ Ob das hilft, die Saison noch auf eine erfolgreiche Bahn zu lenken, steht auf einem anderen Blatt.