Eishockey

Eisbären schießen sich den Frust von der Seele

Gegen Ingolstadt gelingt den Eisbären trotz schwachen Starts ein klarer Sieg. Nach einem 0:2-Rückstand drehten sie die Partie und gewannen mit 6:3. Die Fans feierten schon die Rückkehr des alten EHC.

Wenn die Saison nach bestimmten Eckdaten eingeordnet wird, dann bot sich der Freitag an, gewissermaßen einen kleinen Neustart auszurufen. Ein Viertel der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) liegt hinter den Klubs, beim EHC Eisbären war es sogar eines der miesesten Viertel des vergangenen Jahrzehnts. Gerade einmal 33 Prozent der 13 Partien waren gewonnen worden, was den glorreichen Titelverteidiger zum enttäuschenden Vorletzten der Tabelle machte. Zeit also allemal für einen Neuanfang.

Gegen den ERC Ingolstadt, den Tabellenvierten, geriet dieses Vorhaben zwar zu einer echten Herausforderung. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten nahm der Meister diese aber an. Vor allem die starke Leistung der Angriffsreihe um Kapitän André Rankel, Travis Mulock und Julian Talbot mit fünf Treffern führte den EHC zu einem 6:3 (1:2, 2:0, 3:1) und weg vom Tabellenende.

Ein wenig Anlass zur Hoffnung bestand gegen die Oberbayern ja durchaus. Sie waren eine der wenigen Mannschaften, die die Eisbären in dieser Saison bereits besiegt haben (3:2). Allerdings trug sich dies am ersten Wochenende zu, als die Berliner noch ganz anders auftraten und nach tollem Start weit von einer Krise entfernt zu sein schienen. Die kam dann allerdings um so heftiger. Und auch gegen Ingolstadt wirkte sie sich noch deutlich aus.

Zwar konnte Trainer Jeff Tomlinson wieder auf mehr Spieler zurückgreifen, die Verteidiger Frank Hördler (Handprellung) und Shawn Lalonde (Hüftprobleme), doch seine Mannschaft schlich ziemlich mutlos über das Eis. Torszenen blieben zunächst aus, wobei die Eisbären nur wenig Zug zeigten, Ingolstadt hingegen nur auf den richtigen Moment wartete. Als es gerade einschläfernd wurde, schlugen die Oberbayern zu, Alexander Oblinger nutzte einen Abwehrfehler zur Führung (12.).

Wieder 0:2 in Rückstand

Diese bauten die Gäste umgehend aus, als sie in Überzahl waren. Thomas Greilinger schoss den Puck bei relativ freier Sicht in die kurze Ecke (14.). Das ließ böse Befürchtungen aufkommen, zumal die Eisbären keinen Zugriff auf das Spiel bekamen. Eher zufällig gelang kurz vor dem Ende des ersten Drittels doch noch der Anschluss, Travis Mulock lenkte einen Schuss ins Netz (20.).

Dieser Treffer zeigte Wirkung bei den Berlinern. „Wir haben uns in der Pause neu sortiert“, sagte Lalonde. Aus der Kabine kam eine völlig andere Mannschaft. Entschlossen, aggressiv, vorwärtsorientiert. Julian Talbot erzielte nur 31 Sekunden nach Wiederbeginn den Ausgleich (21.). Es folgen viele Chancen, die Berliner spielten wieder so, wie die Fans sie lieben und die Gegner sie fürchten. Das Tempo wurde angezogen und der Gegner in der Defensive eingeschnürt. Mit dem 3:2 von Florian Busch drehten die Berliner dann die Partie (31.).

In München hatte die Mannschaft zuletzt auch schon gute Phasen gezeigt, sich letztlich aber doch zu lange zurückgezogen und deshalb verloren (3:5). Tomlinson hatte das kritisiert und gefordert, die explosive Spielweise über die komplette Partie zu halten. Dieses Ziel wurde wegen des ersten Drittels zwar erneut verfehlt, doch immerhin ließen die Eisbären diesmal nicht nach. Trotz des Ausgleichs durch Derek Dinger (47.) nahmen sie immer wieder mutig Anlauf, André Rankel (49.) und erneut Mulock (52./60.) erhöhten auf 6:3.

Auf den Rängen sorgte das bei nur 11.200 Zuschauern – Negativrekord in der O2 World – für eine Stimmung, die es in dieser Saison noch nicht gegeben hatte. Die Rückkehr des alten EHC wurde zelebriert. Ob es so weit schon ist, lässt sich noch nicht beurteilen. Das zweite Wochenend-Heimspiel gegen das Topteam aus Krefeld am Sonntag könnte da Hinweise liefern (14.30 Uhr). Auf jeden Fall war die Partie gegen Ingolstadt ein guter (Neu-)Anfang. Auch, um die zuvor vergraulten Zuschauer wieder zurückzugewinnen.