3:2 gegen Hamburg

Sieg im Kellerduell - Eisbären verlassen den letzten Platz

Meister Eisbären Berlin hat den ersten Schritt aus der Krise gemacht. Die Berliner setzten sich im gegen die Hamburg Freezers mit 3:2 durch und gaben die Rote Laterne an die Hanseaten ab.

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Wenn nicht viel geht, wenn irgendwie alles ganz anders läuft, als es das tun sollte, wird im Profisport oft der Blick in den Spiegel empfohlen. Als Hilfsmittel, um sich selbst zu hinterfragen, sich ehrlich einzugestehen, ob man alles dafür tut, damit es besser läuft. Auch Jeff Tomlinson, Trainer des EHC Eisbären, riet seinen Spielern in dieser Woche, in den Spiegel zu schauen. Angesichts des Sturzes des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf den letzten Tabellenplatz sicher angebracht. Gut habe sich das nicht angefühlt, erzählte schließlich Stürmer Julian Talbot. Wie ernst es ihm damit war, ließ sich nicht genau ergründen, er grinste.

Ein Gradmesser für seine Aussage, die im Namen der Mannschaft eine Läuterung ausdrücken sollte, nahte jedoch schnell. Nur einen Tag nach Talbots „Spiegel-Bericht“ trafen die Berliner auf die Hamburg Freezers. An sich ist das immer ein schönes Betriebsfest, weil beide Teams der Anschutz-Gruppe gehören. Diesmal wurde daraus ein Duell der Gefallenen, derjenigen, die Anworten suchen auf die Frage, warum sie dort stehen, wo sie stehen. Die Berliner empfingen den Vorletzten zum Kellerduell. Sie gewannen es 3:2 (2:1, 0:0, 1:1) und gaben den letzten Platz an Hamburg weiter. Talbot war es also sehr ernst gewesen.

Diese Woche werden sie so schnell nicht vergessen bei den Berlinern. Sie war recht turbulent, mit vielen Gesprächen, mit hartem Training. Trainer und Manager wollten den Herren, die doch etwas zu sehr zur Gemütlichkeit neigten nach drei Meisterschaften in Folge, den Kopf zurechtrücken. Sie daran erinnern, worauf es ankommt. Dass dadurch gleich wieder alles so wird wie immer, glauben die Verantwortlichen allerdings selbst nicht. In seiner spieltäglichen Ansprache an die Fans per Stadionheftchen erklärte Peter John Lee die Taktik der kleinen Schritte als Prämisse der Eisbären.

Als Beginn dafür eignete sich wirklich kein Kontrahent besser als die Freezers. Zum einen gewinnen die Berliner gegen die Hamburger überdurchschnittlich oft. Zum anderen gab es erst im Frühjahr ein Spiel, dass viele als Schlüsselerereignis auf dem Weg zum Titel betrachten. In der dritten Partie des Viertelfinales gegen die Freezers ging der EHC daheim mit 4:8 unter. Danach kamen Spiegel zum Einsatz, Hamburg wurde dreimal in Folge geschlagen und auf dem Weg zur siebten Meisterschaft ergab sich alles ganz selbstverständlich.

Neuer Torwart bei den Freezers

Auf diesen Effekt hofften die Berliner nun, um ihre Heimspielschwäche, drei von vier Partien wurden in Folge verloren, anzukämpfen. Auch da passte Hamburg gut in den Kram, denn die Hanseaten hatten alle ihre fünf Auswärtsspiele zuvor verloren. Und dann war da noch Sebastien Caron. Als Reaktion auf ihre Krise verpflichteten die Freezers den Torhüter einen Tag vor dem Duell, gegen die Eisbären kam er zu seinem ersten Einsatz. Mit seinem vorherigen Arbeitgeber Iserlohn, hatte er in dieser Saison bereits in Berlin vorbeigeschaut. Es war das erste Heimspiel, auch das einzige, das bis zum Wiedersehen gewonnen wurde. Und der schwächste Angriff der Liga markierte beim 7:5 gegen Caron gleich gut ein Drittel seiner gesamten Torausbeute.

Sich allen Frust von der Seele ballern, das gelang gegen Caron nicht. Aber ganz wirkungslos blieb der Maßnahmenkatalog von Trainer Tomlinson trotzdem nicht. Die Mannschaft, die zuvor sieben von neun Partien verloren hatte, spielte recht ruhig, sachlich, konzentriert. Dafür nicht schön, aber das ist derzeit sowieso sekundär. Der Puck wurde nicht lange und umständlich geführt, sondern schnell weitergegeben.

Niveau eher dem Tabellenstand entsprechend

Hamburg kämpfte mit ähnlichen Mitteln, spielerisch wenig bietend, aber körperlich präsent. „Die machen viel Druck, sind dabei aber zu aggressiv und nehmen Strafenzeiten“, stellte Verteidiger Henry Haase in der ersten Pause fest. Wie gut, dass die Berliner sich auch dem Powerplay intensiv gewidmet hatten. Denn gleich die erste Strafzeit nutzte Barry Tallackson zur Führung (9.). Obwohl die nicht lange hielt, nur 25 Sekunden später glich Nicolas Krämmer nach einem Fehler von Torhüter Rob Zepp aus (9.). Doch mit ihrer neuen Überzahl-Konsequenz konnten sich die Berliner bei der zweiten Hamburger Strafzeit erneut absetzen. Shawn Lalonde traf per Schlagschuss (14.).

Ansonsten hielt sich das Niveau eher dem Tabellenstand entsprechend. Hamburg zeigte phasenweise mehr Zug zum Tor, scheiterte aber am Pfosten. Die Berliner konnten sich vor allem azf ihre neue Powerplay-Stärke verlassen, Mit einem Mann mehr auf dem Eis wurde Mads Christensen Treffer zum 3:1 vorbereitet und eine Sekunde nach dem Ausgleich der Spieleranzahl vollendet (53.). Es war der Sieg im Kellerduell, in dem die Freezers noch den Anschluss erzielten. Nun wird mancher überlegen, ob die Berliner beantragen sollten, ihre Heimspiele nur noch gegen Caron im Tor bestreiten zu dürfen.