Abgeschlossen ist die Phase der Besinnung nicht. Florian Busch gehört zu denen im Team der Eisbären, die beim Reden nicht viel Aufhebens machen und frei ihre Meinung äußern. Er verfügt da über eine dynamische, teils drastische Wortwahl. Zu hören war die am Donnerstag allerdings nicht vom Stürmer. Trainer Jeff Tomlinson hatte sich zuvor mit ihm unterhalten, und über das Gesagte sollte Busch lieber erst einmal nachdenken, bevor er seine öffentlich Meinung kundtut.
Ungewöhnlich? Ach was, so der Trainer. Die Eisbären sind als Titelverteidiger jetzt Letzter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die Lage erforderte viele Einzel- und Gruppengespräche unter der Woche. „Wir versuchen, dass die Dynamik in sein Spiel zurückkehrt“, so der Hintergrund bei Busch. Das ganze Auftreten der Eisbären könnte viel mehr davon vertragen. Aber daran haben sie vor dem Spiel gegen die Hamburg Freezers je gearbeitet (19.30 Uhr, O2 World).
Das Ganze wirkte bisweilen etwas bizarr. Erst große Worte, dann relativieren. Fakt ist, dass es zur Sache ging nach der Übernahme der Roten Laterne am Sonntag. „Wir haben einen Gang hochgeschaltet im Training, das muss man sagen“, erzählt Verteidiger Jens Baxmann. Manager Peter John Lee schien mit Freude zur Kenntnis zu nehmen, dass die Spieler angestrengter als sonst vom Eis kamen, als Dienstag und Mittwoch an der Kondition gearbeitet worden ist. Zwei Akteure mussten sich am Dienstag sogar übergeben. Rein trainingstechnisch, betonte der Coach, sei jedoch keine Veränderung vorgenommen worden.
Trainingseinheiten nur mit 80 oder 85 Prozent
Seine Zufriedenheit und auch die von Lee haben ihre Ursache darin, dass beide eine andere Wahrnehmung der Dinge bei den Spielern erkannt haben. „Der Kopf ist jetzt eingeschaltet“, sagt Jeff Tomlinson. Vorher, beklagte sich der Manager, hätten viele Profis die Trainingseinheiten nur mit 80 oder 85 Prozent absolviert. Auch erwähnte er, dass sich das früher, als Steve Walker und Denis Pederson noch dabei waren, niemand getraut hätte. Ein denkbar schlechtes Zeugnis, das er der Mannschaft und auch den Führungsspielern da ausgestellt hat.
Auch eines, das die Frage aufwirft: Warum wird dem erst so spät entgegengetreten? Das erweckt den Eindruck, dass die Worte von Trainer und Manager erst jetzt, da man nicht mehr tiefer sinken kann, auch wirklich ankommen. Aber da weichen beide aus, der große Erfolg der Vorjahre habe die Spieler resistent gegen alle Hinweise und ein früheres Eingreifen sinnlos gemacht, so der Tenor.
Als einziges Mittel dagegen helfe tatsächlich die Rote Laterne. „Die zeigt die Realität. Vorher glaubten die Spieler, dass sie auf einem hohen Niveau sind, obwohl sie das gerade nicht haben“, sagt Lee. Mit dem Eingestehen dieses Defizits hätten alle intensiver trainiert, die Übungen bewusster absolviert. Das soll helfen, ein Spiel ganz automatisch mit mehr Energie zu bestreiten, mit mehr Willen, echter Leidenschaft, mit 100 Prozent eben.
Hamburgs Trainer als harter Hund
Herauskitzeln will die auch Benoit Laporte bei den Freezers, das ist der Bruderklub der Eisbären, das andere DEL-Team im Besitz des US-Entertainmentkonzerns Anschutz. Es sollte das Jahr des Angriffs werden für die Hamburger, notorisch erfolglos in der Vergangenheit, zuletzt aber gereift und sogar als Titelaspirant gehandelt. Doch statt sich dem Niveau des erfolgreichen Bruders anzupassen, hat der die Hamburger, die Vorletzter sind, noch unterboten.
Trainer Laporte gibt nun den harten Hund, anders als Tomlinson in Berlin, der sich da lieber die Hilfe des Managers holt, wenn die harte Tour angeschlagen werden soll. Anders als in Berlin steht Laporte angeblich auch unmittelbar vor dem Rauswurf, sollte nicht unverzüglich die Wende gelingen.
Im Bemühen darum haben die Hamburger nun den starken, aber eigenwilligen Torhüter Sebastien Caron verpflichtet, der zuvor in Iserlohn rausflog. Bei den Eisbären wurde Donnerstag im Training schon wieder gelacht, wegen der Intensität der Vortage fiel die Einheit kürzer aus. Die Spannung steigt vor dem Kellerduell. „Ich hoffe, dass die komplette Mannschaft jetzt verstanden hat, dass es aufwärts gehen muss“, sagt Baxmann. Das Spiel wird die Antwort geben.





