Eishockey

Meister Eisbären ist neues Schlusslicht der Bundesliga

Ausgerechnet am Tag der Übergabe der Meisterringe vor 13.900 Zuschauern in der O2 World mussten sich die Eisbären den Straubing Tigers geschlagen geben. Sie haben die rote Laterne der DEL übernommen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Philip Anschutz mag die Stimmung bei den Spielen einfach. Das war immer mit ein Grund, warum er so gern beim EHC Eisbären vorbeikommt. Und ganz viel von seinem Geld in den Klub steckt, der ihm gehört. Wenn sich das auch noch auszahlt, freut ihn das natürlich noch mehr. Dann stellt er sich, obwohl sehr öffentlichkeitsscheu, wie am Sonntag auch mal hinter die Bande an die Trainerbank und schaut seiner Frau Nancy zu, wie sie Ringe an die Spieler verteilt – als Anerkennung für die Meisterschaft in der vorigen Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Als das neue Meisterbanner kurz danach unter die Decke gezogen wird, läuft diese unwiderstehlich sphärische Musik, die einen stetig in die Erwartung versetzt, dass hier Großes passiert, der „Sonnenaufgang“ aus Richard Strauss' „Also sprach Zarathustra“. Vielen besser bekannt als Titelmusik des Films „2001: Odyssee im Weltraum“. So eine Stimmung, das mag Phil.

Richtig zusammenpassen wollte aber nicht alles. Schlimm genug, dass seine Eisbären am elften Spieltag als Drittletzter der Tabelle gegen die Straubing Tigers antraten. Doch sie verloren auch noch 2:4 (1:2, 1:1, 0:1), wurden von den Bayern in der Rangliste überholt und sind nun selbst Letzter. „Das ist kein schönes Gefühl“, sagte Kapitän André Rankel. Eine halbe Stunde lang blieb es außerdem in der Stehplatzkurve der Fans verdächtig ruhig, sogar die üblichen Pfiffe, mit denen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bedacht wird bei seinen Besuchen, fielen äußerst dünn aus. Es wurde kein tolles Fest nach dem Geschmack des Chefs, stattdessen sah der die Rückkehr in die Krise und unzufriedene Anhänger.

Angst um die Fankultur

Die sind zu einem guten Teil sogar so verzweifelt, dass sie sich bis zum allgemein recht gut abgeschotteten Philip Anschutz durchgekämpft und ihm persönlich ein Schreiben überreicht haben. Nicht aber etwa mit der Bitte um sofortigen Austausch des erst im Sommer engagierten Trainers, obwohl der etwas ratlos klang nach der siebten Niederlage in den vergangenen neun Spielen. „Wir sind sehr enttäuscht, denn wir haben nicht genug investiert im Laufen. Mehr kann ich im Moment nicht sagen“, erzählte Jeff Tomlinson, nachdem es zuvor eine 15-minütige Kabinenbesprechung gegeben hatte.

Der harte Kern des Anhangs fürchtet viel mehr um die Fankultur. Das Areal um die O2 World wird nach und nach bebaut, die dortigen Fanbögen dürften, so die Annahme, nicht mehr lange Bestand haben. Die Fans ergreift das Gefühl, dass sie von der Anschutz Entertainment Group, der das Gelände gehört, abgeschoben werden sollen. Das wurde während des Spiels mit mehreren Plakaten noch verdeutlicht. „Das Herz ihres Projektes hört auf zu schlagen“, stand in englisch auf einem der an Anschutz persönlich gerichteten Banner. Es gibt auch andere Punkte: Der Ärger um den Streit über die Dauerkartenpreise ist noch nicht verraucht, dass der Fanshop aus der Arena demnächst ausziehen muss, weil der Mietvertrag nicht verlängert wird, passt vielen auch nicht.

Was geschieht, wenn der harte Kern in der Stehplatzkurve sich unverstanden fühlt, durfte Anschutz in der ersten halben Stunde des Spiels selbst erleben. Die Atmosphäre, die er so liebt bei den Eisbären, war nicht da. Obwohl die Berliner durch einen Treffer von Julian Talbot in Führung gingen (6.), hätte man sich von der Begeisterung des Publikums her auch bei einem Tennismatch wähnen können. Begeisterungsverdächtiges brachte die Mannschaft danach aber auch nicht zu Stande. „Wir haben aufgehört, unsere Füße zu bewegen“, sagte Rankel.

Am Freitag gegen die Freezers

Sarkastisch sagen die Fans nach dem dritten Treffer der Straubinger: „Wir haben die Rote Laterne.“ Alex Trivellatos Anschlusstor brachte zwar noch einmal Hoffnung (35.), aber keine Verbesserung im Spiel der Berliner. Deshalb verließen viele Zuschauer unter Pfiffen die Arena.

Das dürfte Philip Anschutz alles ziemlich überrascht haben, wo es doch sonst immer so viel Spaß gemacht hat bei den Eisbären. Lust auf das nächste Spiel wird er kaum haben. Da kommen am Freitag die Hamburg Freezers (am Sonntag 1:5 in Ingolstadt), die ihm auch gehören, nach Berlin. Und die sind Vorletzter in der DEL.