In einer solchen Situation schon einmal gewesen zu sein, daran kann sich André Rankel nicht erinnern. Alles, was er und seine Mannschaft in den nächsten Wochen so machen, wenn sie auf andere Mannschaften treffen, spielt nicht so die große Rolle. Tore, Gegentore, Ergebnisse: „Auf den ersten Blick ist das zweitrangig“, sagt der Kapitän des deutschen Eishockeymeisters. Eines steht nämlich schon fest, bevor die Berliner heute im finnischen Oulu in die internationale Wettkampfserie der European Trophy starten: Sie werden auch im Finalturnier dabei sein, als Gastgeber sind sie gesetzt.
Also muss man schon genauer hinschauen, um den Wert der kommenden Spiele erkennen zu können. Der ganz große Druck fehlt, die Luft ist deshalb aber nicht raus. „Wir wollen ein gutes Gefühl entwickeln, dazu sind auch gute Ergebnisse notwendig“, erzählt Rankel. Es hat sich schließlich einiges getan im Sommer. Der alte Trainer, mit dem die Berliner so viel Erfolg hatten, ist weg. Statt Don Jackson steht nun Jeff Tomlinson an der Bande. In dieser Lage „ist es etwas entspannter“, nicht gleich um jedes Resultat kämpfen zu müssen.
Seine Anpassungen kann der neue Trainer also behutsam vornehmen, ohne gleich nervös zu werden, wenn etwas nicht sofort funktioniert. Seit einer Woche trainieren die Eisbären, bis jetzt ist Tomlinson zufrieden mit den Fortschritten. „Ein paar Sachen am System haben wir verändert, an der Defensive und an Über- sowie Unterzahl etwas gebastelt“, sagt der 43-Jährige. Nun will er sehen, ob das Geübte mit höherem Tempo und gegen starke Gegner immer noch so reibungslos läuft wie im Training.
Acht Spiele in der Gruppenphase
Bei den Spielern stößt die Abwechslung auf Gegenliebe. „Wir machen andere Übungen als in den vergangenen Jahren. Das gefällt uns, denn wir wollen uns ja als Mannschaft weiterentwickeln“, sagt der Kapitän. Tomlinson lässt derzeit viel am Timing auf dem Eis arbeiten. Für ihn sind die ersten Spiele in der Trophy jetzt der Test, ob er so weitermachen kann oder ob er weitere Veränderungen vornehmen muss.
Acht Spiele liegen in der Gruppenphase der European Trophy, an der wie im Vorjahr 32 Mannschaften teilnehmen, vor den Berlinern. Lulea IF (Sonnabend, 18.30 Uhr, O2 World), HC Pilsen, Kometa Brünn (24./25.8., jeweils auswärts), Mountfield HK (30.8. heim), Red Bull Salzburg (1.9. heim) und Hamburg Freezers (6.9. heim/8.9 auswärts) heißen die weiteren Gegner. Und bei aller ergebnistechnischen Zweitrangigkeit nehmen die Eisbären dennoch einen guten Schuss Ehrgeiz mit in die Spiele. „Wir wollen ins Finale kommen, weil wir es verdient haben. Nicht weil wir Gastgeber sind“, sagt der Trainer. Die vier Gruppensieger und die beiden besten Gruppenzweiten sind Ende Dezember in Berlin dabei. Sofern die Eisbären mitspielen.





