Eishockey

Der ewige Eisbär Sven Felski feiert seinen Abschied

1000 Spiele, sechs Meisterschaften: Sven Felski feiert im Wellblechpalast seinen Abschied. In seiner Laufbahn ist ihm allerlei widerfahren. Über einiges muss man durchaus schmunzeln. Ein Überblick.

Foto: Sebastian Kahnert / PA/dpa

Einmal Eisbär, immer Eisbär – Sven Felski lebte dieses Motto wie kein anderer. Als Kind kam er in den Klub, verlassen hat er ihn noch immer nicht, er ist halt nur nicht mehr aktiv. Mit 38 Jahren zelebriert er am Sonnabend den Abschied vom professionellen Sportlerleben, mit allem drum und dran (Wellblechpalast, 19.30 Uhr/20.15 Uhr, RBB). Felski hat viel erlebt in seiner Karriere, die unter anderem aus 1000 Profispielen bestand, in denen er 232 Tore erzielte und sechs Mal Meister wurde. Er bestritt 159 Länderspiele, war zweimal bei den Olympischen Spielen und wurde 2010 WM-Vierter. Einiges, was Felski widerfahren ist und wovon bestimmt nicht jeder weiß, stellt die Morgenpost zusammen.

Bürgermeister: In Hohenschönhausen ist Felski Kulturgut. „Das ist schon erstaunlich“, sagte er mal, „du gehst in den Telefonladen, und plötzlich sagen dir Leute, dass sie deinen Namen als Handycode haben.“ In seinem Heimatbezirk kannte ihn jeder, und er kannte alles und jeden. Das fiel irgendwann auch Jeff Tomlinson auf, der jetzt neuer Trainer der Eisbären ist und damals sein Mitspieler war. Der dachte sich damals, dass man ihn auch Bürgermeister nennen könnte. Das setzte sich durch, der Spitzname blieb bis heute. Bei der Nationalmannschaft gab es einen anderen Namen, als alter Ossi bestellte er sich einst bei einer der ersten Berufungen einen „Kaffee komplett“ im Restaurant. Ein paar alte Recken rufen ihn noch immer „Kaffee komplett“.

Waidmannsheil: Bei den Eisbären gab es viele skurrile Typen. Verteidiger Franz Steer, der wie Tomlinson zum Abschiedsspiel kommt, war auch passionierter Jäger. Seinem Hobby ging er schon mal vor dem Training nach – und die Jagdbeute wurde dann in der Kabine präsentiert. Einmal hing ein ganzer Rehbock da, der dann später zum Rehbraten für die Mannschaft wurde. Wildschwein gab es auch mal. 1992 war das.

Schuh-Check: Von Mark Jooris, ebenfalls heute mit auf dem Eis, hat Felski viel gelernt – Spieltricks und Verhalten auf dem Eis. Er hätte sich aber noch mehr abgucken können. Jooris prügelte sich auch schon mal mit gegnerischen Fans, ist mit Schlittschuhen in den Fanblock gestiegen. „Legendär aber war sein Schuh-Check. Beim Essen ist er irgendwann unter den Tisch gekrabbelt, und wer nicht aufgepasst hat, hatte dann Ketchup auf dem Schuh.“

Wechselspiele: Also die gab es ja nie. Aber zumindest die Gedanken daran waren auch bei Felski ab und zu mal da, zumindest früher. Später war es dann so: „Manchmal sagten noch welche, dass sie mich ja gern nehmen würden. Aber du bist eh in Berlin verwurzelt, heißt es dann. Und das stimmt ja auch. Ernsthafte Angebote kamen zuletzt Ende der 90er Jahre.“ 1996 war es aber mal fast so weit, die Eisbären standen mal wieder kurz vor dem Ende und Lokalrivale Preussen wollte ihn haben. Der Vertrag war unterschriftsreif, nur die im letzten Moment vom EHC aufgerufenen 250.000 Mark Ablöse verhinderten den Transfer. Zum Glück.

Kreuzverhör: Mit der Staatssicherheit hat auch Sven Felski seine Erfahrungen gemacht. Allerdings als Nachwuchsspieler und gemeinsam mit Vater Günter. „Ich sollte rausgeschmissen werden aus dem Verein, von der Kinder- und Jugendsportschule fliegen, weil mir der Schweizer Nationalspieler Felix Hollenstein, der zum Dynamo-Sommerturnier in Berlin war, mal Handschuhe und Schläger mitgebracht hat.“ Dabei hatten sie eigens versucht, die Übergabe zu verhindern und den ausgesprochenen Wunsch zurückzunehmen, weil dem Vater schwante, dass nichts Gutes dabei herauskommen würde. Nutzte nichts, der Rapport war fällig. „Ich konnte dann doch bleiben, weil sie wohl gesehen haben, dass aus mir mal einer werden kann.“

Westerweiterung: Neugierig war nach dem Mauerfall natürlich auch Sven Felski. Doch während sich alle anderen erst einmal so schnell wie möglich die Verlockungen des westlichen Konsum anschauen und sich ihnen hingeben wollten, zog es Familie Felski beim Premierenbesuch mit dem Trabi an einen ganz anderen Ort. Und zwar zur Jafféstraße, wo die Halle der West-Berliner Preussen stand. Zwar trainierte gerade nur der Nachwuchs, Felski war dennoch begeistert. Für das Konsumverlangen war danach immer noch genug Zeit.

Nichts von dem wäre so passiert, hätte er noch besser Schlittschuhlaufen können als ohnehin schon. Bekanntlich verbrachte er die ersten Jahre seines Sportlerlebens ja als Eiskunstläufer. Für Felski hat sich immer alles irgendwann gefügt, er blieb trotz trostloser Zeiten beim EHC, musste sogar mal vom Geld seiner Frau leben, weil der Klub nicht zahlen konnte. Doch es ging immer weiter bei den Eisbären – und für den passionierten Angler mit der Nummer elf, die in Zukunft nicht mehr vergeben wird. „Ich bin ein Glückskind gewesen“, sagte er vor kurzem einmal.