DEL-Finale

Eisbär Caldwell nutzt endlich seine neue Freiheit

Der Verteidiger musste sich nach dem Wechsel aus Finnland umstellen. Als Fußball-Fan freute er sich über die Rückkehr nach Deutschland. Mit den Eisbären tritt er am Freitag zu Spiel drei in Köln an.

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Einige Punkte auf der Liste sind schon abgearbeitet, in Sicht ist das Ende deswegen aber noch nicht. Die Liste ist halt ziemlich ausführlich. Außerdem ist Ryan Caldwell seit Wochen dauernd unterwegs. Ein paar Mal Hamburg, dann Krefeld, jetzt Köln. Dort spielt der Verteidiger am Freitag mit dem EHC Eisbären in der dritten Finalpartie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), 1:1 steht es in der „Best of five“-Serie. „Das Spiel wird wichtiger als am Sonntag“, sagt Caldwell. Sonntag gewann der EHC bei den Haien (4:2). Weil die Berliner zwei Tage später daheim verloren (1:3), ist die Situation am Freitag nun angespannter, vielleicht sogar vorentscheidend (20.30 Uhr, ServusTV).

Für seine Liste bleibt jetzt einfach zu wenig Zeit. Geschickt hat sie ihm sein Vater Bob, vor gut zwei Monaten war das, als Caldwell von den Berlinern verpflichtet wurde. „Er war früher schon öfter in Berlin und außerdem Geschichtslehrer“, erzählt der 31-Jährige. Deshalb trug er eine ganze Menge an Tipps zusammen, was der Sohn sich alles so in der Stadt anschauen sollte. Die üblichen Dinge wie das Brandenburger Tor und den Checkpoint Charlie hakte Caldwell schnell ab.

Erstes Tor für den EHC

Ansonsten musste er sich mit seiner Anpassung beschäftigen. Caldwell kam aus Finnland. Wegen seiner Erfahrung, seiner Ruhe holten die Berliner ihn. Und stellten ihn vor ganz andere Anforderungen. „In Finnland durfte ich nur bis zu blauen Linie“, sagt er. Bei den Eisbären darf er mehr. „Hier bist du als Verteidiger viel mehr in das Spiel involviert.“ Abwehrspieler sind beim EHC halbe Stürmer. Wer das nicht kennt, fremdelt eine Weile damit. Ein Tor hat er aber schon geschossen. Am Dienstag war das, zum Sieg gegen Köln reichte es allerdings nicht.

Aber es zeigte, dass er ein Element ins Spiel bringt, das den Eisbären sonst fehlt. Es wird viel kreuz und quer gepasst und oft gezögert, um eine bessere Schussbahn zu bekommen. Caldwell ist da anders. Häufig zieht er aus der Entfernung nach Anspielen direkt ab und bringt knallharte Schüsse aufs Tor. Das sorgt für Gefahr. Die geht auch von seinem Körper aus, Caldwell setzt ihn mehr ein als andere. Außerdem haut er gern mal dazwischen. Das hilft von Zeit zu Zeit auch. Seine Plus-Minus-Bilanz zeugt jedoch ebenso von Defiziten, er steht bei den meisten Gegentoren mit auf dem Eis.

Vater ist mit Andy Murray befreundet

Sein Vater hätte da sicher auch einen Rat, er hat sich nicht nur für Geschichte interessiert, sondern war immer auch als Eishockey-Trainer tätig. Gerade unterstützt er Andy Murray an der Universität von Western-Michigan. Den Andy Murray, der 1996 für den ersten Höhenflug der Eisbären sorgte, indem er das Team zusammenstellte. Murray genießt seither einen guten Ruf in Berlin „Er und mein Vater sind befreundet, sie haben sich am College kennengelernt“, sagt Ryan Caldwell.

Eishockey und Geschichte ist nicht ganz seine Kombination, neben seinem Beruf gibt es aber ein anderes großes Hobby: Fußball. Einer seiner ersten Ausflüge in Berlin führte ihn zum Derby zwischen Union und Hertha ins Olympiastadion. „Die Stimmung war toll.“ Ein Bericht über Manchester United im kanadischen Fernsehen brachte ihn als Kind zum Fußball. Was in Kanada sehr ungewöhnlich ist. „Ich kann da mit fast niemandem gemeinsam Spiele schauen. Die ziehen mich eher auf damit“, sagt er. Als er 2008 für zwei Jahre in Düsseldorf spielte, war das wie ein Traum. Ringsherum gibt es einige Bundesligisten, Caldwell sah viele Spiele. Für die Champions League reiste er sogar herum, war in Liverpool, sah Barcelona und Manchester live.

Im Korso durch den Tiergarten

Mit der DEG stand er auch im Finale und verlor 2009 gegen die Eisbären. Mit ihnen will er nun gewinnen. Dazu fällt ihm etwas Passendes ein. Der Tiergarten-Park steht auf seiner Liste. „Als ich ankam, war es mir dafür noch zu kalt. Aber jetzt wäre es gut, am besten mit einer Parade.“ Er meint ein Autokorso, mit dem die Berliner jeden Titel feiern.