DEL-Finale

Berlin freut sich auf den siebten Meisterschaftsstreich

Die Eisbären wollen am Nachmittag das vierte Finalspiel gegen Köln für sich entscheiden und den ersten Titelhattrick feiern. Es wäre die siebte Meisterschaft für die Berliner in der DEL.

Foto: Joern Pollex / Bongarts/Getty Images

Wie Spieler und Trainer das Erlebte einschätzen, interessiert nach Spielschluss immer sehr. Wo Fehler lagen, wie taktische Tricks funktionierten, was der Grund für Sieg oder Niederlage war, wissen sie meist am besten. Gerade nach einem 6:3 im dritten Finalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hätte man auch von Don Jackson gern erfahren, wie er den EHC Eisbären wieder auf Kurs gebracht hat. Was sein Team so weit geführt hat, dass es dank des Sieges in Köln an diesem Sonntag in eigener Halle den dritten Titel in Folge erringen kann, den fünften mit ihm als Trainer, den siebten in zehn Jahren (14.30 Uhr, O2 World, ServusTV, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost).

Jackson interessierte das alles wenig bis gar nicht. Er machte ein griesgrämiges Gesicht, kniff die Augen zusammen, presste die Lippen aufeinander. „Tut mir leid, ich kann nichts zum Spiel sagen“, zischte er garstig nach dem zweiten Erfolg des EHC in der „Best of five“-Serie, in der es nun 2:1 für steht. Nicht einmal nach der großen Analyserunde ließ er sich erweichen. Ein paar Worte im Vorbeigehen? Nichts. Jackson stand unter Druck wie ein Dampfkochtopf, er hätte leicht explodieren können. Aber er kann mit Druck umgehen, das hatte er ja schon im Spiel gezeigt.

Schiedsrichter regen Jackson auf

Was ihn da aufregte, waren die Schiedsrichter. Ein Stockstich von Nathan Robinson an EHC-Verteidiger Ryan Caldwell wurde mit zwei Minuten geahndet statt mit einem Spielausschluss. Überhaupt ließen die Unparteiischen den Haien nach Meinung der Berliner zu viel durchgehen.

Es wäre eigentümlich, allein mit einer solchen Stimmung in ein erstes entscheidendes Finalspiel zu gehen. Immerhin beschäftigten sich die Profis mit positiveren Dingen. „Diesmal haben Spieler Tore geschossen, die das sonst nicht machen“, sagte André Rankel. Die Verteidiger Jim Sharrow und Mark Katic trafen erstmals im Play-off, Caldwell legte auf. „So etwas ist wichtig, das gibt Selbstvertrauen und noch mehr Energie“, so der Kapitän. Die Aktionen der drei ebneten den Weg zum Sieg, der von Effektivität zeugte, von viel Erfahrung in Grenzsituationen, von Coolness, von Gespür für den richtigen Moment. Auch davon, dass Köln davon weniger besitzt als die Eisbären. Dass die Haie alles in ihre Intensität legen und ihnen nicht viel einfällt, wenn sich der Torerfolg nicht schnell einstellt. Dass sie verkrampfen. „Wir haben gut genug gespielt um zu gewinnen, aber wir haben nicht gewonnen“, sagte Trainer Uwe Krupp.

Auf alles eine Antwort

Schon oft wurde in der Serie davon gesprochen, dass die Eisbären sicher nicht ihre beste Saison spielen, dass sie nicht mehr die Typen früherer Jahre in ihren Reihen haben und deshalb angreifbar sind. Anhand der gezeigten Fähigkeiten der einzelnen Spieler durften die Haie als favorisiert gelten. Was die Kölner aber nicht haben, was sie auch nicht trainieren können, ist die Logik des Siegers, der am Ende der Saison alle anderen geschlagen hat und den Titel feiert. Jahr für Jahr. „Das spielt schon eine Rolle“, sagt Rankel, der alle sechs Titel der Berliner miterlebte. Sie wissen einfach auf alles, was ihnen widerfahren kann, eine Antwort.

Diese Reife lässt kaum dauerhafte Unruhe aufkommen. Genauso wenig wie Stockstiche. Sie spielen einfach weiter, unbeirrt und mit der Zuversicht, jede Partie zu ihren Gunsten entscheiden zu können. Nichts dokumentiert diese einzigartige Mentalität besser als das vierte Spiel des Finales aus dem Vorjahr. Mannheim war praktisch Meister, führte 14 Minuten vor Schluss mit drei Treffern. Doch die Berliner drehten die Partie, zwei Tage später holten sie den Titel. Solche Dinge vergisst ein Spieler nicht, sie sind eingepflanzt in das Bewusstsein. Das macht die Stärke der Eisbären aus.

Schlechte Position für die Haie

Das wissen auch die Haie, und sie wissen, dass ihre Position nun denkbar schlecht ist. „Wichtig ist, nicht den Kopf hängen zu lassen“, sagt Trainer Krupp. Immerhin aber gelang es ihnen ebenso wie den Eisbären, in allen Saisonspielen der beiden Rivalen auswärts zu siegen. „Wir haben gezeigt, dass wir in Berlin gewinnen können“, macht sich Haie-Verteidiger Moritz Müller daher nachvollziehbar Mut. Bisher ging es da allerdings nie direkt in einem Spiel um den Titel. Das verändert die Lage.

Damit befassen sich die Eisbären nicht groß. Alles schon gesehen, erlebt, erfolgreich bestanden. „Bei uns wird sich jetzt nicht viel ändern“, sagt Rankel. Kollege Jens Baxmann mag Köln. Aber: „Das ist zwar eine schöne Stadt, aber noch mal hinfahren wollen wir nicht unbedingt.“