Eishockey

Eisbären überrumpeln ihre Gegner immer auf die gleiche Art

Die Berliner Sturmreihe mit André Rankel, Travis Mulock und Julian Talbot überragt im Play-off. Diese Spieler führen die Scorerliste an und empfangen die Kölner Haie am Dienstag mit ihren Kollegen zur zweiten Finalpartie.

Zum Ende des Trainings schaut ein Mann mit Kappe und T-Shirt im Wellblechpalast vorbei. Er stellt sich hinter das Plexiglas, sieht zu, wie die restlichen Spieler des EHC Eisbären die letzten Übungen absolvieren. Dabei denkt er an früher. „Hier hat sich nichts verändert“, sagt er. Gut, ein bisschen schon. Wo einst der große Stehplatzblock hinter dem Tor war, sind nun Sitzschalen montiert. Aber sonst – als wäre er nie weg gewesen.

Der Mann am Plexiglas ist Marc Fortier. Früher lief er dort übers Eis, wo jetzt die jungen Leute trainieren. Da führte er die Eisbären in das Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Über fünf Jahre spielte Fortier bei den Berlinern eine wichtige Rolle, war die meiste Zeit Kapitän und überaus beliebt beim Publikum. Jetzt macht er einen Zwischenstopp. Auf dem Weg nach Sotschi zur U18-WM, wo er als Manager eines kanadischen Juniorenteams nach europäischen Talenten sucht, verbringt der 47-Jährige ein paar Tage in Berlin. Genau zur richtigen Zeit.

Ex-Profi Fortier ist begeistert

Wieder stehen die Eisbären im Finale, gewannen das erste Spiel der „Best of five“-Serie in Köln mit 4:2. Fortier hat es im Fernsehen verfolgt. Und, was ist ihm aufgefallen? „Sie haben so viele gute deutsche Spieler jetzt“, sagt Fortier. Constantin Braun etwa, der Verteidiger.

„Der ist nicht gut, der ist supergut.“ Fortier freut sich für den Klub, dass alles so gut läuft. Wenn nicht gerade Sommerpause ist, erzählt er, schaue er jeden Tag im Internet, wie die Berliner gespielt haben. „Das ist ein Ritual.“ Viele Titelgewinne konnte er auf diese Weise miterleben. Gegen Köln hat er gesehen, was die Wert sind.

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Fortier selbst gelang es nicht, mit dem EHC Meister zu werden, erst kurz nachdem er wechselte, stellte sich der Erfolg ein. Sechs Meisterschaften feierten die Berliner. „Sie haben jetzt so viel Erfahrung damit, wie es ist, ein Finale zu spielen. Das ist ganz wichtig“, sagt der frühere Kapitän. Die Haie waren lange hypernervös. Denn: „Für die meisten Spieler war ein Finale etwas ganz Neues, das hat man gesehen“, sagt Köln Ex-NHL-Star Marco Sturm.

André Rankel, der aktuelle Kapitän der Eisbären, spielt gerade sein achtes Finale in der DEL – im Alter von 27 Jahren. Er weiß ganz genau, was nötig ist, wenn das Finale beginnt.

Jeder traf im ersten Spiel in Köln

Zufall ist es also nicht, dass der Stürmer (3 Tore, 9 Vorlagen) im Play-off zu den drei besten Punktesammlern der Liga gehört. Die anderen beiden sind: seine Reihenkollegen Julian Talbot (5/10) und Travis James Mulock (6/8). Beide zusammen kommen auch auf drei Titel mit den Eisbären. In Köln gingen drei Treffer auf das Konto der Reihe, jeder war einmal erfolgreich.

Bei den Dreien wirkt alles, als würden sie es schon ewig gemeinsam tun. „Das liegt daran, weil jeder seine Dinge immer auf die gleiche Art macht. Da weißt du als Mitspieler, womit du rechnen kannst. Gerade jetzt im Play-off macht das viel aus“, sagt Rankel. Viel länger als seit der K.o.-Phase spielen sie allerdings gar nicht zusammen. Weil in der Abwehr über Monate Notstand herrschte, musste Talbot fast die ganze Saison lang hinten einspringen. „Das war anfangs schon ganz anders, aber mit der Zeit ging es“, erzählt der 28-Jährige. Vielleicht hängt dieser Schritt zurück sogar damit zusammen, dass er nun im Play-off den Sprung an die Spitze der Scorerliste vollzogen hat. Talbot ist davon überzeugt. „Das hat mir geholfen. Durch die Zeit in der Abwehr führe ich den Puck jetzt viel sicherer“, sagt der Kanadier. Und er hat nicht vergessen, dass die Defensive dazugehört, wenn man gewinnen will.

Vielseitigkeit als Trumpf

Auch die anderen haben das nicht, sie machen nicht nur Punkte, sondern arbeiten als Reihe ebenso am besten nach hinten. Auch kein Zufall: „Wir sind alle Allrounder“, sagt Rankel. Vorne sein oder hinten, Tore schießen oder Passen, Laufen, Technik, Körpereinsatz – ihnen ist nichts fremd. Travis Mulock, 27 Jahre alt, ist dabei derjenige, der früh angreift und Fehler des Gegners erzwingt. „Er ist auch ein starker Spielmacher“, erzählt Rankel. Der Kapitän selbst bringt Kraft und Energie ins Spiel, an sich ist er auch der Torgefährlichste, obwohl man das gerade nicht so sieht. Talbot schafft als Mittelstürmer die Räume für die beiden anderen, steht aber auch immer wieder genau dort, wo es sich am meisten lohnt.

Ihr großes Verständnis kam nicht kurzfristig zustande, schon vergangene Saison spielten sie zusammen. Im Play-off wirkte sich das jedoch kaum aus. Rankel wurde im Halbfinale für den Rest der Saison gesperrt, die Reihe damit gesprengt. Wegen der Verteidigeraufgabe wurde die Zeit der Trennung länger als gedacht. „Deshalb hat es ein paar Spiele gedauert, bis wir wieder alles justiert hatten“, sagt Talbot. Eine Herausforderung ergab sich dadurch nicht, weil Rankel und Mulock schon lange in einer Reihe aktiv sind. Gemeinsam mit Stefan Ustorf nahmen sie bereits vor zwei Jahren die ersten drei Plätze in der Play-off-Scorerliste ein. Talbots Spiel kommt dem von Ustorf nah. „Es gibt Ähnlichkeiten“, sagt André Rankel. Talbot konnte sich daher problemlos einfügen.

Fortier erstmals in der neuen Arena

Einige Parallelen zum ersten Spiel würde Travis Mulock am Dienstag in der zweiten Partie in Berlin gern vermeiden (20.30 Uhr, O2 World, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). „Wenn wir so spielen wie im zweiten Drittel, haben wir keine Chance.“ Dort ließen die Berliner den Dingen zu passiv ihren Lauf. Das darf gegen die ebenfalls auswärtsstarken Kölner nicht passieren, denn es kann die Vorentscheidung in der Serie fallen. „Das zweite Spiel ist immer sehr wichtig“, sagt Marc Fortier. Er wird es in der Arena verfolgen, zum ersten Mal sieht er dann ein Spiel dort. Vor drei Jahren hatte er es schon einmal versucht. „Aber als ich ankam, waren die Eisbären gerade gegen Augsburg im Viertelfinale ausgeschieden“, erinnert sich Fortier. Diesmal hat er mehr Glück. Und es wird definitiv alles anders werden als früher im Wellblechpalast.

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