Eishockey

Eisbären verlieren zweites Finalspiel gegen Kölner Haie

Haialarm in Berlin: Trotz einer ungewöhnlichen Unterstützungsaktion ihrer Fans waren die Berliner Eisbären mit 1:3 gegen Köln unterlegen. 1:1 steht es nun in der „Best of five“-Serie.

Filmisch betrachtet gibt es gerade „Haialarm am Müggelsee“. Das müssen die Fans des EHC Eisbären wohl am Dienstagabend im Kopf gehabt haben, einige von ihnen suchten sich jedenfalls ganz besondere Plätze in der O2 World aus. Sie stiegen unter das Dach der Arena, dorthin kommen sonst nur Mitarbeiter.

Ihre Absicht war natürlich, auch Alarm zu machen. Die Berliner spielen gerade im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Kölner Haie, und hinter deren Tor entfachte der Berliner Anhang nun einen Eisbären-Alarm.

Als der unvermeidliche Bernd Römer, der Gitarrist von Karat, wie immer beim einem Final-Heimspiel die Nationalhymne intoniert hatte, zogen die Männer unter dem Dach einen riesigen, böse schauenden Eisbären-Kopf hinter der Bande nach oben. Eine nette Idee.

Eisbären konnten ihren Heimvorteil nicht nutzen

Leider nur wirkungslos. Trotz der ungewöhnlichen Unterstützungsaktion verloren die Eisbären dieses zweite Finalspiel in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften Arena mit 1:3 (1:2, 0:0, 0:1). Der zuvor in Köln mit dem 4:2 erarbeitete Heimvorteil ist damit wieder weg, 1:1 steht es in der „Best of five“-Serie. Die findet am Freitag in Köln ihre Fortsetzung.

Ihre Plätze hatten die kletterfreudigen Anhänger noch gar nicht wieder eingenommen, da lagen die Berliner schon zurück. Mit einer Strafe gegen die Eisbären startete das Spiel, Marco Sturm, der Ex-NHL-Star der Kölner, schob anschließend in Überzahl den Puck zwischen Torhüter Rob Zepps Bein und dem Pfosten ins Netz. Gerade 61 Sekunden waren da von der Uhr abgelaufen. Dieser Beginn zeigte, dass die Haie keineswegs so verängstigt agieren würden als noch zwei Tage zuvor.

Da zahlten die Kölner ihrer mangelnden Erfahrung in solchen Final-Situationen deutlichen Tribut. Doch es war relativ klar, dass Trainer Uwe Krupp seiner Mannschaft diese Angst mit ermutigenden Worten nehmen würde. Schließlich zeigte sein Team über die ganze Saison, welch großes Potenzial in ihm steckt.

Spieler in der Mitte vor dem Tor erstaunlich wenig präsent

Von Schüchternheit war dann auch keine Spur mehr bei den Kölnern. Zwar konnten die Eisbären durch einen straffen Schlagschuss von Ryan Caldwell wenig später ebenfalls in Überzahl ausgleichen (3.). Aber das führte nicht dazu, dass der Titelverteidiger mit all seiner Play-off-Routine das Spiel so gestalten konnte, wie er wollte.

Hartnäckig gingen die Kölner auf ihre Gegenspieler, teilweise wohl darauf ausgerichtet, den Berlinern mit dieses Gangart den Schneid abzukaufen. Zumindest brachten sie damit, und mit ihren schnellen Angriffen, viel Unruhe in die Abwehr der Eisbären. Dort musste Trainer Don Jackson immer wieder sehen, wie seine Spieler nur hinter den Kölnern hinterherliefen. Und dass seine Spieler in der Mitte vor dem Tor erstaunlich wenig präsent waren. Oft passten die Haie dorthin und kamen zu gefährlichen Schüssen. Den von Andreas Falk konnte Zepp nicht parieren, erneut lagen die Eisbären zurück (9.).

Als sattelfest erwiesen sich auch die Kölner nicht in der Defensive. Daraus ergab sich ein für ein Finale untypisch offensiver Schlagabtausch ohne großes Festhalten an Ordnung und System. Zumindest eine Weile lang, denn die Kölner gewannen mehr Sicherheit in ihrem Passspiel. Den Eisbären fiel es zunehmend schwerer, das zu unterbrechen. Sie wurden stetig mehr in die Defensive gedrängt und hatten einige Male Glück, denn die Haie trafen Pfosten und Latte.

„Wir müssen mehr Pucks zum Tor bringen“

Entlastung gab es nur wenig, klare Chancen der Eisbären blieben im zweiten Drittel fast ganz aus. Nicht umsonst stellte Travis James Mulock in der zweiten Pause dringend fest: „Wir müssen mehr Pucks zum Tor bringen.“ Doch es kam anders, als Julian Talbot auf die Strafbank geschickt wurde, traf Charles Stephens zum 3:1 für die Haie (42.).

Wirklichen Zugriff auf die Partie bekamen die Berliner auch danach nicht. Sie kämpften natürlich gegen die Niederlage an, doch Köln postierte sich clever, bot wenig Angriffsfläche. Bei ihren wenigen Vorstößen, die sie auch abschließen konnten, verzogen die Eisbären meist oder schossen zu ungenau auf Torhüter Danny aus den Birken. Oder trafen wie Jim Sharrow den Pofsten (53.).

Damit setzte sich in Berlin fort, was zwischen den beiden Klubs schon die ganze Saison über ein Dauerzustand war. Die Mannschaft, die als Auswärtsteam anreist, nimmt auch den Sieg mit nach Hause. Zwar hatte EHC-Kapitän André Rankel vor der Partie gesagt, dass die Resultate aus der Hauptrunde keine Rolle mehr spielen. Den Beweis konnte allerdings noch niemand antreten. Im Prinzip wäre es sogar ein Vorteil für die Eisbären, wenn es dabei bleibt. Denn die Kölner haben theoretisch ein Heimspiel mehr in der abschließenden Serie.

Zunächst wird es für die Eisbären allerdings das Wichtigste sein, sich vom unerwarteten Haialarm in Friedrichshain zu erholen.