Play-off

Die Eisbären wahren noch einmal ihre Chance

Im vierten Spiel gegen die Hamburg Freezers können die Berliner Eisbären nach einer verbissen geführten Partie noch einmal ausgleichen. Jetzt steht es 2:2.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Wenn eine Play-off-Serie über sieben Spiele geht, dann sagen die Experten, dass das gerechter sei als nur fünf Spiele. Der Zufall sei dann weitgehend ausgeschlossen. Damit hatten die Eisbären Berlin schon mal ein großes Problem. Vor drei Jahren war das, als sie als der große Dominator der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Viertelfinale in einer Fünfer-Serie gegen die Augsburger Panther, den großen Außenseiter, rausflogen.

Sie wünschten sich deshalb Serien nach dem Modus Best of Seven, weil das dem besseren Team entgegenkommt. Die gibt es nun wieder im Viertelfinale, aber ob es für die Berliner wirklich besser ist, scheint eher fraglich. Immerhin aber konnten sie die Serie mit dem zweiten Sieg ausgleichen. In der Verlängerung setzten sie sich bei den Hamburg Freezers mit 3:2 (2:2, 0:0, 0:0, 1:0) durch.

Gerade 24 Stunden lag die dritte Partie der Serie zurück, da mussten beide Kontrahenten erneut auf das Eis. Es gebe nichts Besseres für sie, sagte Kapitän André Rankel. Da musste er gerade ein 4:8 verarbeiten. „Die Gegentore sind ein Problem, die Antwort darauf fällt aber schwer“, sagte Trainer Don Jackson zum enttäuschenden Auftritt am Montag noch.

Seine Mannschaft hatte wieder einmal viele Fehler gemacht. Schon die ganze Saison über ist die Abwehr die große Schwachstelle des Titelverteidigers, oft wurde darüber gesprochen, es wurde analysiert und variiert. Doch im Play-off verlor die Mannschaft in der Defensive wieder und wieder die Nerven, bekam oft keine Kontrolle über das Geschehen vor dem eigenen Tor. Dafür wurde sie mit 18 Gegentoren in nur drei Spielen bestraft. Das gab es lange nicht beim dominierenden Team der vergangenen zehn Jahre.

Die Eisbären traten trotzig auf

Ratlos sahen die Berliner nach der schlimmen Pleite in Spiel drei aus. Dennoch traten sie trotzig auf. „Wir werden eine andere Eisbären-Mannschaft sehen“, versprach Rankel für Spiel vier in Hamburg. Warum? „Weil wir Herz und Charakter haben und ich die Jungs kenne.“ Doch das Selbstvertrauen herbeizureden nach zwei Niederlagen in Folge ist einfacher, als es dann auch auf dem Eis rüberzubringen. Vor allem, wenn der Gegner durch die eigenen Fehler stärker gemacht wird, als er vielleicht ist. Die Freezers selbst erzielten noch nie so viele Tore in einer Serie, außerdem hatten sie noch nie zuvor in drei Serien gegen die Berliner zwei Partien gewonnen. Da prallten am Dienstag zwei sehr unterschiedliche Gemütslagen aufeinander.

Vorsichtig starteten die Eisbären, bei denen Florian Busch (krank) weiter fehlte, dann auch ins Spiel, sie wollten Ruhe ausstrahlen, nur keine Hektik aufkommen lassen und damit den Gegner zusätzlich aufbauen. Genauso wollten sie zeigen, dass das 4:8 vom Vortag nicht ihrem wahren Leistungsvermögen entspricht.

Lieber mit dem Kopf durch die Wand statt Kombinationen

Im Spiel nach vorn aber neigten die Eisbären dazu, mit dem Kopf lieber durch die Wand zu gehen, wo Kombinationen geholfen hätten, sich in Eins-gegen-Eins-Situationen zu verzetteln oder Pässe zu spielen, wo Schüsse angebracht gewesen wären. Die Hamburger hatten ihnen schon oft gezeigt, dass der direkte Weg zum Tor der bessere ist. So auch, als Rob Zepp im EHC-Tor von Brandon Reid überwunden wurde (12.).

Zepp stand wieder im Tor, nachdem Jackson ihn im Spiel zuvor nach fünf Gegentreffern ausgewechselt hatte. Er spielte diesmal sehr gut, rettete einige Male mit verblüffenden Reaktionen. Doch wenn sich Fehler an Fehler reihte, wie beim zweiten Treffer der Hamburger durch David Wolf, war auch er machtlos (18.).

Jubel in der 66. Minute

Zuvor hatten die Eisbären durch Travis Mulock ausgeglichen (15.), bei allen Defiziten passte immerhin das Überzahlspiel. Aber die Eisbären bemerkten auch, dass Schüsse ein geeignetes Mittel sind, den jungen Hamburger Goalie Niklas Treutle unter Druck zu setzen. Ryan Caldwell zog ab, den Nachschuss verwertete Julian Talbot zum erneuten Ausgleich (20.). Anscheinend nahm die Partie nahtlos Anschluss an die vorherigen bezüglich der für das Play-off ungewöhnlich vielen Treffer.

Dann aber stabilisierten sich beide Kontrahenten. Was daran lag, dass oft versucht wurde, das Spiel in der Mittelzone und damit weg vom eigenen Tor zu halten. Nur selten ergaben sich so große Gelegenheiten. Hamburg fehlte dabei womöglich etwas Schwung, weil mit Eric Schneider der bislang beste Spieler wegen einer Matchstrafe fehlte. Zudem mussten die Freezers später auch auf Jerome Flaake, einen weiteren wichtigen Stürmer, verzichten, weil der verletzt ausschied (32.).

Partie wurde immer verbissener geführt

Durch das enge Resultat wurde die Partie immer verbissener geführt, beide Teams veranstalteten erstmals einen richtigen Play-off-Kampf. Auch die Rangeleien auf dem Eis nahmen zu. Dabei zeigten sich die Freezers schlagkräftiger, sonst aber waren sich beide Mannschaften ebenbürtig. Es ging hin und her auf dem Eis, meistens aber nicht allzu genau in den Aktionen. Was in die Verlängerung führte.

Die gewannen wie schon in der ersten Partie die Berliner. In Überzahl traf Julian Talbot zum 3:2 (66.). Womit feststeht, dass es am Sonnabend ein drittes Spiel in Hamburg geben wird. Zuvor aber wird am Donnerstag wieder in Berlin gespielt. „In der Overtime brauchst du einfach diesen einen Moment, das hat bei uns gepasst“, strahlte Talbot. Die 22. Verlängerung endete mit dem 18. Berliner Sieg.