Eigentlich könnte er aus der Haut fahren, richtig draufhauen. Jeder würde das verstehen. Gerade nach solchen Erlebnissen wie am Sonntag. Einfach toll war es, wie die Eisbären gegen Krefeld begonnen hatten. Einfach schlecht machten sie dann weiter, verloren 3:4 nach Verlängerung.

Wieder unterliefen haarsträubende Fehler, inzwischen ist das so etwas wie ein negatives Markenzeichen des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das muss einen Trainer verrückt machen, eigentlich. Aber Don Jackson lässt die verbale Keule stecken „Ich versuche, nicht so negativ zu sein“, sagt der US-Amerikaner.

Er war schon mal ungnädiger mit den Spielern. Dass er gerade keine Lust darauf verspürt, kann wer will gern als Resignation interpretieren. Die Anzahl der Missgeschicke sinkt einfach nicht, es wird analysiert, geredet, geübt – um dann doch sehr regelmäßig zu erleben, dass ein oder mehrere Akteure in einem schwachen Moment alles zunichte machen. „Es ist nicht so, dass immer die gleichen Fehler passieren. Die Spieler arbeiten ja hart, sie wollen sich verbessern. Deshalb schütze ich sie“, sagt Jackson. Das ist nett von ihm.

Ob es auch richtig ist, will Manager Peter John Lee jetzt nicht beurteilen. „Erst am Ende des Play-off wissen wir genau, wo wir stehen und was verbessert werden muss“, sagt er. Bis dahin besteht zumindest noch eine Resthoffnung, dass die Lernfähigkeit der Mannschaft ausreicht, um bis zum Play-off-Start stabil zu werden. Obwohl ihm der Prozess schon verdächtig lang dauert. „Nach so langer Zeit muss doch bei allen in den Kopf gehen, wie es funktioniert“, sagt der Manager. Aber er versucht, an das Gute zu glauben.

Der Wurm ist drin

Weniger geduldig als Trainer und Manager geben sich inzwischen einige Spieler. „Bei uns ist einfach der Wurm drin in dieser Saison“, sagt Verteidiger Constantin Braun. Grund, irgendetwas zu romantisieren, sieht er keinen. Braun wirkt eher verzweifelt, weil doch schon so viel probiert worden, aber der Effekt kaum messbar ist. „Keine Ahnung, was los ist“, entfährt es Braun, halb zuckt er mit den Schultern, halb verdreht er die Augen, halb wendet er sich zur Seite ab. Es ist wie oft im Spiel, die Berliner machen viele halbe Sachen, nur selten ganze.

Optimismus versprüht Braun keinen. Die ständige Rückschläge setzen sich langsam im Kopf fest, das Vertrauen in die eigenen Stärken wird dadurch unterhöhlt. Deshalb kehren die Fehler immer wieder. „Früher haben wir uns schneller von so etwas erholt“, sagt Jackson. Da war die Mannschaft aber auch eine andere, da gab es viele erfahrene und charakterstarke Persönlichkeiten. Deren Verlust konnte bislang nicht weggesteckt werden. „Es ist nicht so, dass wir nicht unser System spielen oder dass wir nicht hart genug spielen“, sagt Kapitän André Rankel. Dann kann es nur so sein, dass die individuelle Klasse derzeit nicht gegeben ist, um sich in den selbst kreierten Sphären zu bewegen.

Kämpferischer Kapitän

Vielleicht kann es doch ein wenig anders sein. Rankel macht auf kämpferisch, ist nicht so niedergeschlagen wie Braun. „Es ist nicht so, dass wir ratlos sind“, sagt er. Es müsse nur angesprochen werden, dass alle ihren Kopf einzuschalten haben. „Wir schenken die Tore einfach her, das ist nicht zu akzeptieren“, so der Kapitän. Das hört sich noch nicht nach konkreten Schuldzuweisungen innerhalb der Mannschaft an, aber es deutet darauf hin, dass die Arbeitsweise einiger Kollegen bei anderen nicht mehr unbedingt auf Verständnis stößt. Zusammen mit dem Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, wie es bei Braun abzulesen ist, macht das kaum Mut.

Dass ob der zahlreichen Wiederholungen der Patzer auch der Trainer etwas nicht richtig machen könnte, das wies der Kapitän zurück. Dass die Konzentration für ein ganzes Spiel selten ausreiche, „damit hat der Trainer nichts zu tun, das müssen wir selbst hinbekommen“. Allerdings sorgte selbst die gestiegene Wichtigkeit der Spiele kurz vor dem Play-off, für das sich die Berliner bestmöglich positionieren wollen, nicht für einen merklichen Konzentrationsschub.

Platz drei nicht enttäuschend

Die Tabelle der DEL interessiert Don Jackson für gewöhnlich nicht sonderlich. Jetzt schaut er schon hin, weil sie ihm gute Argumente liefert. „Wir sind Dritter. Wir haben nichts, worüber wir hier total enttäuscht sein müssten“, sagt der 56-Jährige. Damit liegt er nicht falsch, aber vom selbst gesteckten Niveau – sowohl spielerisch als auch mit sechs Titeln in acht Jahren – ist eben nicht viel geblieben. Das macht viele Spieler nervös, einige auch ärgerlich. Den Fans geht es genauso.

Fünf Partien sind es noch bis zum Play-off-Start, die Berliner werden sich für das Viertelfinale wohl als eines der besten sechs Teams direkt qualifizieren. Aber dann? „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Jackson. Aber der Trainer will ja auch nicht zu negativ sein. „Wir sind nicht an der Grenze, an der wir nicht mehr zulegen können. Das macht mich optimistisch“, erzählt Manager Lee. Er glaubt eben an das Gute.

Nicht mehr viel Zeit

Wer einfach das ganze hin und her, in dem sich die Eisbären befinden, zum Maßstab nimmt, schätzt die Sache etwas nüchterner ein. „Dritter oder Vierter zu werden nach der Hauptrunde, wäre ein großer Erfolg“, sagt Torhüter Rob Zepp. Früher wurden andere Ziele formuliert beim EHC Eisbären, aber da verbreiteten die Berliner auch noch Angst und Schrecken beim Gegner mit ihrem Spiel. Jetzt tun sie das öfter bei den eigenen Fans. Viel Zeit, etwas dagegen zu unternehmen, bleibt nicht mehr.