Morgenpost Online: Glückwunsch, Herr Lee, zum Einzug in das Viertelfinale der European Trophy. Dafür mussten Sie bis fast an den Polarkreis reisen. Hat es Sie schon mal so weit in den Norden getrieben?
Peter John Lee: Bisher nicht. Obwohl ich Kanadier bin und es dort eine ganze Menge Norden gibt.
Morgenpost Online: War schon Winter in Lulea?
Peter John Lee: Es gab Minusgrade, aber in der Halle war es warm.
Morgenpost Online: Was bedeutet es Ihnen, weiter im Turnier zu sein?
Peter John Lee: Wir sind sehr stolz. Dort spielen Spitzenklubs mit und wir schaffen es, die DEL auf internationaler Ebene als ein Produkt zu etablieren, das viel besser ist, als viele denken. Unsere Liga wurde oft als zweitklassig betrachtet im Vergleich mit Finnen, Schweden und Schweizern, aber das ist sie nicht.
Morgenpost Online: Bei der dritten Auflage des Wettbewerbs sind die Eisbären zum zweiten Mal im Finalturnier dabei, beim ersten Mal waren sie sogar Turniersieger. Wie hat sich die Trophy seither entwickelt?
Peter John Lee: Das Turnier wird ernster genommen. Einige Spiele in die Saison hineinzulegen, war dabei ein wichtiger Schritt. Dadurch erreichen wir eine größere Öffentlichkeit. Das ist letztlich das Entscheidende. Sportlich läuft das Turnier sehr gut, die Zuschauerzahlen haben sich verbessert und sind in Ordnung. Aber wir brauchen noch mehr mediale Aufmerksamkeit. Das wirkt dann wie ein Schneeball-Effekt: Die Sponsoren nehmen das Turnier mehr wahr, die Fans auch. Doch das ist schwer, wenn die Spiele in der Vorbereitungszeit liegen.
Morgenpost Online: Gibt es schon konkrete Pläne, den Wettbewerb mehr in die Saison der nationalen Ligen zu integrieren?
Peter John Lee: Die Gespräche mit dem Weltverband wegen des Terminplans laufen. Nächste Saison wird alles so bleiben, aber das Ziel ist es, den Wettbewerb in zwei Jahren parallel zu den Ligen laufen zu lassen.
Morgenpost Online: Werden dann auch russische Klubs vertreten sein?
Peter John Lee: Wir versuchen sie einzubinden. Aber die Frage ist: Wie? Die Reisen wären sehr weit, deshalb ist es eine Überlegung, sie in einer späteren Runde einsteigen zu lassen.
Morgenpost Online: Die riesigen Etats der Russen, mit denen die anderen Ligen nicht mithalten können, wären kein Problem?
Peter John Lee: Vielleicht gelingt es uns ja bald, über den Wettbewerb die Einnahmen der Klubs zu steigern und unsere Budgets zu erhöhen.
Morgenpost Online: Was konnten die Eisbären denn bisher als Klub aus der Trophy mitnehmen?
Peter John Lee: Geld nicht, aber wir haben uns schon einen Namen gemacht in den anderen Ländern. In Lulea etwa waren unsere 50 Fans, die mitgekommen sind, die lautesten und haben für Stimmung gesorgt. Auch das prägt den Eindruck von uns. Unsere Mannschaft lernt zudem jedes Mal durch die neuen Aufgaben.
Morgenpost Online: Herr Lee, Sie sind selbst sehr engagiert und treiben die Entwicklung des Turniers auf der administrativen Ebene voran. Dazu gehören Sie zum Kompetenzteam von Verband und Liga, das sich um die Nationalmannschaft kümmert. Wann hatten Sie eigentlich zuletzt mal Zeit, sich zu erholen?
Peter John Lee: Im Sommer war ich zwei Wochen in den USA, 80 Prozent dieser Reise bestanden aus Urlaub.
Morgenpost Online: Und wie schätzt Ihre Frau diesen Prozentsatz ein? Mal ehrlich.
Peter John Lee: (Lacht): Anders.
Morgenpost Online: Haben Sie keine Angst, sich bei all der Arbeit aufzureiben?
Peter John Lee: Ich weiß nicht, es ist schon Stress, aber wenn man etwas bewegen kann, wenn wir einen Schritt nach vorn machen, dann fühlt sich das nicht so an, sondern macht Spaß. Ich möchte mein Bestes geben, dann habe ich das Gefühl, in meinem Job etwas erreicht zu haben.
Morgenpost Online: Stellt sich dieses Gefühl auch beim Thema Nationalmannschaft ein?
Peter John Lee: In den vergangenen beiden Jahren habe ich da viel Zeit investiert, doch es ist nicht so viel herausgekommen, wie zum Beispiel hier im Klub möglich gewesen wäre. Bei der Nationalmannschaft gibt es viele, die mitreden und neben der sportlichen auch eine politische Ebene. Ich bin nur mit der sportlichen Ebene aufgewachsen, das macht es schwer für mich.
Morgenpost Online: Die Art und Weise der Findung des neuen Bundestrainers Pat Cortina überraschte, sie zog sich unsäglich lange hin und von außen wusste bald niemand mehr, wer denn jetzt was zu sagen hat. In der Öffentlichkeit kam viel Häme auf.
Peter John Lee: So etwas tut mir weh. Ich würde jetzt zwar nicht sagen, dass die Zeit für mich vertan war. Aber ich muss mich fragen, ob es noch Sinn macht, mich da zu engagieren. Beim Deutschland Cup in zwei Wochen muss ich mit den Verantwortlichen reden, wie die Arbeit des Kompetenzteams effektiver gestaltet werden kann. Ich kann nicht mehr Zeit dort investieren, wenn so wenig dabei herauskommt.
Morgenpost Online: Was ein paar schlaflose Nächte bewirken können, haben Sie gezeigt, als Sie die NHL-Stars Daniel Briere und Claude Giroux verpflichtet haben.
Peter John Lee: Das waren zwei, drei intensive Nächte, aber mit einem Resultat. Bei der Nationalmannschaft können 30 vergehen, ohne dass du am Ende etwas in der Hand hast.
Morgenpost Online: Die beiden haben voll eingeschlagen, bisher in jedem Spiel gepunktet. Geht bei Ihnen nicht die Angst um, dass der Lockout in der NHL bald vorbei sein könnte und die Mannschaft den Verlust der beiden Stars nicht auffangen kann?
Peter John Lee: Wir genießen jeden Tag, den sie bei uns sind. Selbst wenn sie morgen schon wieder weg müssten, hätte ihre Anwesenheit für uns einen großen Wert gehabt, weil sie den anderen viel geben. Außerdem hoffe ich, dass alle Verletzten zurück sind, wenn die NHL die Saison startet. Wenn sie das nicht bald tut, wäre ich aber nicht traurig.





