Neulich wurde Frank Hördler von einem kleinen Schülerreporter interviewt. Er nahm sich Zeit, sprach langsam, damit der junge Fragesteller in Ruhe mitschreiben konnte. Zu verstehen war der Eishockeyprofi des EHC Eisbären trotzdem nicht immer gut. Die Antwort darauf ergab die Frage nach einer seiner Schwächen. „Ich halte mein Gesicht zu oft in den Puck“, sagte der Verteidiger. Das führt zu Zahnschwund, drei Beißer verlor er schon auf diese Weise – und hat eben Sprachschwierigkeiten, wenn der künstliche Ersatz nicht eingesetzt ist.

Sein Zahnarzt freut sich also immer, wenn er vorbeischaut, weil es dann meist ordentlich was zu tun gibt. Verzückt ist aber mehr und mehr auch das Publikum von dem, was der 27-Jährige bietet. Keiner trifft derzeit öfter beim Meister, unter den Abwehrspielern der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) rangiert er mit fünf Toren vorn. Es wird eine Rekordsaison für Hördler werden, das scheint schon klar.

Die Gründe dafür sind simpel. „Ich stehe öfter auf dem Eis, habe Glück, dass ich Überzahl spiele. Mit Buschis Schläger komme ich auch besser zurecht“, sagt Hördler. Mit seiner Marke war er nicht mehr zufrieden, da fragte er Angreifer Florian Busch, ob er dessen Schläger ausprobieren könne. Die Schaufel ist etwas anders gebogen, das fühle sich gut an. Doch das ist eher ein weicher Fakt, Powerplay und Eiszeit, das sind harten Fakten.

Talent blieb lange verborgen

Wenig gespielt hat Frank Hördler früher auch nicht, er trug nicht einmal weniger Verantwortung. Nur waren seine Auftritte stets eher etwas für diejenigen, die das Spiel als Ganzes betrachten, denen einzelne Akteure nicht nur dann auffallen, wenn sie offensiv in Aktion treten. Hördler gehörte gemeinsam mit Jens Baxmann zu den Schlüsselfiguren, die hinten alles dicht hielten bei den Eisbären, den offensiven Kollegen den Rücken frei hielten. Darin entwickelte Hördler eine gewisse Perfektion, was ihn zu einer wichtigen Stütze der Mannschaft werden ließ.

Gewissermaßen wurde diese Fähigkeit zu einem Problem, genau wie die Personalpolitik der Eisbären. Es waren einfach immer zu viele offensiv ausgerichtete Abwehrspieler da, deren defensive Verantwortung nicht sonderlich ausgeprägt war. „Die waren eben wichtiger in der Offensive. Ich glaube nicht, dass man mir das nicht zugetraut hat“, sagt Hördler. Im Training jedenfalls zeigte er oft das, was er im Spiel nicht zeigen konnte, weil seine Aufgaben andere waren.

Damit blieb die Komplexität seines Talents vielen lange verborgen. Hördler beherrscht nicht nur das Stellungsspiel vor dem eigenen Tor, er hat Übersicht, Ruhe, dazu ist er schnell und ein feiner Techniker mit einem satten Abschluss. Trotzdem blieb er in einer Saison mal ohne Tor. Der Höchstwert liegt bislang bei sieben Treffern. Nun sind es fünf in elf Partien. „Es macht Spaß vorn“, erzählt Hördler. Endlich darf er sein Talent ausleben.

König für Werbekampagne

Das hätte ruhig früher passieren können. „Ich warte schon länger darauf“, sagt er. Doch erst jetzt passen die Umstände, die vielen stürmischen Verteidiger sind verschwunden, es sind fast nur junge oder neue Abwehrspieler da. Jetzt werden Hördlers Fähigkeiten auch vorn benötigt. Doch ein Gleichgewicht herzustellen fällt schwer mit den Gegebenheiten, hinten fehlt Hördlers ordnende Hand nun öfter. Mit 38 Treffern haben die Berliner nicht zufällig die meisten Gegentore der Liga kassiert. „Aber“, so der Nationalspieler, „für die Situation läuft es schon ganz gut.“

Nach vorn sowieso, dadurch fällt Hördler nun allen auf, er spielt sich in den Mittelpunkt, obwohl er dort nicht hinpasst. „Ich fühle mich nicht wohl bei so was“, sagt der Verteidiger. Ein bisschen konnte er sich aber schon daran gewöhnen, Hördler war das Model für die aktuelle Werbekampagne der Eisbären. Als König posiert er da. „Wie dort gearbeitet wurde, fand ich sehr interessant“, sagt er, deshalb hatte er auch kein Problem mit der Aktion. Seine Eltern seien begeistert gewesen davon.

Dass die Wahl auf ihn fiel, zeigt auch seinen Stellenwert bei den Eisbären, zu denen er als 18-Jähriger kam und mit denen er am Freitag gegen Augsburg antritt (19.30 Uhr, O 2 World). Er hat ihn sich über Jahre erkämpft, genauso wie er geduldig auf die Chance in der Offensive gewartet hat. Die Hoffnung darauf begleitete ihn immer, weil er jemand ist, der nie aufgibt. Diese Eigenschaft bezeichnete Frank Hördler als eine Stärke, als der Schülerreporter nach einer ebensolchen fragte.