Natürlich weiß Claude Giroux, wer 1996 das entscheidende Tor zum Stanley-Cup-Erfolg in der nordamerikanischen Profiliga NHL geschossen hat. Er ist Kanadier, und die haben von Kindesbeinen an nichts anderes im Kopf als Eishockey. „Uwe Krupp“, sagt er, noch bevor die Frage zu Ende gestellt ist. „Der ist morgen auch der Trainer, nicht wahr?“ Ist er, Krupp, erster deutscher NHL-Champion, kommt mit den Kölner Haien am Freitag nach Berlin und trifft auf die Eisbären (19.30 Uhr, O 2 World und laola1.tv).
Ein guter Start, findet Giroux. Nicht wegen Krupp, aber Köln ist Spitzenreiter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Und Giroux einer der Spitzenspieler in der NHL, die gerade wegen eines Arbeitskampfes ruht; deshalb sind er und Daniel Briere jetzt in Berlin, die beiden Star-Stürmer aus Philadelphia wurden am Dienstag begeistert empfangen. Tabellenführer Köln bietet nun gleich die Gelegenheit, das aktuelle Top-Niveau der neuen Liga kennenzulernen.
Vorher erfuhren die beiden aber erst einmal, was die Eisbären in den Vorjahren so erfolgreich gemacht hat. Trainer Don Jackson unterwies sie ausführlich in den Eigenheiten des Berliner Spielsystems, über eine Stunde wurde am Mittwoch gesprochen. „Es ist nicht so wie in Philadelphia, hoffentlich können wir uns schnell anpassen“, sagt Giroux. Den größten Unterschied zu dem, was sie sonst spielen, sagt Briere, sei die Aggressivität. Der EHC-Stil ist sehr offensivlastig, „das zwingt dich, immer fokussiert zu bleiben, wenn du nicht aufpasst, bringst du das Team in Schwierigkeiten“, sagt er. Auch das ständige Nachrücken auf den Positionen, um keine Lücken entstehen zu lassen, ist neu. „Leicht zu spielen ist es nicht, aber das System passt zu uns“, sagt Briere.
Zu André Rankel passt es auf jeden Fall, er kennt es ja auch schon lange. Der Kapitän der Berliner wird mit beiden eine Sturmreihe bilden. „Er ist ein sehr kraftvoller Spieler und ein toller Schütze“, sagt Claude Giroux. Er und Briere sind sehr gute Vorbereiter, das lässt auf eine gute Kombination hoffen. „Es wird eine besondere Zeit für André“, sagt Don Jackson. Aber auch für die anderen, im Training spricht und erklärt vor allem Giroux viel, zeigt den anderen Spielzüge und Variationen. „Sie haben einen guten Einfluss auf das Team“, hat Jackson schon festgestellt.
Große Verschiebungen im Team
Mit den kanadischen Superstars brechen allerdings auch viele Veränderungen über die Eisbären herein. Erwartet worden war, dass der Trainer einige der jungen Stürmer draußen lassen würde. Doch Jackson, im Übrigen zweimaliger Stanley-Cup-Sieger, wählt einen anderen Weg. Zwei der besten Angreifer werden vorläufig ihren Platz in der Abwehr haben. Julian Talbot und Travis James Mulock, der gerade teamintern der beste Punktesammler ist, müssen ihre angestammten Positionen verlassen. „Beide sind intelligent und können vorn und hinten spielen“, sagt der Trainer. Mulock wird mit Mark Katic eine Abwehrformation bilden, Talbot mit Frank Hördler.
Natürlich birgt das auch ein Risiko, Nachwuchs-Verteidiger Thomas Supis, der einen guten Job machte, wird nun zuschauen. Ob die beiden Stürmer sich nahtlos in die Defensive, die doch ein paar andere Anforderungen stellt, einfügen können, ist nicht sicher. Zumal Köln bislang offensiv sehr druckvoll und erfolgreich spielte. Auch strahlte die gesamte Berliner Abwehr nur selten Sicherheit aus, so dass die Verschiebungen den Prozess der Findung und Stabilisierung behindern können. Jackson betrachtet es pragmatisch. „Wir haben jetzt eine Menge mehr an Talent in der Mannschaft. Auf dem Eis müssen wir dieses Talent und harte Arbeit zusammenbringen“, sa
gt er und impliziert, dass dann schon alles laufen würde.
Prinzipiell ist ja sowieso oft zu hören, dass sich mit den Superstars nun alles von selbst fügt. „Klar sind die Erwartungen groß, aber das wollen wir ja auch, dafür sind wir hier“, sagt Claude Giroux. Auszumachen scheint ihm und Daniel Briere das wirklich nichts. Bei allem, was Jackson jetzt so gesehen hat auf dem Eis, fiel ihm eins immer wieder auf: „Sie sind nicht nervös.“ Daran wird auch sicher Uwe Krupps Anwesenheit nichts ändern.




