Verstärkung

Berliner Eisbären holen die NHL-Stars Briere und Giroux

Nürnberg, Hamburg, Köln - in den nächsten Spielen entscheidet sich, ob die Berliner zur Spitze aufschließen. Da kommt Verstärkung gerade recht.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Gute Eishockeyspieler, die nach Europa kommen wollen, gibt es derzeit viele in Nordamerika. In der NHL findet gerade ein Arbeitskampf statt. Wann die Liga in die Saison startet oder ob sie es überhaupt tut, steht in den Sternen.

Gutes Personal könnte auch der Deutsche Meister angesichts von Verletzungen noch gebrauchen. Und am Ende hat sich die Geduld von Peter John Lee ausgezahlt. Der Manager der Eisbären Berlin ließ sich durch mäßige Ergebnisse in den ersten Saisonspielen und vehemente Forderungen der Berliner Medienlandschaft nicht unter Zeitdruck setzen und hat nun einen spektakulären Coup eingefädelt. Wie die nordamerikanischen Sportsender TSN und ESPN übereinstimmend vermeldeten, befinden sich die beiden kanadischen Topstürmer Daniel Briere und Claude Giroux von den Philadelphia Flyers im Anflug auf die Hauptstadt. Beide Sender stützen sich dabei auf die Aussage von Pat Brisson, der als Agent beide Spieler vertritt.

Wenig später bestätigte auch Giroux, dem weitere Angebote aus europäischen Topligen vorlagen, im kanadischen TV den Wechsel nach Deutschland. „Die DEL ist eine gute Liga, hier wird wesentlich härter gespielt, als in der Schweiz oder Tschechien“, sagte Giroux unter Bezugnahme auf Angebote aus anderen Ländern.

In Berlin wollte am Freitag noch niemand den Deal bestätigen. „Noch gibt es keine Unterschriften unter die Verträge“, sagte ein Eisbären-Sprecher.

Ein riesiger Transfercoup

Es wäre ein riesiger Transfercoup, zwei Spieler dieser Kategorie unter Vertrag zu nehmen. Briere (34) ist mit 921 NHL-Partien ein sehr erfahrener Mann und dazu mit 752 Punkten (330 Tore, 422 Vorlagen) noch ein überaus gefährlicher Angreifer. Zweimal war der Kanadier Weltmeister. Giroux ist erst 24 Jahre alt und hat 335 Spiele absolviert, doch er gilt als einer der Profis, die die NHL in den nächsten Jahren prägen werden. Sowohl in diesem als auch im vergangenen Jahr wurde der Kanadier, der bislang 298 Punkte (99 Tore, 199 Vorlagen) sammelte, zu den NHL-All-Stars berufen.

Vergangene Saison spielte Giroux mit der tschechischen Legende Jaromir Jagr zusammen, der sieht in dem Mittelstürmer nun einen neuen Mario Lemieux. „Er ist ein kleiner Genius“, sagt Jagr über Giroux. Gemeinsam mit Briere, der sieben Millionen Dollar pro Jahr verdient (Giroux 3,5 Millionen), stand er 2010 im Finale um den Stanley Cup, verlor dort aber gegen die Chicago Blackhawks.

Angesichts der Problemlage der Berliner, die vor allem in der Abwehr ein Defizit haben, überrascht ein wenig, dass nun gleich zwei Center kommen sollen. „Der Verstand sagt ja, aber man weiß nie“, sagte Lee kürzlich auf die Frage, ob er eher in der Defensive oder der Offensive reagieren würde. Andererseits müsse er sehen, welche Spieler verfügbar seien. Und mit spielstarken Stars wie diesen beiden kann das Spiel der Berliner wohl leicht mehr in die Offensive verlagert werden. Tendenziell benötigt die Abwehr dennoch Unterstützung, vor allem langfristig.

Zehn Punkte hinter der Spitze

Mit Nürnberg und Köln treffen die Berliner auf Spitzenteams, dazwischen mit Hamburg, das sich ebenfalls gerade NHL-Verstärkung geholt hat (Jamie Benn von den Dallas Stars), auf eine Mannschaft mit großen Ambitionen.

Der Abstand ganz nach vorn ist nach sieben Spieltagen mit zehn Punkten schon beträchtlich. „Ich schaue nicht auf die Tabelle“, sagt Kapitän André Rankel vor der Partie in Nürnberg am heutigen Freitag (19.30 Uhr, live bei laola1.tv). Er hält das schon immer so. Was bisher ja nicht verkehrt war, denn „wenn es läuft bei uns, stehen wir oben“. In dieser Saison nun stottert der Motor gewaltig, aber da muss auch niemand extra auf die Tabelle schauen, um zu wissen, dass nach vorn einiges fehlt.

Immerhin, in Krefeld beim 4:2 am Dienstag „haben wir wieder als Mannschaft gespielt“, sagt Rankel. Fehler passierten trotzdem reichlich. „Unsere Aktionen müssen solider werden“, so Trainer Don Jackson. Die Ice Tigers, die erst eine Niederlage zu verzeichnen haben, würden sonst weit weniger gastfreundlich handeln als die Pinguine. Nürnberg gilt ohnehin als einer der Kandidaten, die um den Titel mitspielen. Der Etat des Klubs wurde von Chef Thomas Sabo um über eine Million Euro erhöht, das Geld investierte Manager Lorenz Funk junior in eine Reihe starker Akteure. Den klammen Düsseldorfern wurden gleich vier Top-Spieler abgenommen, inklusive dem Trainerstab um den langjährigen Berliner Jeff Tomlinson.

Elf Neuzugänge bei den Ice Tigers

Trotz der großen Veränderungen in Nürnberg fügte sich die Mannschaft schnell zusammen. „Ich bin ein bisschen überrascht“, sagt Trainer Tomlinson, der elf neue Profis integrieren muss. Der letzte kam gerade erst und machte gegen die DEG sein erstes Spiel, Steven Reinprecht, 713-maliger NHL-Profi, erzielte gleich ein Tor und gab eine Vorlage. „Nürnberg hat sich bisher als starker Rivale gezeigt“, sagt Don Jackson und fügt an: „Dort wollen wir auch wieder hin.“

Es klingt nicht danach, als würde der Trainer unbedingt drei Punkte in Nürnberg erwarten. André Rankel formuliert es etwas anders: „Ich denke, dass wir eine Mannschaft haben, die gut genug ist zu gewinnen. Aber gegen die Großen fehlt uns etwas das Selbstvertrauen.“