EHC Eisbären

Rankels Rückkehr soll Leistungssprung bringen

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Marcel Stein

Foto: Britta Pedersen / dpa

Nach Ablauf seiner Sperre kehrt Kapitän André Rankel in Ingolstadt erstmals in den Kader der Eisbären zurück.

Da war noch was. Florian Busch präsentierte sich in guter Form bei der Analyse, mindestens genauso gut wie vorher auf dem Eis, wo er mit seinem Tor zum 2:0 gegen die Düsseldorfer EG den ersten Saisonsieg des EHC Eisbären sicherstellte. Busch erzählte frech und fröhlich, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber eines hätte er fast vergessen. „Mensch, stimmt ja, Sonntag ist ja André wieder dabei.“ Der erste Sieg fühlte sich halt so gut an, dass die Sorgen der vergangenen Tage verblassten.

Dabei ist der Einsatz von André Rankel etwas, auf das beim Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) viele hinfiebern, allen voran Trainer Don Jackson. In Ingolstadt darf der Stürmer nach abgesessener Sperre am Sonntag erstmals in der neuen Saison eingreifen. Und, was heißt das für die Eisbären? „Das ist überragend, ein Brett“, sagt Busch. Zwar weiß man bei ihm nie ganz genau, wie er manche Dinge meint. Diesmal aber spiegelten die Worte punktgenau seine Wertschätzung wider.

Er soll Ustorfs Rolle übernehmen

Ob nun Busch oder auch andere Spieler, sie alle würden sicher ähnlich antworten auf die Frage nach der Rückkehr des 27-Jährigen. Der Trainer bezeichnet das, was er vom Spieler Rankel bekommt, in seiner Muttersprache als „full hand“ (zu deutsch: volle Hand). Rankel ist groß, er spielt körperlich hart, er ist schnell, hat einen starken Schuss und Führungskraft. Fünf wichtige Eigenschaften, die zusammen genommen einen kompletten, einen herausragenden Spieler ergeben. Einen, der eine Mannschaft lenken kann. Deshalb ist er nach dem Karriereende von Stefan Ustorf nun auch zum Kapitän der Eisbären aufgestiegen.

Auf Rankel verzichten zu müssen, war nicht einfach für Jackson und die Mannschaft. „Ich will gar nicht sagen, dass er jetzt noch wichtiger ist, denn er war immer ein wichtiger Spieler für uns“, erzählt Don Jackson. Natürlich besaß der Angreifer immer eine exponierte Rolle, er war schon der beste Torjäger der Berliner, er war Play-off-Topscorer der DEL. Aber als er das war, gab es bei den Eisbären eben auch noch die Alten, Spieler wie Ustorf, die das Team führten. Die sind nun alle nicht mehr da, die Mannschaft ist so jung wie nie, hinzu kommen neue Spieler, unerwartete Abgänge in der Abwehr, Verletzungen. „Unser Kader ist nicht sehr tief im Augenblick“, sagt Jackson. Deshalb ist Rankel gerade jetzt eben doch noch wichtiger als sonst.

Die Spiele bislang erlebte er nur als Zuschauer. Was dann genau auf dem Eis abläuft, sei für ihn nicht immer ganz nachzuvollziehen. Weil die Nähe zum Geschehen fehlt. Bei der ersten Niederlage gegen Straubing (1:3) sah er sein Team „zu nervös“. Bei der zweiten Niederlage in Mannheim (1:6) „waren wir in Über- und Unterzahl schlecht“. Gegen Düsseldorf „haben wir uns in diesen beiden Punkten verbessert“. Es stand immer jemand vor dem Tor in Überzahl, es wurde Druck auf das Tor ausgeübt. Dass anfangs nicht viel zusammenlief, hatte der Kapitän wohl geahnt: „Ich glaube nicht, dass wir große Abstimmungsprobleme hatten. Es war einfach klar, dass es nicht gleich zu 100 Prozent klappt mit den Veränderungen.“

Probleme mit der neuen Rolle hat er nicht, obwohl er mit 27 ein junger Kapitän ist. Die Wahl ist folgerichtig: Der Nationalspieler, der Jahr für Jahr mehr in die Aufgabe hineingewachsen ist, verfügt über das meiste Führungspotenzial im Team. Obwohl er kein Lautsprecher in der Kabine ist. Seine Vorbildfunktion füllt er überwiegend über die Leistung aus, im Spiel sowie im Training. „Ich muss da nichts an mir ändern“, sagt er. Er genießt genug Respekt, auch ohne viele Worte. Reden kann er trotzdem gut, nach außen gibt er sich immer sehr aufgeräumt, analysiert das Spiel der Mannschaft klar strukturiert. Er ist jemand, der bei jedem seiner vielen Tore zuerst dem Mitspieler das Lob zukommen lässt, anstatt sich selbst hervorzuheben.

Regeln werden noch verschärft

Dafür loben die anderen ihn. „Mit ihm sind wir viel präsenter auf dem Eis“, sagt Busch. Rankel ist eine Erscheinung auf dem Eis, ein Kraftbolzen, nur schwer zu stoppen. Was mitunter einen nachteiligen Effekt haben kann. Seiner Wucht sind nicht alle Gegenspieler gewachsen. Das hat ihm schon mehrere Spielsperren eingebracht, zuletzt eine von zehn Partien, die nun endet. Jetzt werden die Regeln noch härter angewandt und Berührungen am Kopf führen rigoros zu Spielausschlüssen wie bei Jim Sharrow gegen Düsseldorf (Jackson: „Ein bitterer Verlust für uns.“). Bereitet das dem Trainer Sorgen? „Nein, wir müssen einfach lernen, Hände und Stöcke unten zu behalten“, sagt Jackson. Rankel hat sich mit dem Thema beschäftigt, weil er weiß, dass er als Kapitän in einer besonderen Verantwortung steht. Zu viel ändern darf er aber auch nicht, das würde seinem Spiel die Effektivität rauben. Vor ihm liegt ein schwieriger Spagat.

In Ingolstadt, bei einem der Titelanwärter mit teurem und ausgeglichenem Kader, auch ein schwere Partie. Deshalb ist Jackson nicht nur froh über Rankel als Einzelspieler, sondern ebenso, weil er ihn mit Travis Mulock und Julian Talbot aufs Eis schicken kann. Es ist die einzige Sturmreihe, die schon vergangene Saison so aufgelaufen ist. „Sie sind eingespielt, das ist wichtig, nicht nur im Angriff, sondern auch, wenn es darum geht, den Puck zu halten“, sagt der Trainer. André Rankel war selten wichtiger für den EHC Eisbären als in diesen Tagen. Florian Busch hätte die Rückkehr im Siegesrausch trotzdem fast vergessen.