Eishockey

Eisbären hoffen auf NHL-Verteidiger

Die personelle Siutation bei den Eisbären bereitet ihnen aber bislang hinten und vorne nur Probleme. Nun soll es Verstärkung geben.

Foto: Max Nikelski / dpa

Alle kamen gar nicht mehr mit nach Hause. In Frankfurt trennten sich Verteidiger Frank Hördler und Torhüter Rob Zepp von der Reisegruppe des EHC Eisbären. Die war tags zuvor nach Mannheim ausgezogen, um einen Fehlstart in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu verhindern. Auf den Heimweg machte sie sich mit einem 1:6 im Gepäck, seit ziemlich genau drei Jahren hatte der Titelverteidiger nicht mehr mit fünf Toren Unterschied verloren (3:8 in Kassel im September 2009). Da darf man sich ruhig ein bisschen schämen, zumal es die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel war. Die Nicht-Rückkehr von Zepp und Hördler hatte jedoch einen anderen Grund, sie machten sich mit dem Nationalteam auf den Weg zum Länderspiel nach Wien.

Es war ein enttäuschendes Wochenende für den Meister. „Wir haben viele Probleme: in der Offensive, in Überzahl, in Unterzahl“, sagt Trainer Don Jackson. Er klingt nicht mal übermäßig frustriert, eher so, als wäre ihm schon länger klar, dass nicht gleich alles läuft. „Unsere Mannschaft ist sehr jung jetzt, viele Spieler müssen sich entwickeln“, so Jackson.

Ausfälle noch nicht durch adäquate Spieler ersetzt

Die Spieler, die die Berliner im Sommer verlassen haben, waren erfahrene Akteure, diese Erfahrung kam nicht ansatzweise durch Neue zurück ins Team. Ausfälle wie Constantin Braun, Darin Olver (beide verletzt) und André Rankel (noch ein Spiel gesperrt) fallen da noch schwerer ins Gewicht. Gerade die überproportional junge Abwehr bereitet Sorgen. „Dort brauchen wir mehr Organisation, etwas mehr Erfahrung dort würde auch den Stürmern helfen“, sagt der Trainer. Weil routiniertere Verteidiger den Spielaufbau besser einleiten könnten und den Angreifern weniger Defensivaufgaben zukommen würden. Mit der aktuellen Konstellation fehlt den Stürmern die Ruhe, sich ihren vordringlichen Aufgaben zu widmen. Nur zwei Treffer gelangen am ersten Wochenende, dafür gab es gleich neun Gegentore – und den letzten Platz in der Tabelle.

Drei Feldspieler fügen sich gut ein

Im Zusammenspiel zwischen Angriff und Abwehr fanden auch die neuen Profis ihren Platz noch nicht. Zwar führten sich die drei Feldspieler Jamie Arniel, Matt Foy und Mark Katic in der European Trophy gut ein. „Aber in der DEL wird aggressiver gespielt, die Teams sind defensiv besser. Sie müssen sich umstellen und anpassen“, sagt Jackson. Alle drei sind zum ersten Mal in Europa, Arniel mit 22 und Katic mit 23 Jahren auch sehr jung. „Wir müssen Geduld haben“, sagt Manager Peter John Lee.

Nach dem Lockout in der NHL kann er sich jetzt viel mit angebotenen Spielern beschäftigen. Einen erfahrnen Verteidiger, das weiß er, würde der Trainer gern noch haben. Dass dies kurzfristig ein NHL-Mann sein könnte, will Lee nicht ausschließen. Zwar ist die Dauer des Lockouts ungewiss und ein Problem. Aber: „Wenn einer nur für zwei Monate kommen würde, wäre das nicht schlimm“, sagt Lee. Weil dann die Verletzten zurückkehren. Gut möglich also, dass bald ein NHL-Profi in Berlin landet.