Eishockey

Neuer Berliner Eisbär Matt Foy ist schon Liebling der Fans

Der 29 Jahre alte Stürmer hat sehr schnell Eindruck bei den Berlinern hinterlassen. Im zweiten Spiel gelangen ihm drei Treffer.

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Hilfesuchend schaute er sich um. Aus der Stehplatzkurve der Fans des EHC Eisbären hallte im Sekundentakt sein Name, aber was das bedeutete, wusste Matt Foy nicht. Es war erst das zweite Spiel für den Kanadier in Berlin beim deutschen Eishockeymeister. Julian Talbot sprang dem neuen Kollegen schnell zur Seite, erklärte gestenreich den Ablauf der folgenden Szenen: leicht gebückt in die Kurve fahren, die Hände ein paar Mal wellenartig nach oben werfen und klatschend sowie mit einem Lächeln im Gesicht abdrehen. Das klappte dann auch ganz gut.

Eindruck hat der 29 Jahre alte Stürmer also flott bei den Berlinern hinterlassen, genau wie sie bei ihm. „So etwas mit den Fans habe ich noch nie erlebt. Das ist schon cool“, sagte Foy. Verdient hatte er sich die Anerkennung mit drei Toren im Spiel gegen Brünn. Nach nun zwei Auftritten der Eisbären in der European Trophy führt Foy den Wettbewerb der 32 Klubteams mit drei Treffern und zwei Vorlagen als punktbester Spieler an. Es scheint, als wäre EHC-Manager Peter John Lee da eine imposante Verpflichtung gelungen.

Auch die Worte von Trainer Don Jackson deuten darauf hin. „Es ist toll, ihn hier zu haben“, sagt der US-Amerikaner. Foy sei hungrig, fit, beweglich. „Ich glaube, er ist ein Topspieler“, so Jackson. Nur sicher kann sich darüber niemand sein, der erste Eindruck muss nicht viel sagen. Dass Foy darauf brennt zu spielen und viel zu zeigen, ist logisch – in den vergangenen Jahren konnte er das ja kaum.

Wenn Peter John Lee über den Flügelstürmer spricht, dann zieht er oft Parallelen zu Thomas Greilinger. Der Ingolstädter galt immer als Hochbegabter, der sein Potenzial aufgrund persönlicher Probleme nie ausschöpfen konnte und zwischenzeitlich in der Vierten Liga spielte. „Die Eisbären sind jetzt wie eine zweite Chance für Matt“, sagt Lee. So wie einst Ingolstadt, der Konkurrent der Berliner aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), für Greilinger. Auch Foys Talent ist unbestritten, er schaffte es bis in die nordamerikanische Profiliga NHL (57 Spiele für Minnesota). Doch Verletzungen (Schulter, Leiste) sorgten dafür, dass er in den drei Spielzeiten zwischen 2008 und 2011 lediglich elf Partien absolvieren konnte.

Vergangene Saison spielte er wieder, drittklassig in Nordamerika. Es lief ordentlich. „Das war gut für mein Selbstvertrauen“, sagt er. Und es veranlasste die Eisbären, es mit ihm zu probieren. Ein Stück weit aus alter Verbundenheit. Foy spielte mal für den Klub (Ottawa 67's), von dem auch Lee und Assistenztrainer Vince Malette sowie Stürmer Talbot kommen. In dem Transfer steckt viel Hoffnung darauf, dass die Pechsträhne von Foy vorüber ist. „Das ist auch ein Risiko“, gibt Lee zu. In Gesprächen habe er jedoch den Eindruck gewonnen, dass Angreifer Foy seine Karriere noch nicht abgeschrieben hat. Foy habe einen großen Willen. „Und wenn einer will, dann geht es auch“, sagt Lee.

Kanadier Arniel nächster Zugang

Der Start nährt diese Hoffnung, Foy zeigte sich läuferisch gut, ausgestattet mit großem Spielverständnis und geradem Zug zum Tor. „So wie er spielt, das passt genau zu uns“, sagt der Manager. Foy gefällt es hier sogar besser als in Nordamerika: „Hier kommt mir die größere Eisfläche entgegen, ich habe mehr Platz.“ In den Genuss der Vorzüge des größeren Freiraums kommt bald auch Jamie Arniel. Neben Foy, Verteidiger Mark Katic und Torhüter Sebastian Elwing gaben die Eisbären den Kanadier als vierten Zugang bekannt. Der 22-Jährige ist Mittelstürmer und soll nach dem verletzungsbedingten Karriereende von Denis Pederson und Stefan Ustorf die Vakanz zwischen den Flügelspielern ausfüllen. „Er hilft uns, in der Mitte stabil zu bleiben“, sagt Lee über den Profi, der für die Boston Bruins einmal in der NHL zum Einsatz kam, in den vergangenen drei Jahren aber sonst in deren Farmteam in der Zweiten Liga spielte.

Das Fehlen eines starken Rechtsschützen in der Abwehr nach dem Verlust von Richie Regehr und Nick Angell ist damit nicht kompensiert. Lee sucht also weiter nach Verstärkungen. Matt Foy hat sich bisher als solche erwiesen. „Ich habe meine ersten Spiele genossen, es ist eine tolle Gruppe hier“, sagt Foy, „und ich freue mich auf das, was kommt.“ Gewöhnlich folgt der Anfangseuphorie gern ein Loch, erst recht, wenn die Pause extrem lang war. „Wir müssen sehen, wie lange er das durchhält“, sagt Lee. Für Ingolstadt hat sich der Deal mit Greilinger gelohnt, er hielt sein Niveau bei der zweiten Chance.