Eisbären-Trainer Don Jackson hatte immerhin am Mittwoch die geplante Trainingseinheit gestrichen. Die Jungs hatten es sich auch verdient, schließlich war ihre kleine Deutschland-Tour sehr erfolgreich. Dafür streichelt der US-Amerikaner seine Spieler nun. "Die vergangenen Tage haben sehr viel Spaß gemacht", sagt Jackson. Während die Konkurrenz patzte, setzte sich der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit drei Siegen vom Feld ab und hat ein stattliches Polster, erarbeitet in einer Zeit, in der den Spielern einiges an Kritik entgegenschlug. Nicht zuletzt vom Trainer und auch von Manager Peter John Lee.

Jackson lacht. "Trainer, Fans und Medien beschweren sich immer", sagt der 53-Jährige. Er selbst nörgelte über Konzentrationsdefizite, Lee bemühte die Saisonphase - mit vielen Spielen hinter und noch mehr vor sich - als größten Feind für die Motivation der Profis. Nur relativiert sich alles bei einem Blick auf die Zahlen. Seit der Ligapause Anfang November absolvierte der Meister elf Partien und gewann acht. "So schlecht sind wir wohl doch nicht", sagt Sven Felski, mit vier Toren in den letzten vier Spielen in Hochform, lakonisch.

Sind sie nicht. Für viele Eisbären-Profis war die Darstellung in der Öffentlichkeit zuletzt daher "nicht nachvollziehbar" (Felski). Das Quengeln der sportlichen Leitung verstand auch nicht jeder. "Vielleicht ist es eine Art Taktik, um uns zu motivieren", sagt Angreifer André Rankel. Jedenfalls fanden sie alles "schon irgendwie komisch".

An manchen Tagen kommt sich Rankel vor, als wäre er im falschen Film. "Gewinnen wir 2:1, heißt es, wir wären nicht souverän gewesen", erzählt er. Natürlich, die Erwartungshaltung, die die Eisbären in den zurückliegenden fünf Jahren mit vier Meistertiteln aufgebaut haben, ist gewaltig. "Es macht ja auch oft viel Spaß, uns zuzuschauen. Aber einfach nur gewinnen reicht wohl nicht mehr, bei uns wollen alle Zirkus sehen", sagt Rankel. Willkommen bei den Eisbären.

Nur dass kein Missverständnis aufkommt: Dass nicht alle Spiele optimal waren, streitet niemand ab. Aber der Zirkus macht Pause. "Trotzdem einen Weg zu finden, zumal mit den vielen Verletzten, die Qualität muss man erst einmal haben", sagt Felski. Enge, umkämpfte Partien findet Rankel viel "wertvoller" als Siege mit sechs Toren Unterschied. Weil das Team lernt, mit Drucksituationen umzugehen.

Aufgeben will Jackson seine Rolle als Mahner trotzdem nicht. "Wenn man oft gewinnt, erscheinen die Details nicht mehr so wichtig", sagt der US-Amerikaner. Und diese Tendenz geht auch an seiner Mannschaft nicht einfach vorbei. Jetzt kann man sich vielleicht auch mal durchmogeln, im Play-off nicht.

Jackson setzt auf die Erfahrung, einerseits: "Wir haben viele Jungs, die die Liga gut kennen." Das ändert nichts an seiner Penetranz, er trichtert den Spielern unaufhörlich ein, was wirklich wichtig ist. "Ein Spiel dominieren kann man nur mit guter Defensive, und Titel gewinnen auch", sagt Jackson. Er selbst muss sich das ständig von Lee, einst ein Offensivspieler par excellence, anhören. Und beide zusammen finden eben immer genug Ansatzpunkte, um das Spiel der Mannschaft zu optimieren.

Auch jetzt. "Wir haben viele Spieler, die hart arbeiten, die aber nicht immer genug auf die Defensive achten", sagt Jackson. Den Perfektionisten im Team wie Denis Pederson und Steve Walker fällt das auf, es stört sie, so der Trainer, der sich durch diese Führungsspieler auch eine Selbsterkenntnis in der Mannschaft erhofft. Ob die so zuverlässig kommt wie in den vergangenen Jahren, weiß André Rankel nicht: "Aber es ist gut zu wissen, dass noch Luft nach oben ist."