Sie mussten geahnt haben, welche Auswirkungen diese Szene in der 47. Minute haben würde. Deshalb fuhren gleich mehrere Spieler der Iserlohn Roosters zum eigenen Tor und wiesen Schiedsrichter Willi Schimm darauf hin, dass dieser Treffer auf keinen Fall zählen dürfe. Der Ton wurde dabei wohl immer lauter, denn mit immer wilderen Armbewegungen pochte Schimm auf die Gültigkeit des Treffers. Enttäuscht zogen die Iserlohner ab, der EHC Eisbären hatte also zum 2:2 ausgeglichen. 55 Sekunden später machten die Berliner aus dem Rückstand eine Führung, die sie nicht mehr aus der Hand gaben.

Langsam wird die Serie des Spitzenreiters der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) etwas unheimlich. Scheinbar kann passieren, was will, am Ende gewinnen die Eisbären. Gegen Iserlohn beim 4:2 (1:1, 0:1, 3:0) nun schon zum achten Mal in Folge. Und nebenbei wächst der Vorsprung in der Tabelle stetig, er beträgt bereits 15 Punkte.

Bevor die offiziellen Statements des Titelverteidigers zur Partie folgten, sind diese mit ein paar beiläufigen Bemerkungen im Kabinengang schon relativiert worden. Da schlich Jeff Friesen noch einmal hinaus, um sich von den Fans in der mit 14200 Zuschauern ausverkauften O2 World bejubeln zu lassen und raunte dem verletzten Kollegen Sven Felski (Oberschenkelprobleme) zu: „Beschissenes Spiel.“ Und Don Jackson meinte auf dem Weg in sein Trainerzimmer, dass es nicht die beste Idee wäre, „nach dem Wie zu fragen bei diesem Sieg“. Die Punkte waren eingefahren, der Rest nebensächlich.

Großartige Spiele lieferten die Eisbären zuletzt sicher nicht. In den vergangenen drei Begegnungen lagen sie sogar jeweils lange Zeit zurück, gegen Iserlohn bis zu eben jener 47. Minute. Mal agierten sie zu hektisch, mal zu ungenau. Es schien fast, als würden die Roosters die Serie des Meisters beenden können. Bis Denis Pederson in einer eher harmlosen Situation den Puck hinter dem Tor herum führte und per Bauerntrick das 2:2 erzielte.

Solch ein Treffer fällt an sich nicht unter die Kategorie Eisbären-Eishockey. Diesen Begriff haben die Berliner in den vergangenen Jahren kultiviert als Ausdruck für ihr schnelles, präzises und kunstvolles Spiel. Davon sind die Eisbären derzeit allerdings ein gutes Stück entfernt. Ihre Spiele haben sich etwas gewandelt, verfügen aber dennoch über einen ähnlichen Charakter. Für das aktuelle Eisbären-Eishockey war wiederum Pedersons Tor ein gutes Beispiel. Wenn bei den Berlinern eigentlich nicht mehr viel geht, bringen sie den Puck trotzdem plötzlich im Tor unter. Durchaus glücklich. Phasenweise erinnert dies an den aus der Fußball-Bundesliga bekannten Bayern-Dusel.

Stefan Ustorf, Schütze des 3:2 (48.) und des 4:2 (52.), hatte eine wohlklingendere Erklärung. Mannschaften, die es darauf abgesehen haben, das Spiel der Eisbären zu zerstören, müsse man mürbe machen. „Man muss sie niederarbeiten, bevor man sie ausspielen kann“, so der Angreifer. Eine legitime Sichtweise, denn obwohl in den ersten beiden Dritteln nicht eben viele Höhepunkte der Berliner Spielkunst zu verzeichnen waren, ließen die Eisbären den Gästen auch nur wenig Ruhe. „Davon haben wir am Ende profitiert“, fand Ustorf, dessen Treffer dann wieder im alten Eisbären-Stil fielen.