Don Jackson und Stefan Ustorf sahen fast so aus, als müssten sie sich anstrengen, um ihren Arm zu heben. Zu einem offiziellen Termin hatten der Trainer und der Stürmer des EHC Eisbären ihre Ausgehkleidung angelegt. Die wurde in diesem Sommer um ein Accessoire erweitert. Ein fetter silberner Klunker, besetzt mit Brillanten, prangt nun am Finger. So sehr funkelt der Meisterring, dass er fast blendet.

Das Bild gibt die Stimmung bei den Eisbären in diesen Tagen gut wieder. Die Berliner brechen auf in eine neue Zeit, sie treten ein in eine neue, strahlende Welt, in die Welt der modernen Großarenen. Vorbei ist die Zeit, in der sie ihre Heimspiele in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im kleinen, stickigen Wellblechpalast ausgetragen haben. Ab jetzt ist die O2 World die neue Heimat der Berliner.

Bis der Titelverteidiger, der heute bei den Kölner Haien die Saison eröffnet (19.30 Uhr/Premiere live), sein erstes Spiel dort austrägt, dauert es noch ein paar Tage. Am 14. September gegen Augsburg ist Premiere. Es wird ein Auftakt mit Rekord. 14.200 Zuschauer werden in der ausverkauften Arena erwartet, so viele Besucher gab es noch nie bei einem Eishockey-Spiel in Berlin.

Auf der Hotline 120 Anrufe pro Minute

Genau so haben sie es sich vorgestellt beim EHC: Der Verein soll zum Publikumsmagneten werden. Die Rechnung geht bislang auf. "Bei unserer Tickethotline haben wir 120 Anrufe pro Minute", sagt Geschäftsführer Billy Flynn. Die Neugier ist groß, jetzt da der Klub in die Mitte der Stadt angekommen ist.

Verbunden mit dem Umzug ist das Streben nach einem neuen Image. "Wir wollen ein Klub für die ganze Stadt werden", so Flynn. Für die neue Identität mussten sie die alte zu einem großen Teil aufgeben. Das ist nicht schwer gefallen. Obwohl die sportlichen Erfolge immer zahlreicher wurden in den vergangenen Jahren, blieb der Ruf als piefiger Kiezklub erhalten. Das wurmte die Verantwortlichen.

Nun spielen die Berliner in jeder Hinsicht mit bei den ganz Großen. Mit der Arena und ihren technischen Möglichkeiten wird Eishockey nun auch in Berlin zum lauten, bunten und massenkompatiblen Spektakel. Durch die O2 World erhöht sich die Finanzkraft des Klubs. Die Attraktivität für Sponsoren steigt ebenso wie die Zuschauereinnahmen. Erstmals sind die Eisbären wirtschaftlich unabhängig. "Das ist ein fantastisches Gefühl", sagt Flynn. Der geschätzte Etat der Berliner ist um eine Million Euro auf 7,5 Millionen angewachsen. Nur die Adler Mannheim (acht Millionen), der große Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft, geben mehr Geld aus.

Die Eisbären setzen auf Bewährtes

Während sich auf infrastruktureller Ebene viel getan hat beim EHC, geht es im Sportlichen eher beschaulich zu. Die Eisbären setzen auf Bewährtes. Nur zwei Spieler kamen hinzu, und angesichts der Anzahl von Abgängen fragt man sich langsam, ob die Berliner überhaupt noch genug Profis aufbieten können. In den vergangenen beiden Jahren verließen 18 Spieler den Verein, nur sieben wurden verpflichtet.

Das funktioniert nur, weil der EHC konsequente Nachwuchsarbeit betreibt und so Jahr für Jahr junge Spieler aus den eigenen Reihen nach oben führt. Nie gab es ein jüngeres Meisterteam als in der vergangenen Saison. Und das Potenzial der Mannschaft sieht Stefan Ustorf noch lange nicht ausgereizt: "Die jungen Spieler werden wieder einen Schritt nach vorn machen. Ich denke, wir sind eine noch bessere Mannschaft als letztes Jahr." In der Liga ist man derselben Meinung, 14 von 16 Trainern sehen die Eisbären als Favoriten.

Doch nicht nur die DEL haben die Eisbären im Blick. Als Meister nehmen sie an der Erstauflage der Champions Hockey League teil. "Das ist für jeden von uns das Extra-Sahnestückchen", sagt Ustorf. In der europäischen Spitze mitzumischen, auch das ist eine neue Welt für den EHC Eisbären.