In Frankfurt warten sie schon darauf, dass Christoph Gawlik endlich sein erstes Spiel für die Lions in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) absolvieren kann. Schließlich ist der Rotschopf ein junger deutscher Profi mit Perspektive, sogar zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft zählt der 21-Jährige. Eine Leistenverletzung verhinderte bisher seinen Einsatz. Aber vielleicht klappt es ja an diesem Freitag, wenn der EHC Eisbären bei den Hessen zu Gast ist.

Gawliks Mitwirken bei den Lions hätte eine gewisse Symbolik. Trotz seiner jungen Jahre verfügt er bereits über eine veritable Erfahrung in der höchsten deutschen Spielklasse. Gesammelt hat er sie bei den Berlinern, 142 Mal stand Gawlik für den EHC auf dem Eis und wurde dreimal Meister.

Doch beim Titelverteidiger war kein Platz mehr für den Stürmer, deshalb wechselte er nach Frankfurt. „Wir freuen uns für ihn, dass er in der DEL spielen kann“, sagt EHC-Manager Peter John Lee. Es klingt nach einer Floskel, ist aber in Wahrheit viel mehr. Lee bringt nicht weniger als den Anspruch der Eisbären zum Ausdruck.

Der EHC bildet verstärkt Talente aus

Ambitionen definieren sich in der DEL nicht selten allein über den schnellen Erfolg. Die Zukunft des Sports gerät dabei all zu leicht aus dem Blick. In Berlin aber beschreiten die Eisbären einen anderen Weg. „Man muss auf das große Bild schauen. Die Liga soll immer besser werden, auch die Nationalmannschaft. Dazu brauchen wir mehr gute deutsche Spieler“, sagt Lee. Deshalb bilden sie beim EHC seit einigen Jahren verstärkt Talente aus. Und zwar in einem Maße, das über die eigenen Bedürfnisse hinausgeht. Die Berliner wurden nicht nur mit der jüngsten DEL-Mannschaft Meister, sie beliefern auch noch die ganze Liga mit jungen Spielern. In den vergangenen zwei Jahren verließen 20 Akteure die Eisbären, 14 davon waren junge Deutsche, die beim EHC in die DEL vorgestoßen sind.

Die Trennung von so vielen Spielern hinterlässt bei Lee kein schweres Herz. Aufgrund der hohen Zahl von Talenten ist der Konkurrenzkampf groß. „Es ist klar, dass wir nicht alle behalten können“, sagt der Manager. Aber das Ziel laute ja auch nicht, allen einen Stammplatz in der ersten Mannschaft des EHC zu verschaffen. „Wir helfen den Jungs, Profis zu werden“, so Lee. Über viele Einsätze im Oberliga-Team funktioniert das, die Talente können dort viel Spielpraxis sammeln und durch die Verflechtung mit der ersten Mannschaft zudem Einrücke in der DEL gewinnen.

Wie lohnenswert intensive Nachwuchsarbeit sein kann, haben die Eisbären mit ihren Meistertiteln gezeigt. Lee hofft, dass der Erfolg des EHC Nachahmer hervorbringt. Allein der Mut fehlt noch. Deshalb bedienten sich in der jüngeren Vergangenheit zehn DEL-Vereine aus dem Überangebot der Eisbären.

Das gerade durch die Berliner Investitionen gestiegene Niveau der deutschen Talente wurde auch in Übersee registriert. Rob Laird, Scout des Partner-Klubs Los Angeles Kings aus der NHL, ist derzeit in Berlin. Er will sich nicht nur die neue Heimstätte der Eisbären anschauen. Die jungen Spieler des EHC interessieren ihn weit mehr. „Deutsche Talente fliegen nicht mehr unter dem Radar“, sagt Laird. Es wäre der schönste Lohn für Lee, wenn er irgendwann junge Spieler an die NHL verliert.