Champions League

Moculescu startet mit einer Niederlage

Die BR Volleys unterliegen in der Königsklasse Zenit Kasan mit 1:3, zeigen unter ihrem neuen Trainer aber lange vermissten Kampfgeist.

Der neue Volleys-Trainer Stelian Moculescu (3.v.r.) gibt seinen Spielern Anweisungen

Der neue Volleys-Trainer Stelian Moculescu (3.v.r.) gibt seinen Spielern Anweisungen

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Über Jahrzehnte war Stelian Moculescu der größte Rivale der BR Volleys. So hätte es durchaus ungewohnt wirken können, als der Rumäne am Mittwoch beim Champions-League-Spiel der Berliner erstmals an der Seitenlinie hinter den Spielern mit den orangefarbenen Trikots stand. Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand hatte den 67-Jährigen ja erst am Montag, nach der Entlassung Luke Reynolds, zum neuen Cheftrainer ernannt.

Moculescu aber dirigierte den amtierenden Deutschen Meister mit Ruhe und Autorität, Gelassenheit und Disziplin, so als hätte er nie etwas anderes gemacht, als in der gut gefüllten Schmelinghalle, die am Mittwochabend 5.228 Zuschauer unter ihrem Dach vereinte, das Heimteam zu coachen.

Ein Sieg war ihm zu seinem Einstand zwar nicht vergönnt. 1:3 (17:25, 20:25, 25:23, 23:25) verloren die Volleys gegen Zenit Kasan, aber sie präsentierten sich auf eine Weise, die schon jetzt die Vermutung zulässt, der Trainerwechsel sei eine gute Entscheidung gewesen.

Erst das Jacket, dann den Respekt abgelegt

Während der Champions-League-Sieger, der die vielleicht besten und teuersten Spieler der Welt in seinen Reihen hat, im ersten Satz gnadenlos überlegen war und die Berliner ein ums andere Mal nur noch schützend ihre Arme über dem Kopf erheben konnten, um ihre Gesichter zu schützen, wenn der 2,10 Meter große Wilfredo Leon zum Angriff in die Luft stieg, hielten die Volleys ab dem zweiten Durchgang eindrucksvoll dagegen. Der Schlüsselmoment war eine Auszeit beim Stand von 7:13. Moculescu zog sein Jacket aus und gleichzeitig legten seine Spieler den Respekt vor dem übermächtig erscheinenden Gegner ab.

Immer wieder holte Moculescu einzelne Spieler zu sich heran. Er erklärte Libero Luke Perry noch einmal die richtige Abwehrbewegung und feierte an der Seitenlinie, als der junge Australier seine Anweisung umsetzte und einen der donnernden Angriffe der Russen abwehrte. Ein ums andere Mal zitierte er Zuspieler Pierre Pujol zu sich und bedeutete dem Franzosen, Ruhe zu bewahren, wenn er wieder eine seiner wilden Aktionen startete. Besonders auffällig aber war, dass der erfahrene Moculescu nach jeder guten Aktion Blickkontakt zu dem betreffenden Spieler aufnahm, um ihn zu loben. Das wirkte Wunder.

Am Ende brachte dieses Spiel den Berlinern zwar keinen Punkt ein für das Weiterkommen in der Königsklasse, dafür aber vielleicht das Vertrauen in ihren Kampfgeist.

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