Volleyball

Moculescu soll BR Volleys die Saison retten

Die BR Volleys feuern ihren Trainer Luke Reynolds und holen ausgerechnet den Ex-Rivalen Stelian Moculescu aus dem Ruhestand.

Bei den BR Volleys hören jetzt alle auf Stelian Moculescu

Bei den BR Volleys hören jetzt alle auf Stelian Moculescu

Foto: imago sport / imago/Eibner

Berlin.  Vor beinahe zwei Jahren ereignete sich in Berlin ein ganz besonderer Moment des deutschen Volleyballs: Stelian Moculescu beendete nach 40 Jahren und mehr als 40 Titeln seine legendäre Trainerkarriere. In der Max-Schmeling-Halle wurde der gebürtige Rumäne mit Ovationen in den Ruhestand verabschiedet. Es war ein bewegender Abschied, den die Berliner ihrem größten Rivalen bereiteten und wohl das einzige Mal, dass man Moculesco und seinen Kontrahenten Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys, in inniger Umarmung erlebte.

Das 0:3 in Lüneburg gibt den Ausschlag

Keiner der beiden dürfte damals geahnt haben, dass sie schon bald Seite an Seite kämpfen würden. Als Moculescu im Mai 2016 abtrat, ging der Mann, der den VfB Friedrichshafen in 19 Jahren zu 27 Titeln geführt hatte, mit einer 0:3-Niederlage im Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft. Es war der Tag, an dem die BR Volleys erstmals in der Vereinsgeschichte das Triple aus Europokal, deutschem Pokal und Meisterschaft gewannen.

Heute sind die Berliner davon weit entfernt. Das ist der Grund, warum Moculescu ins Trainergeschäft zurückkehrt: Nach dem 0:3 gegen Lüneburg am Sonnabend und einer bislang wenig begeisternden Saison entließ Niroomand am Montag Volleys-Trainer Luke Reynolds (32) und holte dafür den 35 Jahre älteren Moculescu nach Berlin. „Er ist für mich die ideale Lösung“, sagte er, „er hat immer noch Feuer in sich.“

Niroomand gesteht eigene Fehler ein

„Wir haben jetzt noch eine Chance, diese Saison zu retten“, glaubt Niroomand. Lange hat er sich hinter den jungen Australier gestellt, dem er die Chance geben wollte, sich in Berlin zu entwickeln. Zu lange, wie er heute sagt: „Ich hätte früher reagieren müssen.“ Seit Monaten stimmt die Einstellung im Team nicht mehr. „Das ist aber nicht nur dem Trainer anzulasten“, betont Niroomand. „Wenn ich könnte, würde ich auch den Manager rausschmeißen. Der hat zu viele Fehler gemacht.“ Er spricht von sich selbst. Die Entscheidung für Reynolds ist nicht die erste, die er revidieren muss. Bei Zuspieler Daan van Haarlem hatte er sich verschätzt. Schon im November holte er für den Holländer den Franzosen Pierre Pujol – die bislang beste Entscheidung dieser Saison. Die Zugänge Adam White und Kyle Russell konnten keine Akzente setzen, gleiches gilt für Mittelblocker Georg Klein.

Ebenso ist nicht von der Hand zu weisen, dass es gerade die Stammspieler wie Kapitän Robert Kromm, Paul Carroll oder Libero Luke Perry sind, die ihre Leistung derzeit nicht bringen. „Die Mannschaft brennt nicht“, klagt Niroomand. Reynolds ist es nicht gelungen, dieses Feuer wieder zu entfachen, wer also sollte besser dafür geeignet sein als der erfolgreichste Volleyball-Trainer Deutschlands? 13 Mal gewann Moculescu mit dem VfB die Deutsche Meisterschaft, 13 Mal den Pokal und 2007 die Champions League. Seit 2016 habe er viele Angebote bekommen, aus Polen, der Türkei, Griechenland. Alle hat er abgelehnt. „Aber als der Anruf von Kaweh kam, war ich sofort heiß. Das ist etwas, das mich noch mal reizt“, sagte Moculescu am Montag vor einem ersten Training mit der Mannschaft.

Situation erinnert an jene bei den Füchsen Berlin

Die Verpflichtung des Volleyball-Urgesteins erinnert an den Vertragsschluss der Füchse Berlin mit Trainer Velimir Petkovic. Geschäftsführer Bob Hanning holte den 61 Jahre alten Bosnier vor anderthalb Jahren mitten in der Saison, nachdem er das Experiment mit dem weniger erfahrenen Isländer Erlingur Richardsson für gescheitert erklärt hatte. Auch bei den Handballern trafen mit Trainer und Manager zwei starke Persönlichkeiten aufeinander, bei denen so manch einer glaubte, das könne niemals gut gehen. Die Füchse spielen bis dato die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte, Petkovic hat dem Team wieder eine Struktur gegeben, gleiches erhofft sich Niroomand nun von Moculescu. Als weiterer Assistenztrainer kommt Ex-Spieler Aleksandar Spirovski hinzu.

Schon am Mittwoch wird der 67-jährige Moculescu die Berliner von der Seitenlinie aus dirigieren. Die Partie gegen Champions-League-Sieger Zenit Kazan (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) dient noch zur Einstimmung, ein Sieg ist kaum zu erwarten. Sonnabend aber wollen die BR Volleys unbedingt gegen die United Volleys Platz zwei behaupten (18.30 Uhr, Schmeling-Halle).

Moculescu kann auch nicht zaubern

Sechs Partien stehen nur noch aus, bis das Play-off um die Meisterschaft beginnt. Rang zwei würde Heimrecht für das mögliche Halbfinale bedeuten. „Die Meisterschaft ist der wichtigste Titel“, sagt Niroomand. „Wenn wir den am Ende holen, können wir auch auf diese Saison als eine erfolgreiche zurückblicken.“ Dafür hat er nun mit Stelian Moculescu einen Experten an seiner Seite. Wenngleich der klar stellte: „Wir müssen uns erst kennenlernen. Ich bin auch kein Zauberer. Jetzt schauen wir erst mal auf Platz zwei.“