Volleyball

Warum Volleyballprofi Felix Fischer etwas zurückgeben will

Normalerweise verbringt Felix Fischer seine Zeit mit den BR Volleys oder seiner Familie. Doch zu einer PR-Aktion mit dem Malteser Hilfsdienst war er sofort bereit. Und machte unerwartete Erfahrungen.

Foto: Massimo Rodari

Felix Fischer kommt direkt vom Krafttraining. Für das, was er jetzt vorhat, braucht der Volleyball-Profi auch Kraft, obwohl seine Muskeln nicht sonderlich beansprucht werden. Er hat heute seinen Einsatz für den Malteser Hilfsdienst, bei der Essensausgabe, beim warmen Mittagstisch für Menschen in Not. Das gehört zu einer gemeinsamen Werbeaktion mit den BR Volleys. Man kann sagen: Das ist ja nur PR. Ist es aber nicht für Felix Fischer.

50.000 ehrenamtliche Helfer

Als der junge Familienvater gefragt wurde, ob er sich daran beteiligen wolle, hat er nicht überlegt, sondern sich gefreut. „Sag mir einen Grund, warum man da nein sagen soll“, erklärt der 30-Jährige. Wie wär’s mit dem, was viele antworten: keine Zeit; zu viel Arbeit; muss mich erst mal um meine Familie kümmern; dafür sind genug andere da. Oder, schon ehrlicher: Dieses Elend – ich weiß nicht, ob ich das kann.

Fischer scheint damit kein Problem zu haben. Zuerst muss er in die Küche, für Fotoaufnahmen mit Suppenkelle und Kochtopf. „Nun ziehen Sie erst mal Ihre Jacke aus“, fordert Brigitte Minke resolut. Die Küchenchefin ist seit fast 19 Jahren hier, ehrenamtlich. „An drei Tagen die Woche“, sagt sie, doch wie später zu erfahren ist, hat sie etwas geflunkert. In Wahrheit kommt sie öfter her. Aber Leute, die nicht des Geldes wegen bei Organisationen wie dieser mitarbeiten, machen da oft keine große Sache draus. 1000 ehrenamtliche Helfer haben die Malteser allein in Berlin, insgesamt sind es über 50.000 in Deutschland. Irgendwie merkwürdig, aber wahr: Ohne sie würden solche sozialen Dienste in einem der reichsten Länder der Welt nicht funktionieren.

Rentner kommen am Monatsende, wenn das Geld knapp wird

Die Steuereinnahmen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Genau wie die Zahl der Menschen, die zu Suppenküchen wie hier in Alt-Lietzow kommen. Es sind Rentner dabei, gerade am Monatsende, wenn das Geld knapp wird, manchmal ganze Familien. Natürlich Obdachlose, viele Migranten, auch illegal in Berlin lebende Ausländer. Das spielt hier keine Rolle: Wer in Not ist, erhält etwas zu essen. Viele kommen jeden Tag, das ganze Jahr über.

Heute gibt es Nudeleintopf mit Fleischeinlage. Der kleine warme Raum füllt sich in Sekundenschnelle. Manche der Gäste müssen bei Minustemperaturen draußen in der Kälte warten. Sie tun es klaglos, während drinnen Fischer die Schüsseln füllt und hier und da ein Schwätzchen hält. „Ist der ein Boxer?“, fragt eine kleine Frau ehrfürchtig, weil der Zwei-Meter-Mann zwischen diesen Leuten so mächtig wirkt. Fischer lacht. Obwohl die Fotografen schon weg sind, macht er weiter, eine halbe Stunde lang immerhin. „Das wär ja nicht echt sonst“, sagt er, „das wäre geheuchelt.“

Erfahrung mit den Hilfsbedürftigen geht unter die Haut

Der gebürtige Berliner ist jetzt Pate für die neue Ehrenamtskampagne der Malteser. Das Unternehmen sucht wieder Freiwillige. Bei der ersten Kampagne vor zwei Jahren war Sven-Sören Christophersen von den Füchsen Berlin das Gesicht der Aktion. Diesmal gibt es gleich deren drei: Fischer von den BR Volleys, den jungen Füchse-Star Paul Drux und die Eisschnellläuferin Bente Kraus. Die Idee zur Zusammenarbeit kam, weil der Malteser-Sanitätsdienst bei vielen Sportveranstaltungen bereit steht, um zu helfen, auch bei den Hand- und Volleyballern. Bisher gab es sogenannte Ehrenkarten für die Spiele des Deutschen Meisters. Aber mit der Werbeaktion ist den Maltesern mehr gedient. „Das Leben ist nicht nur Nehmen, sondern auch Geben“, sagt Fischer.

Als er vor mehr als zehn Jahren, noch beim SCC, anfing zu spielen, waren die Malteser schon da, bei jeder Partie. Einmal hat er erlebt, wie sein damaliger Kollege Sebastian Prüsener während eines Spiels umknickte. „Alles war kaputt am Knöchel, der Fuß stand quer ab“, erinnert er sich mit Schaudern. Aber weil ehrenamtliche Helfer da waren, kam Prüsener schnell ins Krankenhaus. Er spielt heute noch in der Bundesliga.

„Was hast du gemacht am Wochenende“ – „Nichts Besonderes“

Momentan werden Plakate hergestellt, die in Kürze im Berliner Stadtbild auftauchen sollen. Es gibt auch ein Werbevideo, das bei den Heimspielen in der Schmeling-Halle gezeigt wird, mit Fischer und einem jungen ehrenamtlichen Helfer. Der ist bei den Maltesern in seiner Freizeit als Einsatz-Sanitäter unterwegs. Er wird von einem jungen Mädchen gefragt: „Was hast du so gemacht am Wochenende?“ Worauf er, während vor seinem Auge seine Einsätze noch einmal ablaufen, antwortet: „Ach, nichts Besonderes.“

Felix Fischer sieht das ein bisschen anders. Seinen Einsatz wird er so schnell nicht vergessen. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Ich habe es mir anders vorgestellt, lauter, eher chaotisch.“ Alles ging dann sehr geordnet zu, „mit danke schön, bitte schön“. Aber nicht zuletzt war es eine Erfahrung, die unter die Haut ging. „Man weiß ja, dass es so etwas gibt. Nur wenn man es direkt sieht, da geht man schon mit einem anderen Gefühl nach Hause.“ Ihm ist auch bewusster geworden, wie wichtig Spenden für solche Organisationen sein und was sie bewirken können. Fast alle Gäste haben nach der warmen Mahlzeit auch noch Brot und Süßwaren mitnehmen können. „Ein türkischer Bäcker hat das alles zur Verfügung gestellt“, erfuhr der überraschte Sportprofi.

Viele sehen nicht, dass man auch viel zurückbekommt

Ob er das noch einmal machen würde? „Warum nicht?“, kommt die prompte Antwort, „vielleicht im monatlichen Rhythmus.“ Der Student der Sport- und Erziehungswissenschaften hat früher bereits, da war er schon Volleyball-Profi, als freiwilliger Helfer bei Jugendreisen seine Erfahrungen im sozialen Bereich gemacht. Und hatte viel Spaß dabei. Er arbeitete im Team, erlebte ein familiäres Umfeld, lernte ganz andere Menschen kennen. „Viele sehen nur, was sie investieren würden und wissen ja nicht, dass man auch viel zurückbekommt“, sagt er.

Und sei es nur, ein gutes Gefühl zu haben, weil man selbst etwas getan hat, statt es immer anderen zu überlassen.