Natürlich legt sich Mark Lebedew nicht fest. Zumindest öffentlich will der Trainer der BR Volleys nicht verraten, welchem seiner Zuspieler er am Donnerstag (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) in der Champions League gegen Resovia Rzeszow den Vorzug gibt. „Die Polen haben ja auch ihre Spione“, scherzt er. Kawika Shoji oder Sebastian Kühner? Sie wissen es selbst nicht. „Das sagt der Trainer einen Tag vor dem Spiel“, erklärt Kühner, „manchmal sogar erst direkt am Tag des Spiels.“

Lob für den Kollegen

Nicht erst seit dieser Saison macht das Lebedew so und nicht nur bei den Zuspielern. Aber vielleicht fällt es ihm wirklich auf dieser Position jetzt besonders schwer, eine Entscheidung zu treffen. Der Hawaiianer Shoji, drei Jahre lang die Nummer eins, strahlt aktuell nicht die von ihm gewohnte Unerschütterlichkeit aus. Und Sebastian Kühner, das sieht nicht nur sein Coach so, „hat sich ständig weiterentwickelt, technisch, taktisch, spielerisch“.

Er lässt damit Lebedew gar keine andere Wahl, als ihn vermehrt einzusetzen. Zuletzt war das beim 3:0 in Düren der Fall, da spielte der 27-Jährige durch und bot eine tadellose Leistung. Schon davor, beim 0:3 in Friedrichshafen, hatte er eineinhalb Sätze lang den gleichaltrigen Shoji ersetzt und diese Aufgabe gut gelöst. Der wiederum hatte im Hinspiel gegen Rzeszow aufgetrumpft und großen Anteil am verblüffenden 3:0 beim Favoriten gehabt. „Es ist nicht so, dass Kawika eine Krise hätte. In Polen hat er ein Wahnsinns-Spiel geliefert“, lobt Kühner seinen Kollegen.

In der Feldabwehr ist Größe eher hinderlich

Diese Ergebnisse stehen andererseits für die Schwankungen, denen die BR Volleys derzeit unterliegen. Auf und ab geht es, beim gesamten Team, nicht nur bei Shoji oder Kühner. In deren Falle gehe es allerdings nicht „um gut oder schlecht, sagt Lebedew, „Basti und Kawika spielen einfach sehr unterschiedlich“, was auch daran liegt, dass Kühner mit seinen 2,03 Meter Größe zehn Zentimeter länger ist als der Amerikaner.

Sein Schmetteraufschlag, die auf seiner Position überraschenden Abschlüsse am Netz, ein stabiler Block sind seine Stärken. Auf der anderen Seite fehlt dem Deutschen hier und da noch die Konstanz in seinen Aktionen, auch die Präzision im Zuspiel. Er selbst sieht Schwächen in der Feldabwehr – Größe macht sich dort nachteilig bemerkbar. Doch an alldem arbeitet Kühner, und es ist unverkennbar, dass sein Selbstbewusstsein nach Bronze mit der deutschen Mannschaft bei der WM in Polen nicht kleiner geworden ist: „Die WM und die Vorbereitung darauf hat mich ein ganzes Stück vorwärts gebracht.“

Die Konkurrenz hat sich besser auf Berlins Spiel eingestellt

Am Ende wollen die BR Volleys genau davon profitieren. Dass sie in dieser Saison unverhoffte Rückschläge erlebt haben, liegt auch daran, dass sie als gut eingespieltes Team zu ausrechenbar geworden sind. Bisher hatten die Berliner mit ihrem perfekt einstudierten Spiel gerade die nationale Konkurrenz quasi erdrückt. Doch die hat sich inzwischen besser darauf eingestellt.

Insofern ist Kühner für sein Team vielleicht wertvoller denn je. Seine unorthodoxe Spielweise kann den Trainer zwar ein paar Nerven kosten. Aber sie kann auch ein gegnerisches Konzept ziemlich über den Haufen werfen. Es muss also nicht nur einen geben, sondern kann sogar sehr hilfreich sein für den Trainer, zu wissen, dass er zwei Zuspieler hat, die an einem guten Tag auf ihre ganz eigene Weise eine enge Partie entscheiden können.