Die ganz große Show haben die BR Volleys dem VfB Friedrichshafen bereits gestohlen, als sie das Team vom Bodensee 2012 nach sieben Meisterschaften hintereinander ablösten und in der Folge selbst dreimal den Titel holten. Im Pokal allerdings ist der Coup bislang noch nicht gelungen. Im März verloren die Berliner das Finale gegen den großen Rivalen mit 2:3. Schuld daran war unter anderen Christian Dünnes, 30, der nach der Saison dann aber zu den BR Volleys wechselte. An diesem Donnerstag (20 Uhr, sportdeutschland.tv) will der 2,10 Meter große Diagonalangreifer seinem neuen Team helfen, den Friedrichshafenern schon früh den Griff nach dem Pokal zu verwehren. Das Los wollte es, dass die mit Abstand besten deutschen Teams schon im Viertelfinale in Friedrichshafen aufeinander treffen.
Berliner Morgenpost: Herr Dünnes, Sie haben erst Anfang November mit den Volleys in der Bundesliga mit 2:3 beim VfB verloren. Wie stehen die Chancen im Pokal?
Christian Dünnes: Ich glaube, das wird ein Spiel auf Augenhöhe, das hat ja auch die erste Partie gezeigt, die erst im Tie-Break entschieden wurde. Auswärts in Friedrichshafen antreten zu müssen, ist sicherlich ein Nachteil, das schwerste Los, das wir bekommen konnten.
Mit welchen Gefühlen fahren Sie zu Ihrem Ex-Klub?
Mit weniger Emotionen, als sich viele vielleicht vorstellen. Ich habe ja nur eine Saison dort gespielt. Da ist kein Heimatgefühl und da sind auch keine engen Bindungen gewachsen, anders als in Düren, wo wir ja dann am Sonntag spielen.
Sind Sie mit Ihrer Entscheidung, zu den BR Volleys zu kommen, zufrieden?
Was jetzt kommt, hört sich sehr platt an, aber es ist mein voller Ernst. Meine persönlichen Ziele stehen nicht im Vordergrund, sondern die der Mannschaft. Es bringt doch beispielsweise nichts, wenn ich viel spiele und wir verlieren. Mir war klar, dass auf meiner Position Paul Carroll die Nase vorn haben wird und ich entweder als sein Ersatzmann oder in Spielen gegen nicht ganz so gute Gegner zum Einsatz komme.
Das klingt sehr bescheiden.
Ich will meinen Beitrag leisten und gut spielen, wenn ich dazu die Chance bekomme, und das habe ich noch längst nicht so geschafft, wie ich mir das vorstelle. Hier bei den Volleys bekommen übrigens alle ihre Spielanteile, was mir sehr gut gefällt und wovon wir sicherlich noch profitieren werden. Keiner kann 40 Spiele in sechs Monaten bestreiten und bei Verletzungen ist es wichtig, dass alle im Wettkampfmodus sind.
Sie haben vor einer Woche in der Champions League mit Rzeszow in Polen eines der europäischen Spitzenteams geschlagen. Zeigt die Formkurve nach oben?
Das hoffe ich. Unsere beiden Zuspieler sind ja erst spät von ihren Nationalmannschaften gekommen. Wir haben gespielt und die Ergebnisse waren okay. Jetzt läuft es besser, dafür haben wir hart gearbeitet, aber wir können uns steigern. Wir sind noch längst nicht im Play-off-Form und das gilt sicherlich auch für Friedrichshafen. Dass alles seine Zeit braucht, ist normal. Übrigens: Um eine Mannschaft wie Reszow zu schlagen, musst du im Training ebenfalls an dieses Niveau herankommen und auch darin sehe ich meine Aufgabe. Niveau und Intensität im Training sind bei uns so hoch, wie ich es bei noch keinem anderen Klub erlebt habe.
Der Sieg gegen Reszow, noch dazu in fremder Halle, müsste Sie eigentlich vor dem Pokal-Duell in Friedrichshafen beflügeln.
Er gibt uns sicherlich Rückenwind, die Polen sind für mich das zweitbeste Team in Europa, die schlägt man nicht so oft. Aber es ist nicht so, dass jetzt irgendwelche Automatismen greifen und wir da auflaufen und denken, die hauen wir jetzt von der Platte. Aber natürlich wissen wir auch, dass wir wie in Polen auf einem sehr hohen Niveau spielen können.





